Startseite » Marsch gegen Rassismus und Diskriminierung für gleiche Rechte » Am 8. April wird weltweit der Internationale Tag der Roma gefeiert. Viele Veranstaltungen in Deutschland und weltweit: 1971, vor 42 Jahren, fand an diesem Tag der erste Welt-Roma-Kongress in London statt, bei dem sich Roma-Vertreter_innen aus 25 Ländern trafen. Von diesem Tag an wurde begonnen, diskriminierende Fremdbezeichnungen mit der Selbstbezeichnung „Roma“ (Mensch) zu ersetzen. Immer noch grassieren rassistische Vorurteile gegen Roma in allen Ländern Europas. Besonders kann man dies in Frankreich, Italien und Ungarn beobachten, wo Roma systematisch vertrieben werden und mit einer breiten öffentlichen Zustimmung Hetze gegen sie betrieben wird. Aber auch Deutschland behandelt hier lebende Roma oft wie Rechtlose. Besonders getroffen werden hiervon Roma, die nach der Bombardierung Ex-Jugoslawiens durch die NATO 1999 nach Deutschland flüchteten. Jahrelang wurden sie nur geduldet, unterlagen der Residenzpflicht und durften nicht arbeiten. Ihnen und ihren hier aufgewachsenen Kindern droht nach dem Rücknahmeabkommen zwischen Deutschland und Kosovo die Abschiebung in ein Land, in dem sie massiv diskriminiert werden und in dem ihre grundlegendsten Menschenrechte gefährdet sind. Mit dem 31. März endet der Wintererlass und viele Familien werden erneut akut von Abschiebung bedroht sein! Bereits für den 10. April ist eine Abschiebung in den Kosovo geplant! In der etwa 700-jährigen Geschichte der Roma in Europa war die Minderheit spätestens seit Beginn des 16. Jahrhunderts zahlreichen Formen von Diskriminierung und Verfolgung ausgesetzt. Zur Zeit des Nationalsozialismus wurde eine unbekannte Zahl von Roma Opfer eines Völkermords (siehe Abschnitt unter Porajmos) vergleichbar der Vernichtung der europäischen Juden (Shoah).

Am 8. April wird weltweit der Internationale Tag der Roma gefeiert. Viele Veranstaltungen in Deutschland und weltweit: 1971, vor 42 Jahren, fand an diesem Tag der erste Welt-Roma-Kongress in London statt, bei dem sich Roma-Vertreter_innen aus 25 Ländern trafen. Von diesem Tag an wurde begonnen, diskriminierende Fremdbezeichnungen mit der Selbstbezeichnung „Roma“ (Mensch) zu ersetzen. Immer noch grassieren rassistische Vorurteile gegen Roma in allen Ländern Europas. Besonders kann man dies in Frankreich, Italien und Ungarn beobachten, wo Roma systematisch vertrieben werden und mit einer breiten öffentlichen Zustimmung Hetze gegen sie betrieben wird. Aber auch Deutschland behandelt hier lebende Roma oft wie Rechtlose. Besonders getroffen werden hiervon Roma, die nach der Bombardierung Ex-Jugoslawiens durch die NATO 1999 nach Deutschland flüchteten. Jahrelang wurden sie nur geduldet, unterlagen der Residenzpflicht und durften nicht arbeiten. Ihnen und ihren hier aufgewachsenen Kindern droht nach dem Rücknahmeabkommen zwischen Deutschland und Kosovo die Abschiebung in ein Land, in dem sie massiv diskriminiert werden und in dem ihre grundlegendsten Menschenrechte gefährdet sind. Mit dem 31. März endet der Wintererlass und viele Familien werden erneut akut von Abschiebung bedroht sein! Bereits für den 10. April ist eine Abschiebung in den Kosovo geplant! In der etwa 700-jährigen Geschichte der Roma in Europa war die Minderheit spätestens seit Beginn des 16. Jahrhunderts zahlreichen Formen von Diskriminierung und Verfolgung ausgesetzt. Zur Zeit des Nationalsozialismus wurde eine unbekannte Zahl von Roma Opfer eines Völkermords (siehe Abschnitt unter Porajmos) vergleichbar der Vernichtung der europäischen Juden (Shoah).

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8 April 2013 for World Wide Roma Movement „Let thousands of balloons fly in the sky!“

Bild Am 8. April wird weltweit der Internationale Tag der Roma gefeiert. 1971, vor 42 Jahren, fand an diesem Tag der erste Welt-Roma-Kongress in London statt, bei dem sich Roma-Vertreter_innen aus 25 Ländern trafen. Von diesem Tag an wurde begonnen, diskriminierende Fremdbezeichnungen mit der Selbstbezeichnung „Roma“ (Mensch) zu ersetzen. An diesem Tag einigte man sich ebenfalls auf eine gemeinsame Fahne (oben blau für den Himmel, unten grün in für die Erde und in der Mitte ein rotes Rad). Auch heute gibt es noch viel zu tun! Immer noch grassieren rassistische Vorurteile gegen Roma in allen Ländern Europas. Besonders kann man dies in Frankreich, Italien und Ungarn beobachten, wo Roma systematisch vertrieben werden und mit einer breiten öffentlichen Zustimmung Hetze gegen sie betrieben wird. Aber auch Deutschland behandelt hier lebende Roma oft wie Rechtlose. Besonders getroffen werden hiervon Roma, die nach der Bombardierung Ex-Jugoslawiens durch die NATO 1999 nach Deutschland flüchteten. Jahrelang wurden sie nur geduldet, unterlagen der Residenzpflicht und durften nicht arbeiten. Ihnen und ihren hier aufgewachsenen Kindern droht nach dem Rücknahmeabkommen zwischen Deutschland und Kosovo die Abschiebung in ein Land, in dem sie massiv diskriminiert werden und in dem ihre grundlegendsten Menschenrechte gefährdet sind. Mit dem 31. März endet der Wintererlass und viele Familien werden erneut akut von Abschiebung bedroht sein! Bereits für den 10. April ist eine Abschiebung in den Kosovo geplant! Wir wollen das nicht hinnehmen und unsere Solidarität mit den Betroffenen zeigen! Viel zu wenige Menschen konnten von den bestehenden Bleiberechtsregelungen profitieren.

Als Akt der Solidarität und um auf ihre Anliegen aufmerksam zu machen, werden Aktivist_innen in 20 Städten Deutschlands und in vielen Ländern weltweit am 8. April Luftballons in den Farben der Roma-Fahne in den Himmel steigen lassen. In über 50 Ländern auf der Welt setzen Menschen ein Zeichen gegen Ausgrenzung, Diskriminierung und für die Rechte und Selbstermächtigung von Roma.

Wir fordern, dass sich Öffentlichkeit und Politik gegen die Ausgrenzung von Roma einsetzen und ihre Verantwortung für die jahrelange Isolation und Marginalisierung geduldeter Flüchtlinge übernehmen: Wir fordern ein bedingungsloses Bleiberecht sowie Bewegungsfreiheit für alle Menschen, die über Jahre hinweg unter den unmenschlichen Bedingungen der Duldung leben mussten!

Wir fordern ein Ende der Ausgrenzung und Isolation von Flüchtlingen in Lagern – Solidarität mit der Break Isolation Bewegung!

Gegen Zwangsräumungen – Save Dale Farm!

alle bleiben!

2013sind vom Düsseldorfer Flughafen aus folgende Sammelabschiebungen terminiert :
23.04. Serbien
07.05. Kosovo
18.06. Serbien/Mazedonien
16.07. Serbien
24.09. Serbien
08.10. Kosovo
19.11. Serbien

 

Kontakt: news@alle-bleiben.info

http://europeanromamovement.org/detail_t.php?ID=56&Lang=eng

http://romanationday.org/en/updates.html

http://www.alle-bleiben.info/termine/termine67.htm

http://www.roma-center.de/termine/termine13.htm

Motivation video https://vimeo.com/60460838

www.facebook.com

 

Weltweite Events zum 8.April 2013 for World Wide Roma Movement

Tirana/Albania * Buenos Aires/Argentina* Perth/Australia* Vienna/Austria * Belarus* Saint Niklas&Brussels/Belgium * Sarajevo/Bosnia* Rio de Janeiro/Brazil * Sofia/Bulgaria * Toronto/Canada * Chile * Bogota/Colombia * Zagreb/Croatia * Cyprus * Prague/Czech Republic * Denmark * Ecuador * London/England * Estonia * Helsinki/Finland * Paris&Cagliari(Sardinia)/France * Georgia * Greece * Germany25 cities*Budapest/Hungary * Chandigarh/India * Iran * Dublin/Ireland * Genoa&Lombardy&Marche&Campania/Italy * Jerusalem/Israel * Jordan* Gnjilane&Haxi&Prizren&Pristina&Mitrovica/Kosovo * Latvia * Luxembourg * Skopje&Kumanovo/Macedonia * Mexico * Moldova* Podgorica/Montenegro * Netherlands * New Zealand * Norway * Bialystock/Poland* Portugal * Sibiu&Cluj(Rata Pata)&Bucarest/Romania * Ekaterinberg/Russia * Glasgow/Scotland * Belgrade&Beocin/Serbia * Bratislava/Slovakia* Ljubljana/Slovenia * South Africa * Barcelona&Valencia/Spain * Sweden * Bern/Switzerland * Istanbul&Edirne/Turkey * Odessa/Ukraine * New York&Houston&San Francisco/USA *

