Startseite » Marsch für soziale Sicherheit » Die herkömmliche britische Klassengesellschaft aus Arbeiter-, Mittel- und Oberschicht gibt es nicht mehr. An ihre Stelle sind insgesamt sieben neue Klassen gerückt. Das ist das Ergebnis der bisher aufwendigsten Umfrage, die zu diesem Thema bisher unternommen worden ist. Die herkömmlichen Arbeiterschicht macht nur noch 14 Prozent der Bevölkerung aus.

Die herkömmliche britische Klassengesellschaft aus Arbeiter-, Mittel- und Oberschicht gibt es nicht mehr. An ihre Stelle sind insgesamt sieben neue Klassen gerückt. Das ist das Ergebnis der bisher aufwendigsten Umfrage, die zu diesem Thema bisher unternommen worden ist. Die herkömmlichen Arbeiterschicht macht nur noch 14 Prozent der Bevölkerung aus.

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Soziale Entwicklung in Grossbritannien
Eine Gesellschaft aus sieben Klassen

Ein Symbol der vergangenen Klassengesellschaft: Der Bowler-Hat war einst ein typisches Kennzeichen der Zugehörigkeit zu einer gehobenen sozialen Klasse in Grossbritannien und heute nur noch ein folkloristisches Accessoire. (Bild: Reuters)
Die herkömmliche britische Klassengesellschaft aus Arbeiter-, Mittel- und Oberschicht gibt es nicht mehr. An ihre Stelle sind insgesamt sieben neue Klassen gerückt. Das ist das Ergebnis der bisher aufwendigsten Umfrage, die zu diesem Thema bisher unternommen worden ist.

bbu. Mehr als in anderen europäischen Ländern galt Grossbritannien lange als eigentliche Klassengesellschaft, in der sich die verschiedenen sozialen Schichten stärker unterscheiden als anderswo und wo auch für Ausländer der Angehörige der Arbeiterschicht oder der Vertreter der Oberschicht auf den ersten Blick als solcher erkennbar war.

Inzwischen haben Jahrzehnte des sozialen Wandels nach dem Ende des Industriezeitalters aber ihre Wirkung getan: Die alten Klassenschranken sind zwar weitgehend verschwunden, aber nicht durch eine klassenlose Gesellschaft ersetzt worden, sondern durch neue Klassen mit anderen Merkmalen. Laut einer von der BBC in Auftrag gegebenen Studie, die auf einer Umfrage unter rund 160’000 Briten basiert, gibt es heute auf der Insel sieben Klassen.
Drei Elemente von Kapital

Die «Masseinheit», die dabei zur Messung eingesetzt wird, besteht aus drei Elementen: Wirtschaftliches, soziales Kapital und kulturelles Kapital. Mit dieser Brille betrachtet, ergibt sich folgende Aufteilung der Gesellschaft:

• Die Elite: Die privilegierteste Gruppe ist nicht nur ökonomisch am reichsten, sondern hat am meisten von allen drei Kapital-Elementen.

• Die etablierte Mittelklasse: Diese zweitreichste Gruppe ist mit einem Anteil von 25 Prozent im Land die zahlenmässig grösste. Sie ist zwar nicht so reich wie die Elite, kommt aber beim sozialen und kulturellen Kapital ebenfalls auf Rang zwei.

• Die technische Mittelklasse: Eine kleine, relativ gut abgegrenzte Schicht, die wohlhabend ist, aber in den Punkten soziales und kulturelles Kapital eher niedrig abschneidet. Eines ihr Kennzeichen ist soziale Isolation und kulturelle Apathie.

• Die traditionelle Arbeiterklasse: Ihre Angehörige verfügen in allen drei Bereichen über wenig Kapital, sie können aber nicht wirklich als arm bezeichnet werden. Beispielsweise befinden sich unter ihr viele Hausbesitzer. Ihr Durchschnittsalter ist aber unter allen Gruppen das höchste – es beträgt 66 Jahre.

• Die neuen wohlhabenden Arbeiter: Eine eher junge Gruppe, die sozial und kulturell aktiv ist, wirtschaftlich aber nur mittlere Einkommen erzielt.

• Aufsteigende Dienstleistungs-Arbeiter: Eine neue und junge urbane Schicht, die relativ arm ist, aber über relativ hohes soziales und kulturelles Kapital verfügt.

• Das Prekariat oder die Arbeiter in prekären Bedingungen: Die ärmste Schicht, die auch hinsichtlich sozialem und kulturellem Kapital klar am schwächsten abschneidet.

Wie die BBC berichtet, ist die Existenz einer wie in der Studie beschriebenen Elilte-Gruppe längst bekannt. Bisher wurde sie aber vereinfachend mit der Gruppe der Kadermitarbeiter und anderen Angehörigen des obersten Managements gleichgesetzt. Das auch aus anderen europäischen Staaten bekannte Prekariat am anderen Ende der sozialen Skala macht laut den Forschern heute etwa 15 Prozent der Bevölkerung aus. Beide Gruppen wurden bisher in England von der Soziologie vernachlässigt, die sich eher auf die traditionellen Arbeiterklasse und die Mittelschicht konzentrierte.
Neue soziale Grauzone

Wie die Soziologieprofessorin Fiona Devine gegenüber der BBC erklärte, sei für sie das interessanteste Ergebnis der Umfrage die neue Grauzone zwischen der herkömmlichen Arbeiterschicht (nur noch 14 Prozent der Bevölkerung) und der traditionellen Mittelklasse. Viele der aufsteigenden Dienstleistungs-Arbeiter und der neuen wohlhabenden Arbeiter würden sich ausserdem in der Eigenwahrnehmung nicht notwendigerweise entweder als «Arbeiter» oder als «Angehöriger des Mittelstands» sehen.

Diese in den letzten Jahrzehnten entstandene Schicht scheint ihrerseits mehrheitlich aus Nachkommen der früheren Arbeiterklasse zu bestehen, die durch Deindustrialisierung, Massenarbeitslosigkeit, Einwanderung und die Umgestaltung der städtischen Wohngebiete weitgehend fragmentiert worden ist. Dies alles zeigt: Das alte England des Industriezeitalters ist nicht nur wirtschaftlich, sondern auch gesellschaftliche längst Vergangenheit.
Der Klassenrechner

Für die Studie wurden in Grossbritannien rund 160’000 Personen befragt. Das Ergebnis wird auch in einer soziologischen Fachzeitschrift publiziert und an der nächsten Tagung der Fachverbands British Sociological Association präsentiert. Die Forscher verwendeten einen Fragekatalog, der neben den üblichen Punkten wie Einkommen, Vermögen und beruflichen Status auch Aspekte wie Freizeitaktivitäten und Fragen nach der Beruftstätigkeit von Verwandten, Freunden und Bekannten enthielt. Wer sich vom Computer selbst ausrechnen lassen will, welcher Klasse er angehört, kann dies online hier ausprobieren.

http://www.nzz.ch/aktuell/international/das-grosse-klassenrechnen-in-grossbritannien-1.18057548

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