Bundesweite Luftballonaktionen:

Stadt Ort/Adresse Uhrzeit Organisation
Magdeburg vor dem Hundertwasserhaus am Breiten Weg 16.00 Uhr Romano Drom
Wiesbaden Bahnhofstraße am Mahnmal für Sinti und Roma 18:30 Die Linke
Hamburg voraussichtlich: Zentrum Billstedt voraussichtlich: 16 Uhr AK Roma Flüchtlingsrat HH, Roma, Flüchtlingskinder Gruppe an der Schule Arnkielstraße
Freiburg roma büro freiburg
79110 freiburg
ensisheimerstr. 20
Fest 17-22 h
Ballonaufstieg: 19:30 h
Roma Büro Freiburg
Münster vor dem Stadthaus 1 14:30 Uhr Private Organisatorin
Kassel Vor dem Rathaus vor der Gedenktafel für die Ermordeten Sinti und Roma 17 Uhr Antirassistische Aktion Kassel
Hannover Landtag: Treffen mit SPD, FDP und Grünen
Veranstaltung: Lebenslagen von Roma-Familien in Rumänien,Tagungshaus St. Clemens
14 Uhr

18:30 Uhr

Romane Anglonipe,
Hannover Jugendgästehaus Jugendgästehaus
Bremen Kundgebung neben dem Roland auf dem Marktplatz 16-18:30h Roma.Soli.Bremen
Essen/Mühlhausen Private OrganisatorInnen
Stuttgart/Ludwigsburg ? Campus Private Organisatorin
Erfurt Erfurter Anger, Kundgebung und Ballonaktion (vor dem Anger 1) 14 Uhr Gruppe f.r.a.i.
Köln Veranstaltung: Vielfalt der Sinti-, und Roma- Frauen (mit Anmeldung)

Luftballonaktion: Park der Religionen der Caritas

ab10 Uhr

ab13:30 Uhr

Romane Romnja NRW
Bonn Stadtzentrum Romane Romnja NRW
Wuppertal Stadtzentrum Romane Romnja NRW
Heinsberg Stadtzentrum Romane Romnja NRW
Gronau Stadtzentrum Romane Romnja NRW
Berlin Luftballonaktion: Refugeecamp Oranienplatz
Demo und Gedenkkundgebung: Ungarische Botschaft
ab 12 Uhr

15 Uhr

Refugeecamp Oranienplatz, „Fight Racism Now,“ IniRromnja, Rroma Informations Centrum, Rroma Aether Club Theater u.a.
Gera Heinrichstraße 38, vor dem Frauenkommunikationszentrum des Demokratischen Frauenbundes 15-16 Uhr Diakonie Freundeskreis für Flüchtlinge, Netzwerk Integration und Roma-Flüchtlinge
Chemnitz Am Markt
(vor dem Rathaus)
13 Uhr Landtagsabgeordnete Annekathrin Giegengack, Chemnitzer Grünen
Jena/Thüringen The Voice Refugee Forum
Frankfurt ? KAV?
Recklinghausen Stadtmitte, Gastkirche 13 Uhr verschiedene Organisationen
Göttingen Mensa Foyer
Antirassistischer Stadtrundgang (Beginn: Neues Rathaus)
ab 12Uhr

15:30 Uhr

AK Asyl, Amnesty International,
Roma Center
Dresden Altmarkt 13-14:30 Uhr Bündnis 90/Die Grünen ?
Emden Marktplatz Initiative in Emden und Krummhörn „Bleiberecht für Roma“ / Amnesty International
Waltershausen Marktplatz ab 16 Uhr KoWa
Leipzig Augustusplatz, am Mendebrunnen 13 Uhr Bündnis 90/Die Grünen Leipzig
Lörrach Piratenpartei
Hesepe No Lager Gruppe Osnabrück
Osnabrück No Lager Gruppe Osnabrück
Bramsche No Lager Gruppe Osnabrück
Lingen No Lager Gruppe Osnabrück
München Karlsplatz / Stachus ab 14:30 Uhr Ballonbefüllung,
Aufstieg 16 Uhr
 

Roma Center Göttingen e.V.
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Roma Center Göttingen e.V.
Postfach 30 05
37020 Göttingen
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www.roma-center.de
mail@roma-center.de
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+49(0)152/05 919 700
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admin@alle-bleiben.info
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Zuwendungen können auf das folgende Konto überwiesen werden:
Roma Center
Sparkasse Göttingen
K-Nr. 170 399
BLZ 260 500 01

Roma

Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Roma (Begriffsklärung) aufgeführt.

Vermutete Migration der Roma nach Europa

Roma (Mehrzahl; Einzahl: Rom) oder (oft abwertend) Zigeuner ist der Oberbegriff für eine Reihe ethnisch miteinander verwandter, ursprünglich aus dem Nordwesten des indischen Subkontinentsstammender Bevölkerungsgruppen, die vom indischen Volk derDoms abstammen.[1][2] Der Aufbruch aus Indien fand nachgenetischen Studien um 500 n. Chr. statt.[3][4] Die Migration verlief nicht einheitlich, sondern auf mehreren Wegen und in mehreren Schüben. Die Sprache der Roma ist das Romani, das sich in vieleDialekte aufgespalten hat. Seiner Herkunft nach gehört das Romani zu den indoarischen Sprachen. Die nächstverwandte Sprache ist dasDomari der Dom.

Viele Angehörige der Minderheit werden sowohl aufgrund ihrer ethnischen Zugehörigkeit als auch aufgrund ihrer sozialen Situationmarginalisiert und stehen so im Schnittpunkt zweier Formen gesellschaftlicher Ausgrenzung. In manchen europäischen Staaten sind sie über eine gesellschaftliche Randstellung hinaus noch in jüngster Zeit offener Verfolgung ausgesetzt gewesen oder noch ausgesetzt.

Inhaltsverzeichnis

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Bezeichnungen [Bearbeiten]

Selbstbezeichnungen [Bearbeiten]

Roma [Bearbeiten]

Im allgemeinen Verständnis bezeichnet der Begriff „Roma“ (Sg. m.rom, Pl. neben roma auch rom; Sg. f. romni, Pl. romnijarom = „Mann“ oder „Mensch“) über alle Teilgruppen der Ethnie hinweg die Angehörigen der Gesamtethnie. Dies ist auch die Ansicht des von den Vereinten Nationen anerkannten Weltdachverbands der Roma, der International Roma Union.[5]

Historisch belegt sind „rom“ und „romni“ im deutschen Sprachraumein erstes Mal 1726 im Waldheimer Lexikon der „rothwelschen“ und der „zigeunerischen Sprache“ eines unbekannten Verfassers mit der zutreffenden Übersetzung „Manns-Person“ und „Frau“.[6] „Sinti“ scheint jüngerer Herkunft zu sein. Es tritt erst 1787 als „Sende“ in derSulzer Zigeunerliste auf, dann mit „Sinte heißt also dieses Volk“ ein zweites Mal 1793 in einer Darstellung preußischer „Zigeuner“. Das Wissen seines Gewährsmanns beschreibt der Verfasser als mehrere Jahrzehnte alt, es dürfte mithin aus der Mitte des 18. Jahrhunderts stammen. Neben Sinte und Sintessa setzt er synonym Rom undRomni für Mann/Ehemann bzw. Frau/Ehefrau.[7]

Der erste Weltkongress der internationalen Bürgerrechtsbewegung der Roma in London 1971 legte die Bezeichnung „Roma“ als Gesamtkategorie für die unterschiedlichen Teilgruppen offiziell fest. Auch der zweite internationale Dachverband von Roma-Organisationen, der Roma National Congress (RNC), verwendet den Begriff „Roma“ als Überbegriff.[8] Die von den Mitgliedstaaten desEuroparates eingesetzte Europäische Kommission gegen Rassismus und Intoleranz (ECRI) empfahl 1998, für die verschiedenen partikularen Gruppen der Roma die Namen zu verwenden, die diese für sich selbst gebrauchen.

Sinti [Bearbeiten]

Die deutschstämmigen (deutschsprachigen) Roma werden Sinti genannt.

Sinti und Roma [Bearbeiten]

In Deutschland bezeichnet der Doppelbegriff „Sinti und Roma“ die deutschsprachige Teilethnie (Sinti) und die romanisprachige Gesamtethnie (Roma). Gemeint sind mit dieser nicht ganz logischen Bezeichnungsweise deutschstämmige und nicht-deutschstämmige Roma. Wegen dieser Bezeichnungsweise herrscht in Deutschland manchmal die Ansicht vor, dass es zwei verschiedene deutschstämmige Zigeunergruppen gebe, eben Sinti und Roma. Dies trifft jedoch nicht zu, da Roma der Oberbegriff für alle Roma/Zigeuner ist. In Österreich, wo die deutschstämmigen Sinti die Minderheit der Roma bilden, wird auch die Bezeichnung Roma und Sinti verwendet. Außerhalb des deutschen Sprachraums sind solche Doppelbezeichnungen nicht üblich.

Manouches [Bearbeiten]

Die französischstämmigen (französischsprachigen) Roma werdenManouches genannt.

Kalé [Bearbeiten]

Die iberischstämmigen (spanisch- und/oder portugiesischsprachigen) Roma werden Kalé genannt.

Darüber hinaus definieren sich Angehörige selbst je nach eingenommenem Blickwinkel emisch oder etisch zum Teil unterschiedlich, je nachdem, ob Außenstehenden, der eigenen oder einer anderen Sippe gegenüber. Wichtige Kategorien zur Selbstdefinition und Abgrenzung sind die eigene Sippe (oft eine Berufsbezeichnung), Sprache (z. B. als Türke auf dem Balkan) oder Religionszugehörigkeit (z. B. „Moslem“ in christlichem Umfeld).

Fremdbezeichnungen [Bearbeiten]

Zigeuner [Bearbeiten]

Zigeuner (zigan, zigani, zingaro u. ä.) wird als Sammelkategorie verwendet. Die genaue Herkunft dieser gemeineuropäischen Fremdbezeichnung ist nicht sicher. In der Regel jedoch wird als gemeinsame Wurzel das griechische Wort atsinganoi angenommen. Es ist wahrscheinlich eine korrumpierte Form von athinganoi, Name der im 9. Jahrhundert bezeugten gnostischen Sekte der Athinganenoder Athinganer, seit dem 12. oder 13. Jahrhundert aber ebenfalls im Sinne von „Zigeuner“ verwendet, und dann mit eindeutigem Bezug darauf (o toùs kaì Aìgyptíous kaì Athingánous, s. auch u. zu „Ägyptern“) bei Gregorios II. Kyprios (1283–1289 Patriarch von Konstantinopel).[9]

Der Begriff hat eine lange Geschichte als abwertende Fremdbezeichnung. Im Nationalsozialismus wurde er mit rassistischem Inhalt als Gesamtbezeichnung der Ethnie verwendet. Weil er historisch und vor allem nationalsozialistisch belastet ist, wird er von vielen Roma, so auch vom Zentralrat Deutscher Sinti und Roma, als diffamierend abgelehnt. Anderer Ansicht ist die Sinti Allianz Deutschland, die das Wort neben Sinti auch als Eigenbezeichnung akzeptiert. Es sei unabhängig von den ihm anhängenden negativen Konnotationen an und für sich nicht diskriminierend. Nicht das Wort, sondern die Sprecherabsicht sei entscheidend.[10] Im mehrheitsgesellschaftlichen unreflektiertenAlltagsdiskurs – hier mit diffusem und nicht unbedingt ethnischem Inhalt, aber auch im wissenschaftlichen Raum – hier ethnisch-kulturell ausschließlich auf Roma im Sinne der Gesamtethnie bezogen – war das Bemühen um eine neue sprachliche Konvention nur begrenzt erfolgreich. Anders als „Neger“, „Fräulein“ oder „Lappe“ wurde „Zigeuner“ dort durch die respektierenden Eigenbezeichnungen nicht vollständig abgelöst.

Fahrendes Volk [Bearbeiten]

Der unscharfe Begriff Fahrendes Volk, der heute aus einer vor allemexotisierenden Perspektive auf alle möglichen Gruppen von „Fahrenden“ angewendet wird, ist kein brauchbares Synonym: Die weitaus meisten Roma sind sesshaft, es gibt viele „Fahrende“, die keine Roma sind.

Tatern [Bearbeiten]

In Norddeutschland, im SchwedischenNorwegischen und – hier weniger gebräuchlich – im Dänischen findet sich mit den Fremdbezeichnungen Tatern bzw. tattare ein sprachlicher Bezug zu „Tataren“ (→ Resandefolket). Auch in Rumänien werden sie, wenngleich selten, als „Tataren“ bezeichnet (rumänischtătăraşi,siebenbürgisch-sächsischTatern). Ob diese Etikettierung in einem Zusammenhang mit einem tatarischen oder türkischen Vordringen nach Europa steht, ist eine spekulative Annahme.

Gitanos [Bearbeiten]

Inzwischen historische Fremdbezeichnungen sind die vormals weit verbreiteten Begriffe Heiden und Ägypter. Letzterer geht zurück auf eine mythische Herkunftserklärung, nach der die Minderheit büßend auf einer Pilgerfahrt aus „Klein-Ägypten“ nach Europa gekommen sei. Dahinter steht als realer Ansiedlungsort und Namensgeber eine für das 14. und 15. Jahrhundert nach einem Berg Gype auf derPeloponnes belegte Siedlung „klein Egypten“ von „Egyptianern genannt Heyden“ bzw. von „romiti“.[11] Sprachlich findet die Bezeichnung sich noch im Englischen als Gypsy (historisch weit weniger belastet als der Ausdruck „Zigeuner“), im Spanischen alsgitano, im Französischen als gitan oder im Griechischen als gifti.

Romanibezeichnung der Nichtroma [Bearbeiten]

Das bevorzugte Romanes-Wort für die Angehörigen der Mehrheitsbevölkerung ist gadzo (f. gadzi). Wörtlich übersetzt heißt es „Bauer“. Es steht für die Lebenswelt der Vormoderne. Ein weiterer weniger an dem Stereotyp eines klaren Gegensatzes von nicht sesshafter und sesshafter Lebenswelt orientierter und weniger abgrenzend gemeinter Begriff ist raklo (f. rakli).[12]

Herkunft [Bearbeiten]

Laut genetischer und sprachlicher Untersuchungen stammen die Roma vom Volk der Domba (Sanskrit ḍoma) ab, das sich über ganz Indien verteilt und seinen Ursprung im Nordwesten des indischen Subkontinents hat.[13][14] Die Domba in Nordindien bezeichnen sich selbst als Dom. Daneben kommen auch Dialektbezeichnungen wie Domaki, Dombo, Domra, Domaka, Dombar, Dombari und andere vor. In der hinduistischen Kastengesellschaft rangieren die Domba als Dalit (= Paria) unter den vier Hauptkasten (Varna) der Brahmanen,KshatriyasVaishyas und Shudras.

Der Aufbruch aus Indien fand nach genetischen Studien um 500 n. Chr. statt. Einige Gruppen wie die Dom blieben im Nahen Osten oder gelangten in die südlichen Mittelmeer-Anrainerstaaten. Um 1100 n. Chr. wurde der Balkan erreicht.[15] Dort spalteten sich die Roma in einen südeuropäischen und einen mitteleuropäischen Zweig auf.

Sprache [Bearbeiten]

Herkunft [Bearbeiten]

Die Sprache der Roma, das Romani oder Romanes, ist mit denindoarischen Sprachen, wie dem Sanskrit, verwandt. Die nächstverwandte Sprache ist das Domari der Domba, von denen die Roma abstammen. Nach der Genese des Grundwortschatzes und der Grammatik sowie nach der Phonologie ist Romanes eine neuindoarische Sprache. Sie hat sich seit mehr als 1500 Jahren unabhängig von den übrigen indischen Sprachen entwickelt.

Den ersten Hinweis auf die indische Herkunft der Roma und ihrer Sprache lieferte die sprachvergleichenden Arbeit Sprache und Herkunft der Zigeuner aus Indien von Johann Christian Christoph Rüdiger aus dem Jahr 1782. Bekannter wurde das ein Jahr später veröffentlichte Werk von Heinrich M. G. Grellmann Die Zigeuner. Ein historischer Versuch über die Lebensart und Verfassung, Sitten und Schicksale dieses Volkes in Europa nebst ihrem Ursprung aus dem Jahr 1783.

Beeinflussung durch andere Sprachen [Bearbeiten]

Zur Sprache gehören daher auch eine von den Kontaktsprachen beeinflusste Syntax und ein umfangreicher nichtindischer Wortschatz.Lexeme des mittelalterlichen Griechisch haben unter nur geringem lautlichen Wandel das Romanes bereichert, wie etwa drom (Straße),foro (Stadt), okto (acht) und andere Lehnwörter, die sich bis heute erhalten haben. Armenischen Ursprungs sind Lexeme wie grast(Pferd) oder bov (Ofen). Außerdem gibt es auch noch ossetische und andere iranische Einflüsse.

Die methodische Erfassung der Lehnwörter diente dazu, dieMigrationsbewegungen der Roma zu rekonstruieren, was jedoch nur bedingt möglich ist. Immerhin hat die Linguistik inzwischen zu einer brauchbaren Einteilung der verschiedenen Dialekte des Romani gefunden. Die regionale Dialektvariante ist jeweils stark von der Umgebungssprache geprägt. Aufgrund der starken Differenzierung der Gesamtethnie in zahlreiche partikulare Subgruppen gibt es etwa 60 Dialekte. Der von den Sinti gesprochene Dialekt des Romanes ist das Sintikanes (sintengheri tschib).

Sprachgebrauch [Bearbeiten]

Der Sprachgebrauch des Romani innerhalb der ursprünglichen Sprechergemeinschaft der Roma ist sehr unterschiedlich. Er reicht von ständiger und guter Beherrschung des Romani bis hin zum nicht mehr sprechen können. Wenn das Romani Geburtssprache ist, sind die Sprecher mindestens zweisprachig, da sie außerdem noch die Landessprache sprechen. Viele Roma beherrschen darüber hinaus noch weitere Sprachen.

Schriftlichkeit [Bearbeiten]

Bis in das 20. Jahrhundert hinein war das Romanes nichtschriftlich. In Abhängigkeit von der jeweiligen nationalen Rechtschreibnormierung wird es heute unterschiedlich geschrieben. Die linguistische Kommission der International Romani Union hat einen Vorschlag für einen internationalen Standard entwickelt. Er beruht auf der Kalderaš-Variante des Vlax, des am weitesten verbreiteten Dialekts.

Sesshaftigkeit und Migration [Bearbeiten]

Zigeuner im Rheinland (1935)

In einer folklorisierendenund exotisierendenPerspektive nahmen und nehmen Betrachter aus der Mehrheitsgesellschaft die Ethnie als homogene nomadisierende „Stammesgesellschaft“ wahr. „Zigeuner“ seien insgesamt unfähig zur Anpassung an sich verändernde sozioökonomische und politische Bedingungen. Ein kollektives und unbeeinflussbares entwedergenetisches oder archaisches kulturelles Erbe mache sie grundsätzlich entwicklungsunfähig und zwinge sie zur ewigen „Wanderung“. Dieser Blick geht darüber hinweg,

  • dass die ganz überwiegende Mehrheit der europäischen Roma keinesfalls „nomadisiert“, sondern seit langem ortsfest lebt und nicht anders als andere regionale Bevölkerungen auf eine lange Geschichte fester Ansiedlung in regionalen Räumen zurückschauen kann. Die Vorstellung vom „Nomadenvolk“ ist ohne empirische Grundlage.
  • dass Migration strukturelle, nicht aber ethnische Ursachen hat. Der Zwang zur Dauermigration, wie er in der Frühen Neuzeit weiten Teilen der Mehrheitsbevölkerung,[16] Juden und „Zigeunern“ auferlegt war, hatte unvermeidlich den ökonomischen, rechtlichen und sozialen Ausschluss zur Folge, der mit einem allgemeinen Aufenthaltsverbot einherging;
  • dass dem eine von oben erzwungene Anbindung der Mehrheitsbevölkerung an Ort und Territorium bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts gegenüberstand, die jedoch eine vor allem erwerbsbedingte erhebliche Mobilität nicht verhindern konnte.

Im Alltagsdenken ist das polarisierende Klischee von einer „nomadisierenden Minderheit“ hier und einer „sesshaften Mehrheitsbevölkerung“ dort nach wie vor lebendig.

Das antiziganistische Stereotyp von ewig wandernden Zigeunern korrespondiert in Inhalt und Popularität mit dem antisemitischen Stereotyp vom „ewigen Juden“.

Die meisten Roma in Europa (vor allem Osteuropa und Spanien) leben seit vielen Generationen – zum Teil, wie in der Slowakei[17]oder im Burgenland,[18] schon seit Jahrhunderten – sesshaft. Ein kleiner, kaum zu beziffernder Anteil[19] vor allem in West- und Mitteleuropa lebt in unterschiedlichen Mischformen der Ortsfestigkeit und der in der Regel temporären Abwesenheit von einem Bezugsdomizil; es gibt feste Wohnsitze und eine oft jahreszeitlich begrenzte Erwerbsmigration. So ergaben beispielsweise staatliche Zählungen bereits 1893 in Ungarn und in der Slowakei, dass von denjenigen Personen, die die Zähler als „Zigeuner“ einstuften, in Ungarn 89,2 % sesshaft, 7,5 % halbsesshaft und nur 3,3 % „Wanderzigeuner“ ohne längeren festen Aufenthalt,[20] in der Slowakei 92,9 % sesshaft, 5,4 % halbsesshaft und 1,7 % nichtsesshaft waren.[21]

Der ohnehin minderheitliche Anteil der traditionell „Reisenden“ und die Dauer der „Reise“ nehmen weiter ab. Heute wird der Anteil der saisonweise oder dauerhaft migrierenden Roma an der weltweiten Roma-Gesamtpopulation auf maximal fünf Prozent geschätzt,[22]was angesichts einer hohen Mobilität auch in der Umgebungsgesellschaft nicht bemerkenswert ist.

Im Rahmen der innereuropäischen Arbeitsmigration seit den 1960er Jahren kam eine große Zahl von Roma aus südosteuropäischen und südeuropäischen Staaten nach West-, Mittel- und Nordeuropa. Diese Form der Migration blieb deshalb unauffällig, weil die Roma-Migranten nicht als solche, sondern als Angehörige ihrer jeweiligen Staaten in Erscheinung traten.[23]

Im Kontext von zunehmender Arbeitslosigkeit, Armut und Krieg in den südosteuropäischen Staaten nach dem Systemumbruch migrierten seit den 1990er Jahren zahlreiche Roma-Familien alsBürgerkriegsflüchtlinge und Arbeitsmigranten nach Süd-, West-, Mittel- und Nordeuropa.

Diskriminierung und Verfolgung [Bearbeiten]

In der etwa 700-jährigen Geschichte der Roma in Europa war die Minderheit spätestens seit Beginn des 16. Jahrhunderts zahlreichen Formen von Diskriminierung und Verfolgung ausgesetzt. Zur Zeit des Nationalsozialismus wurde eine unbekannte Zahl von Roma Opfer eines Völkermords (siehe Abschnitt unter Porajmos) vergleichbar der Vernichtung der europäischen Juden (Shoah).

Auch heute noch sind Roma Diffamierung, Diskriminierung und sozialer, ökonomischer und politischer Marginalisierung ausgesetzt und in vielen Staaten eine von der Mehrheitsbevölkerung nicht erwünschte Minderheit.[24] In einigen südosteuropäischen Ländern waren Roma in den vergangenen zwei Jahrzehnten mitunter offener Verfolgung ausgesetzt. So wurden während des Kosovo-Kriegesganze Siedlungen von Roma, Aschkali und Ägyptern (diese beiden sind ebenfalls der Romaethnie zuzuordnen) von Angehörigen der albanischen Mehrheitsbevölkerung geplündert und niedergebrannt und die Bewohner vertrieben.[25] Aus Bosnien wurden im Zuge „ethnischer Säuberungen“, die alle Ethnien betrafen, die meisten Roma vertrieben. Viele fanden während des Bürgerkriegs als Opfer von Übergriffen den Tod.[26]

Bis in die jüngste Zeit hinein wird von europäischen populistischenPolitikern unter Verwendung tradierter antiziganistischer Klischeesund Schlagworte („Überschwemmung“, „Völkerwanderung“) die Forderung nach Ausschluss und Abschiebung von Roma erhoben. Gemeint sind in aller Regel Roma aus Osteuropa, vornehmlich aus Bulgarien und Rumänien. Weit über die Grenzen der jeweiligen Länder hinaus wurden derartige Erscheinungen im westlichen Europa aus der Schweiz, Italien, Österreich und Frankreich bekannt.[27]

Gesellschaftlicher Benachteiligung und einer erheblichen Repression bis hin zu offener Verfolgung unterliegen die osteuropäischen Roma auch in ihren Heimatländern, in denen antiziganistische Haltungen in der Mehrheitsbevölkerung weit verbreitet sind.[28][29]

Erinnerungskultur [Bearbeiten]

Ravensburg, Mahnmal zum Gedenken an die 29 in Auschwitz ermordeten Sinti aus Ravensburg

Der die Erinnerung der Minderheit am stärksten prägende Abschnitt ihrer Geschichte, die stets auch eine Verfolgungsgeschichte war, ist die Zeit der äußersten Verfolgung, der Nationalsozialismus. Die mehrheitsgesellschaftliche Kultur der Erinnerung aber ist anders als zur Geschichte der jüdischen Minderheit oder zur Verfolgung politischer oder kirchlicher Gegner der Nationalsozialisten wenig entwickelt. Nur sehr selten widmen sich Straßenbenennungen, Denkmäler, Gedenktafeln oder andere Zeichen oder Orte der Erinnerung oder auch öffentliche Veranstaltungen dem Thema. Bekannt sind künstlerische und dokumentierende Hinweise im öffentlichen Raum aus Bad Berleburg (Nordrhein-Westfalen), Dreihausen (Hessen), Frankfurt am Main, Köln, Ravensburg, Magdeburg, Wiesbaden und Flensburg.

Es waren Initiativen der Betroffenen selbst, die nach Jahrzehnten des Schweigens über die Verbrechen und einer von den Ereignissen im Nationalsozialismus unbeeindruckt fortgeführten Diffamierungs- und Diskriminierungspraxis seit Ende der 1970er Jahre eine gewisse Veränderung zumindest im politisch-offiziellen Raum und in den Medien bewirkten. 1979 fand eine erste internationale Gedenkkundgebung von Sinti, Roma und Unterstützern aus der Mehrheitsbevölkerung im KZ Bergen-Belsen statt. Ostern 1980 führte eine Gruppe Sinti einen weltweit beachteten Hungerstreik im KZ Dachau durch.[30] Diese und folgende Aktionen zunächst kleinerer Gruppen veränderten nicht nur die mediale und die politische Perspektive auf die Minderheit, sie trugen zugleich wesentlich zur Sammlung eines großen Teils der in subethnische Gruppen und Familienverbände zersplitterten Bevölkerungsgruppe in den Landesverbänden und Mitgliedsorganisationen des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma (Heidelberg) sowie in kleineren Interessensorganisationen mit regionaler Bedeutung bei.

Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas in Berlin

Das Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma in Heidelberg richtete in den 1990er Jahren die einzig vorhandene Dauerausstellung zum „nationalsozialistischen Völkermord an den Sinti und Roma“ ein.

1992 beschloss die Bundesregierung die Errichtung eines Mahnmals in Berlin zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus, die als „Zigeuner“ verfolgt, inhaftiert und getötet wurden und im Porajmos, der Entsprechung zur Shoah, kollektiver Vernichtung anheimfielen (siehe Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas). Der israelische Künstler Dani Karavan legte einen Entwurf vor. Die Realisierung verzögerte sich jedoch jahrelang, da sich die Verbände der Betroffenen über den Inhalt des Widmungstextes zunächst nicht einig wurden. Ende 2007 hat der Bundesrat beschlossen, dass er auf der Grundlage von Vorschlägen der Verbände und in Zusammenarbeit mit dem Institut für Zeitgeschichte (München/Berlin) und dem NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln erarbeitet und entschieden werden soll. Der symbolische Baubeginn erfolgte im Februar 2008. Am 24. Oktober 2012 erfolgte die Einweihung in Berlin mit einem feierlichen Festakt[31].

Es gibt selbstorganisierte Aktivitäten, die auf die Situation der osteuropäischen Roma-Migranten aufmerksam machen sollen, ein Bleiberecht einfordern und sich dabei auf die Verfolgung von Roma im Nationalsozialismus beziehen. So protestierten 1989 Roma mit einer Besetzung auf dem Gelände des früheren Konzentrationslagers Neuengamme, in dem auch Roma inhaftiert waren, gegen die Ausweisung von Asylsuchenden. 1993 gab es einen „Marsch“ südwestdeutscher Roma nach Baden-Baden und zur KZ-Gedenkstätte Dachau. Diese und andere bleiberechtliche Aktivitäten wurden jeweils von der Hamburger Rom und Cinti Union angeleitet und begleitet.[32]

Demografie [Bearbeiten]

Roma stellen in keinem Land der Welt die Bevölkerungsmehrheit. Die größten Gemeinschaften leben in Europa, vor allem in Südosteuropa,OstmitteleuropaSüdwesteuropa und Russland, sowie außerhalb davon: in den USABrasilien und der Türkei.

Von den weltweit sieben bis zehn Millionen Roma leben 1,45 bis 4,3 Millionen in Osteuropa. Besonders in Südosteuropa stellen sie traditionell einen hohen Anteil (Rumänien: 1 bis 10 %, Ungarn: 2,9 bis 4,8 %, Jugoslawien 0,8 bis 3,9 %) an der Gesamtbevölkerung.[33]

In Deutschland leben nach übereinstimmenden Angaben sowohl der staatlichen Verwaltung als auch des Zentralrats ungefähr 70.000 Angehörige der Minderheit mit deutscher Staatsbürgerschaft als Nachfahren der historischen Zuwanderer der letzten 600 Jahre.[34]

Es gibt aber auch die Schätzung der renommierten Fachwissenschaftlerin Katrin Reemtsma, die 1998 von „etwa 40–60.000 Sinti und Roma mit deutscher Staatsangehörigkeit“ sprach. Die „Anzahl an ehemaligen Arbeitsmigranten in der dritten Generation in Deutschland und Flüchtlinge[n] mit dauerhaftem Aufenthaltsrecht aus dem ehemaligen Jugoslawien“ setzte sie ebenso hoch wie die der lange Eingesessenen an, also ebenfalls auf zwischen 40.000 und 50.000.[35] Daneben gibt es aus dem Umfeld des Zentralrats 2011 wiederum die Angabe von 80.000 bis 120.000 „Sinti und Roma“ – in der Zentralratsdefinition also lange eingesessene deutsche Staatsbürger – sowie unter Verweis auf eine Uno-Schätzung von 2006 50.000 davon zu unterscheidende als „Flüchtlinge und so genannte Arbeitsmigranten“ bezeichnete Roma.[36]

Abweichend vom oben genannten Sonderfall einer ausnahmsweise übereinstimmenden Angabe zwischen Staat und Selbstorganisation ist allgemein festzustellen, dass staatliche Verwaltungen zu niedrigen Angaben tendieren, während Roma-Organisationen zu hohen Angaben neigen. Es handelt sich jeweils um „politische Zahlen“. Staatliche Zählungen sind durchweg nicht zuverlässiger als die Angaben von Selbstorganisationen oder von NGOs,[37]

  • weil ein Teil der Roma im Land nicht im Besitz der Staatsbürgerschaft ist, aber nur die Staatsbürger gezählt werden,
  • weil nach der ethnischen Herkunft nicht gefragt werden darf und also nach zweifelhaften Kriterien mit großen Spielräumen geschätzt wird,
  • weil ein Bekenntnis zur Ethnie Zählungsvoraussetzung ist, von vielen Roma aber aus sozialen und historischen Gründen verweigert wird,
  • weil die Zähler angesichts der Unzuverlässigkeit von Angaben gemutmaßter Roma Dritte (z. B. die Nachbarn) befragen,
  • weil Angehörige der Minderheit sich trotz einer (Teil-)herkunft aus der Roma-Minderheit im Zuge von Assimilierungsprozessen inzwischen in andere Nationalitäten (Rumänen, Ungarn, Türken) einordnen oder
  • weil durch bürgerkriegsbedingte Vertreibungen selbst jüngere Zahlen hinfällig wurden.

Aufgrund der unterschiedlichen Ansätze und der besonderen Bedingungen demografischer Erhebungen zu Roma und angesichts der in aller Regel großen Differenzen nach Zeitpunkt und nach amtlicher oder nichtamtlicher Trägerschaft in den Ergebnissen sind Zahlen zu Bevölkerungsanteilen der Minderheit meist ohne ernsthafte Aussagekraft. Zwei Beispiele:

  • So wurde die Roma-Bevölkerung für Europa Land für Land für die 1980er Jahre im einen Fall auf zwischen 1.988.000–5.621.000 summiert, im anderen Fall auf zwischen 3.421.750–4.935.000. Für die Niederlande wurden z. B. einmal 1000, das andere Mal zwischen 30.000 und 35.000 Roma, für Schweden einmal 1000–8000, ein anderes Mal zwischen 60.000 und 100.000 Roma behauptet.[38]
  • In Albanien waren bei den letzten Volkszählungsergebnissen 1.300 Roma gemeldet, während Experten bis zu 120.000 Roma annehmen.[39]
  • Die griechische Regierung schätzt die Zahl der Roma auf 200.000[40], Experten auf bis zu 350.000.[40]

Für die weltweite Zahl der Roma ergibt sich daher, dass sie nicht seriös beziffert werden kann. Die existierenden Schätzungen veranschaulichen das Problem. Sie reichen von zwei bis zwölf Millionen.[41] Zuverlässige Angaben zum Bevölkerungsanteil – sei es regional, sei es europaweit oder universal – sind somit ebenfalls in aller Regel unmöglich.

Jüngere politische Entwicklungen [Bearbeiten]

Internationale Zusammenschlüsse [Bearbeiten]

Der mehrheitliche internationale Zusammenschluss der Roma ist dieInternational Romani Union (IRU) als Dachverband regionaler und nationaler Interessenvertretungen. Sie wurde 1978 auf dem zweiten World Romani Congress (WRC) in Genf gegründet.[42]

Roma-Flagge der IRU[43]

Seit 1979 ist sie als nichtstaatliche Organisation (NGO) Mitglied im Wirtschafts- und Sozialrat derVereinten Nationen und hat beratenden Status in der UNESCO. Seit 1986 ist sie Mitglied von UNICEF. Eine zweite internationale Vereinigung ist der Roma National Congress (RNC).[44]Ehrenpräsident der IRU war in der Gründungsphase der bekannte Schauspieler Yul Brynner. Er spielte in den 1970er Jahren eine aktive Rolle bei den Bestrebungen der Roma, sich international zusammenzuschließen und internationale Anerkennung zu finden.[42]

Für Europa gibt es seit 2005 das European Roma and Travellers Forum (ERTF), dessen Sprecher beide Zusammenschlüsse repräsentieren. Es ist durch ein Partnerschaftsabkommen mit demEuroparat verbunden. Es setzt sich nicht nur für Roma, sondern zugleich für Nichtromagruppen wie Pavee oder Jenische in ähnlichen sozialen, ökonomischen und bildungsmäßigen Problemlagen ein.

Roma-Organisationen in Deutschland [Bearbeiten]

1972 wurde in Heidelberg der Sinto Anton Lehmann von einem Polizisten erschossen, es kam zu einer Demonstration zahlreicher Sinti, und es konstituierte sich daraufhin der Verband deutscher Sinti. 1982 schlossen dessen Landesverbände und unabhängige Ortsverbände sich zum Dachverband Zentralrat deutscher Sinti und Roma zusammen, dessen Sitz Heidelberg ist. Er ist die staatlich anerkannte Spitzenvertretung der Roma deutscher Staatsbürgerschaft und wird aus Mitteln des Bundesministeriums für Jugend, Frauen und Familie finanziert. Seine Landesverbände werden als Projekte der Landesministerien gefördert. Der langjährige Vorsitzender des Zentralrats, der deutsche Sinto Romani Rose, war einer der führenden Aktivisten der Bürgerrechtsbewegung der 1970er und 1980er Jahre.

Anders als der Zentralrat organisieren die Rom und Cinti Union(Hamburg) und die Roma-Union-Frankfurt auch in den letzten Jahrzehnten in die Bundesrepublik migrierte Roma und vertreten deren bleibe- und asylrechtliche Interessen. Rudko Kawczynski, staatenloser Hamburger Rom und bekannter Vertreter der Rom und Cinti Union, gehörte zu den führenden Köpfen der Bürgerrechtsbewegung, wie sie im norddeutschen Raum durch öffentliche Aktivitäten hervortrat. Kleinere Selbstorganisationen mit regionaler Bedeutung und ohne Herkunft aus der sozialen und Bürgerrechtsbewegung sind die Sinti Allianz Deutschland (Köln), die vor allem im Internet aktiv ist, oder die Roma Union Grenzland (Aachen). Wichtige gemeinsam von Roma und von Menschen aus der Mehrheitsbevölkerung getragene Zusammenschlüsse mit sozialpolitischem und sozialarbeiterischem Schwerpunkt, die sich unter Einschluss von Arbeitsmigranten und Flüchtlingen allen Romagruppen zuwenden, sind regional der Rom e. V. (Köln) und derFörderverein Roma (Frankfurt am Main).[45] Als Interessenvertreterin der als Bürgerkriegsflüchtlinge nach Deutschland zugewanderten Roma versteht sich auch das Centre of Integration, Affirmation and Emanzipation of the Roma in Germany – Roma-Union e. V. (Essen).

Rechtliche und staatlich-politische Anerkennung in Deutschland [Bearbeiten]

Seit Ende der 1990er Jahre sind vier nationale Minderheiten in der Bundesrepublik Deutschland anerkannt, nachdem die Bundesrepublik 1997 das Rahmenübereinkommen des Europarats zum Schutz nationaler Minderheiten und 1998 die Europäische Charta der Regional- oder Minderheitensprachen ratifizierte: Dänen, Friesen, Sorben und „die deutschen Sinti und Roma“. Der Schutz als nationale Minderheit erstreckt sich demnach nur auf Roma deutscher Staatsangehörigkeit. Er ist zudem nach dem Abstammungsprinzip eingeschränkt auf die „Alteingesessenen“,[46] schließt also die Roma deutscher Staatsangehörigkeit mit familiärer Herkunft aus Südosteuropa oder Spanien nicht ein.

Am 14. November 2012 hat Schleswig-Holstein als erstes Bundesland die deutschen Sinti und Roma neben den Dänen und Friesen als Minderheit in die Landesverfassung aufgenommen. 22 Jahre kämpfte der Verband Deutscher Sinti und Roma e. V. – Landesverband Schleswig-Holstein mit seinem LandesvorsitzendenMatthäus Weiß um die Anerkennung als Minderheit. In dieser Zeit wurden sechs Anträge zur Verfassungsänderung in das Landesparlament eingebracht. Fünfmal scheiterten sie an der notwendigen Zweidrittelmehrheit. Am 23. August 2012 brachten die Fraktionen von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, SPD, die Abgeordneten des SSW und die Fraktionen von PIRATEN und FDP erneut einen Gesetzentwurf zur Änderung der Verfassung des Landes Schleswig-Holstein ein.[47] Der Landtag überwies diesen durch Plenarbeschluss an den Innen- und Rechtsausschuss und mitberatend an den Europaausschuss. Nachdem der Ausschuss dem Landtag bei Enthaltung der Stimmen der Fraktion der CDU die unveränderte Annahme des Gesetzentwurfs empfahl,[48] wurde der Beschluss über die Änderung der Landesverfassung am 14. November 2012 in der Plenarsitzung des Landtages Schleswig-Holstein einstimmig gefasst. Nach vorhergehenden Bedenken stimmte schließlich auch die CDU-Fraktion zu.

In Artikel 5 der Verfassung des Landes Schleswig-Holstein heißt es nun: „Die nationale dänische Minderheit, die Minderheit der deutschen Sinti und Roma und die friesische Volksgruppe haben Anspruch auf Schutz und Förderung.“

Rechtliche und staatlich-politische Anerkennung in Österreich [Bearbeiten]

In der Republik Österreich ist seit 1993 neben den „Volksgruppen“ der Burgenlandkroaten, Slowaken, Slowenen, Ungarn und Tschechen die Minderheit der österreichischen Roma anerkannt. Romanes gilt dort als Minderheitensprache im Sinne der Europäischen Charta der Minderheitensprachen.

Frankreich [Bearbeiten]

Im Jahre 2010 erregte die Situation der Roma in Frankreich europaweit Aufsehen, weil die französische Regierung illegal im Land weilende südosteuropäische Roma nicht duldete und auswies.[49]

Sonderfall Südosteuropa und Visegrád-Staaten[Bearbeiten]

In den südosteuropäischen Ländern und den sogenannten Visegrád-Staaten lebt die große Mehrheit der europäischen Roma-Bevölkerung. In der sozialistischen Phase eröffneten sich für Roma eine Reihe von individuellen Möglichkeiten der Qualifizierung und des sozialen Aufstiegs. Es entwickelten sich „Roma-Eliten mit hoher Qualifikation, wie sie in Westeuropa nicht zu finden sind.“[50] Die dennoch gesellschaftlich randständige und bedrohte Existenz der Roma der 1960er Jahre in Mähren, Böhmen, Ungarn, Rumänien und der Slowakei wird im Bildband Roma des Fotografen Josef Koudelkadargestellt.[51] Inzwischen hat sich die Lebenssituation der südosteuropäischen Roma durch die politischen und sozioökonomischen Auflösungs- und Neuformierungsprozesse der 1990er Jahre und durch die damit einhergehenden, durch Ethnisierung und neue Nationalismen ausgelösten Konflikte und Verdrängungen entscheidend verschlechtert.

Allgemein hatten die Rekapitalisierung der landwirtschaftlichen und der industriellen Produktion, die Massenentlassungen und die Entstehung eines unregulierten Arbeitsmarktes eine hohe Arbeitslosigkeit und allgemeine Verarmung und Verelendung der Roma zur Folge. Die Entlassungen auf dem Land und in den kleineren Orten bewirkten eine erhöhte Landflucht in die bereits ohnehin übervölkerten und schlecht ausgestatteten Romaquartiere („Mahala“) der großen Städte. Die südosteuropäischen Mahala haben Ghetto-Charakter. So werden z. B. die Schulen der bulgarischen Romaviertel als „heute in höchstem Maße vernachlässigt“ beschrieben. Der Analphabetismus unter jungen Roma nehme rapide zu.[52] Die aus der produktiven Sphäre Ausgeschlossenen versuchen ihrer Verelendung vor allem mit kombinierten Noterwerbsweisen zu entrinnen: kleiner Handel, Sammeln und Aufarbeiten von Resten, Gelegenheitstätigkeiten, kleine Delinquenz. Damit einher gehen die typischen sozialen Konsequenzen solcher Prozesse, wie drastisch sinkende Bildungschancen und stark erhöhte Kriminalitäts-, Alkolholismus- und Drogenrisiken.

Im ehemaligen Jugoslawien gab es eine relative Integration der Roma und damit vergleichsweise gute Bildungschancen. Viele Roma konnten höhere Schulabschlüsse und mancher einen Hochschulabschluss erwerben. Inzwischen ist die Minderheit auf den vorsozialistischen Stand der Bildungsdiskriminierung zurückgefallen. Im Zuge des staatlichen Zerfalls und der damit aufbrechenden ethnisch und nationalistisch inspirierten bürgerkriegsartigen Auseinandersetzungen richteten sich massive Aggressionen auch gegen die jeweilige Romabevölkerung. Sie war kollektiven Angriffen durch Angehörige der Mehrheitsbevölkerung, Zerstörungen und Plünderungen ihrer Wohnstätten mit dem Ziel ihrer Vertreibung ausgesetzt. Ein Beispiel ist die 1999 von albanischen Nationalisten geplünderte und niedergebrannte Romska Mahala von Mitrovica(Kosovo), die von 5000 Roma, Ashkali und Ägyptern („RAE“) bewohnt wurde.[53] Viele südosteuropäische Roma flüchteten vor diesem Hintergrund nach West- und Mitteleuropa oder auch nach Nordamerika.[54]

Soziale Organisation, Kultur [Bearbeiten]

Die kulturellen Überlieferungen, die kulturelle Vergangenheit und Gegenwart der europäischen Roma weisen überaus gewichtige regionale Unterschiede auf, und „auch der Blick der Gadje auf die Sinti und Roma ist jeweils ein anderer, was u. a. eng mit deren Anteil an der jeweiligen Gesamtgesellschaft und mit der An- oder Abwesenheit weiterer kultureller Minderheiten zusammenhängt.“[55]Der mehrheitsgesellschaftliche Einfluss auf die Entwicklung der Minderheitskultur brachte insofern historisch und regional unterschiedliche Ergebnisse hervor. Dennoch lassen sich einige Gemeinsamkeiten feststellen, wobei die Frage offen bleiben muss, inwieweit sie einem gemeinsamen ethnischen „Erbe“ oder aber ähnlichen oder gemeinsamen strukturellen Bedingungen geschuldet sind.

Die Bedeutung der Großfamilie [Bearbeiten]

Der Zusammenhalt der Roma-Gemeinschaft wird traditionell durch verwandtschaftliche Beziehungen gestiftet.[56] Wichtigste Organisationsform und Basis des Gesamtsystems ist die Großfamilie. Bei den Kalderasch heißt sie tséra (‚Zelt‘), bei anderen osteuropäischen Roma satra. Mehrere satra bilden bei den Kalderasch einen familiären Großverband (njamuri, bei anderen Gruppen: niamo). Mehrere Familienverbände der Kalderasch ergeben eine vitsa. Die Größe einer vitsa kann sehr unterschiedlich sein. Sie kann von zehn bis zu mehreren hundert satra reichen. Sie erweitert sich durch Heiraten zwischen den Teilverbänden. Die nächsthöhere Ebene ist die natia oder rasa, die jeweilige Roma-Subethnie in ihrer Gesamtheit, also der Kalderasch, der Manusch oder der Lowara. Bei den letzten wiederum lassen sich z. B. nur die drei Ebenen der Großfamilie, der tséra und der rasa unterscheiden, wobei im Inhalt die tséra sich mit der vitsa deckt.

Der vitsa steht ein Ältester vor, der nach Ansehen, Autorität und Kompetenz gewählt wird, entweder auf eine bestimmte Zeit oder auch lebenslang. Er trägt einen Titel mit in Südosteuropa verwendeten Begriffen: baro (‚Großer‘), sero (‚Haupt‘, ‚Fürst‘), kraljo(‚Fürst‘), grofo usw. Er leitet den Altenrat mit dem er gemeinsam oder auch alleine alle wichtigen, die Gruppe betreffenden Beschlüsse, fasst. Nach südosteuropäischen Traditionen hebt er sich durch äußere Merkmale und Symbole wie einen Bart, einen besonders geschmückten Anzug und ein silbernes Zepter hervor. In manchen Großverbänden hat eine ältere, besonders lebenserfahrene Frau alspuri daj (‚Großmutter‘) eine führende Rolle.

Die kumpania als Wirtschaftseinheit [Bearbeiten]

Die ökonomische Einheit ist die kumpania als offener, lockerer Zusammenschluss gemeinsam wirtschaftender Angehöriger mehrerer Familienverbände. Sie reagiert flexibel auf die jeweils gegebenen wirtschaftlichen und sozialen Bedingungen, ihre Zusammensetzung ist also einer fortwährenden Veränderung unterworfen. Gleichzeitig verlangt sie uneingeschränkte Kooperation und die Einhaltung der gruppeninternen Regelungen, deren Missachtung vom traditionellen Gericht der Roma, der kris, geahndet werden kann. Jede kumpaniabeansprucht einen geografisch oder ökonomisch gegen anderekumpania abgegrenzten Raum.[57]

Traditionelle berufliche Differenzierungen[Bearbeiten]

Die südosteuropäischen Roma gliedern sich in eine größere Zahl von Teilgruppen mit jeweils unterschiedlichen Traditionen und Dialekten, zu denen – inzwischen weitgehend historische – berufliche Spezialisierungen gehören, die oft namengebend waren, wie

  • Sepečides = Korbflechter (türk.sepet für Korb, sepetçi für Korbflechter
  • Čurara = Siebmacher (rumän.ciur für Sieb
  • Lovara = Pferdehändler (ungar. „Pferd“ + Plural des Nomina-agentis-Suffixes /-ari/
  • Kalderara/Kalderaš/Kerderara = Kesselmacher und -flicker (rumän.caldare für Kessel

Rechtsprechung, Konfliktlösung [Bearbeiten]

In der kris, einem Schiedsgericht, klären Roma auch heute noch Streitigkeiten innerhalb einer Gruppe. Die „(Recht)sprecher“ werden dafür von Fall zu Fall von den Kontrahenten einvernehmlich bestimmt. In der Regel sind das drei bis fünf Personen, die sich in der Vergangenheit durch kluge Urteile einen Namen gemacht haben. Auch Ehen werden durch eine kris bestätigt. Einberufen kann sie jeder, der einen Konflikt mit einem anderen auszutragen hat. Verstöße können im äußersten Fall mit dem sozialen Ausschluss sanktioniert werden.[58]

Reinheits- und Meidungsvorschriften [Bearbeiten]

Traditionelle Roma legen Wert auf zahlreiche interne Regeln des sozialen Lebens, der Hygiene wie der „Reinheit“ in einer übertragenen Bedeutung.[59] Die Unterscheidung zwischen rein ([sch]uscho) und unrein (mahrime) ist von herausragender Bedeutung, von ebenso großer Bedeutung wie die (und eng verknüpft mit der) Unterscheidung zwischen Leben und Tod. Frauen unterliegen eigenen Reinheitsvorstellungen. Menstruation und Geburt gelten als unrein mit der Folge besonderer Umgangsweisen. Es handelt sich hier nicht um eine exotische Eigenart der Romakultur, denn in der christlichen Kultur,[60] in islamischen und orthodox-jüdischen Kulturen finden sich ganz ähnliche Vorstellungen. Wer aus diesem oder anderen Gründen für unrein erklärt wird, darf mit seinen Leuten keine Tischgemeinschaft haben und weder essen noch trinken. Es existiert eine Fülle von Einzelregelungen zur Meidung „unreiner“ Bedeutungsträger. Sinti vertreten ein besonders ausführliches Meidungssystem und Regeln strikter Abgrenzung gegenüber der Mehrheitsbevölkerung. Dazu gehört das Verbot, Nicht-Roma (gadsche) über den Dialekt der Gruppe, die sintengheri tschib (auch einfach: mari tschib = unsere Sprache) zu informieren. Das kann bedeuten, dass man es vorzieht, als „Zigeuner“ statt als Sinto bezeichnet zu werden. Alle medizinischen und Pflegeberufe, die mit Krankheit und Tod in Berührung kommen, ferner alle Berufe, die mit Tierfleisch und -blut zu tun haben, gelten traditionellen Sinti als unrein.

Religion [Bearbeiten]

Spuren aus verschiedenen Perioden des indischen und altpersischen religiösen Lebens scheinen sich bis heute im religiösen Verständnis und in der Glaubenspraxis der Roma vorzufinden.

Die Religionszugehörigkeit von Roma korrespondiert in hohem Maße mit der umgebenden Mehrheitsreligion. So sind die meisten Lowara-Roma katholisch und leben in katholisch geprägten Ländern wieÖsterreich und Ungarn. Die deutschen Sinti sind traditionell in katholischen wie in protestantischen Regionen meist römisch-katholisch. In Osteuropa gibt es orthodoxe Kalderasch und Gurbet inMazedonien und Serbien sowie die muslimischen Arlije in Mazedonien, Albanien und der Türkei. In Bulgarien sind 39,2 Prozent der Roma Muslime.[61] Die meisten dieser muslimischen Roma bevorzugen die Sprache ihrer türkischen Glaubensbrüder und sind ein wichtiger Faktor des Islam in Bulgarien. Bei den bulgarischen Roma sind zudem starke synkretistische Tendenzen zu beobachten, d. h. es kommt zur Vermischung von christlichen und muslimischen Glaubenspraktiken.[62]

Seit einigen Jahrzehnten missionieren auch Freikirchen, vor allem diePfingstbewegung, erfolgreich bei den Roma.

Die katholischen Roma haben als Schutzpatronin die Schwarze Sara. Einmal im Jahr findet in Saintes-Maries-de-la-Mer (Frankreich) ein großes Treffen der Romafamilien zu Ehren der Schutzpatronin statt. Dieses Ereignis ist als „Zigeunerwallfahrt“ bekannt und eine Touristenattraktion.

Musik [Bearbeiten]

→ Hauptartikel: Musik der Roma und Sinti

Musik spielt im Alltag der Roma häufig eine große Rolle, musikalische Darbietungen nehmen bei Festen in der Regel eine zentrale Stellung ein. Sie ist also nicht eine Beschäftigung nur für einige Musikenthusiasten, sondern tief in der Kultur verwurzelt und Teil der Alltagskultur. Weil die Musik stets auch dem Broterwerb diente, nahm sie immer schon Elemente aus den umgebenden Mehrheitskulturen auf. Es entwickelten sich als regionale Varianten der Roma-Musik sehr unterschiedliche Stile und Instrumentierungen.

Das Lied Djelem, djelem wurde zur Nationalhymne aller Roma erklärt.

In Spanien, vor allem in Andalusien, haben die Kalé (Gitanos) denFlamenco stark geprägt. International außerordentlich bekannt wurdeManitas de Plata.

Als Jazz-Musiker erlangte der französische Sinto Django Reinhardtinternationalen Rang. Eine große Zahl von Sinti-Musikern sah und sieht sich in dessen Nachfolge.

Literatur (Auswahl, Überblicksdarstellungen)[Bearbeiten]

  • Klaus-Michael BogdalEuropa erfindet die Zigeuner – Eine Geschichte von Faszination und Verachtung. Suhrkamp, Berlin 2011, ISBN 978-3-518-42263-2.
  • Rajko Đurić, Jörg Becken, Bertolt BengschOhne Heim, ohne Grab. Die Geschichte der Roma und Sinti. Aufbau, Berlin 2002,ISBN 3-7466-8081-6.
  • Angus Fraser: The Gypsies. 2. Aufl., Blackwell, Oxford 2001,ISBN 0-631-19605-6 (= The peoples of Europe)
  • Kurt Holl (Hrsg.): Die vergessenen Europäer. Kunst der Roma. Roma in der Kunst. Ein Projekt des ROM e. V. Köln in Kooperation mit dem Kölnischen Stadtmuseum. Verlag Rom, Köln 2008, ISBN 978-3-9803118-8-5 (Katalog zur gleichnamigen Ausstellung, 12. Mai 2008 – 3. Januar 2009).
  • Yaron Matras, Hans Winterberg und Michael Zimmermann: Sinti, Roma, Gypsies. Sprache, Geschichte, Gegenwart. Metropol, Berlin 2003, ISBN 3-936411-26-3.
  • Katrin ReemtsmaSinti und Roma. Geschichte, Kultur, Gegenwart. Beck, München 1996, ISBN 3-406-39255-5 (=Beck’sche Reihe, Band 1155)
  • Susan Tebbutt (Hrsg.): Sinti und Roma in der deutschsprachigen Gesellschaft und Literatur („Sinti and Roma. Gypsies in German-Speaking Society and Literature“). Peter Lang, Frankfurt 2001,ISBN 3-631-35349-9 (Forschungen zur Literatur- und Kulturgeschichte; 72)
  • Anja TuckermannSinti und Roma hören. Eine musikalisch illustrierte Reise durch die Kulturgeschichte der Sinti und Roma von den Anfängen bis in die Gegenwart, mit über 40 Musikbeispielen aus dem Kulturkreis. Silberfuchs-Verlag, Tüschow 2011, ISBN 978-3-940665-25-6 (Hörbuch, 1 Audio-CDund Booklet; Sprecher: Rolf BeckerAnne Moll).
  • Herbert Uerlings/Iulia-Karin Patrut (Hrsg.): „Zigeuner“ und Nation. Repräsentation – Inklusion – Exklusion (= Inklusion/Exklusion. Studien zu Fremdheit und Armut von der Antike bis zur Gegenwart, Bd. 8), Frankfurt am Main [u. a.] 2008, ISBN 978-3-631-57996-1
  • Rüdiger Vossen: Zigeuner. Roma, Sinti, Gitanos, Gypsies. Zwischen Verfolgung und Romantisierung. Ullstein, Frankfurt am Main 1983, ISBN 3-548-34135-7 (Katalog der gleichnamigen Ausstellung im Museum für Völkerkunde Hamburg)
  • Jan Yoors: Die Zigeuner. Ernst Klett, Stuttgart 1970
  • Michael Zimmermann: Rassenutopie und Genozid. Die nationalsozialistische “Lösung der Zigeunerfrage“. Christians, Hamburg 1996, ISBN 3-7672-1270-6 (Hamburger Beiträge zur Sozial- und Zeitgeschichte; 33)
  • ders. (Hrsg.): Zwischen Erziehung und Vernichtung. Zigeunerpolitik und Zigeunerforschung im Europa des 20. Jahrhunderts. Franz Steiner, Stuttgart 2007, ISBN 978-3-515-08917-3
  • Melani Barlai/Florian Hartleb: Die Roma in Ungarn, in: Aus Politik und Zeitgeschichte, (2009) B 29–30, S. 33–39.
  • Jessica Heun: Minderheitenschutz der Roma in der Europäischen Union. Unter besonderer Berücksichtigung der Definition der Roma als nationale Minderheit sowie der Möglichkeit positiver Maßnahmen im Rahmen von Art. 19AEUV, 2011, Berliner Wissenschafts-Verlag, ISBN 978-3-8305-1956-0
  • Norbert Mappes-Niediek: Arme Roma, böse Zigeuner. Was an den Vorurteilen über die Zuwanderer stimmt. Links, Berlin 2012,ISBN 978-3-86153-684-0.

Film [Bearbeiten]

Hörfunk [Bearbeiten]

Weblinks [Bearbeiten]

Wiktionary Wiktionary: Roma – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Roma – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen [Bearbeiten]

  1.  Gypsy roots to Doms – Discrimination survives, 1400 years on. The Telegraph India, 14. Dezember 2012, abgerufen am 14. Dezember 2012 (englisch).
  2.  Roma tribe linked to Indians. The International News Pakistan, 3. Dezember 2012, abgerufen am7. Dezember 2012 (englisch).
  3.  Isabel Mendizabal et al.: Reconstructing the Population History of European Romani from Genome-wide Data. In:Current Biology. Online-Vorabveröffentlichung vom 6. Dezember 2012, doi:10.1016/j.cub.2012.10.039
  4.  Roma brachen vor 1500 Jahren nach Europa auf. Der Standard, 6. Dezember 2012, abgerufen am7. Dezember 2012.
  5.  Vgl. auch: [1] (PDF; 11 kB). Da das Romanes eine vor allem gesprochene Sprache ist, finden sich selbst bei zentralen Begriffen gelegentlich abweichende, jeweils dialektbezogene Schreibweisen wie „rroma“, „romma“ oder „rommenes“.
  6.  Friedrich Kluge: Rotwelsch. Quellen und Wortschatz der Gaunersprache und der verwandten Geheimsprachen; Straßburg 1901 (ND 1987), S. 187 f.
  7.  Sende: ebenda, S. 252; Sinte: Johann Erich Biester: Ueber die Zigeuner; besonders im Königreich Preußen, in: Berlinische Monatsschrift, Bd. 21, 1793, S. 108–165, 360–393, hier S. 364–366.
  8.  http://ling.kfunigraz.ac.at/~rombase/cgi-bin/art.cgi?src=data/hist/current/self-inter.de.xml
  9.  Viorel Achim: The Roma in Romanian Historiy, Central European University Press, Bukarest [u. a.] 2004, S. 9.
  10.  Rolf Bauerdick„Wir sind Zigeuner, und das Wort ist gut“.Die Welt, 12. Januar 2012, abgerufen am 26. Dezember 2012(deutsch).
  11.  Rüdiger Vossen, Zigeuner. Roma, Sinti, Gitanos, Gypsies. Zwischen Verfolgung und Romantisierung, Frankfurt am Main [u. a.] 1983, S. 22 f.
  12.  Zu diesem wie auch dem vorausgehenden Abschnitt: Ulrich F. Opfermann, „Du alter Zigeuner, sieh zu, dass du Land gewinnst!“ Begriffsgeschichten, in: Nevipe. Nachrichten und Beiträge aus dem Rom e. V., 2/2012, S. 14–18.
  13.  Roma tribe linked to Indians. The International News Pakistan, 3. Dezember 2012, abgerufen am7. Dezember 2012 (englisch).
  14.  Julia Merlot: Sinti und Roma – Erbgutanalyse bestätigt Indien als Herkunftsland. Spiegel Online,7. Dezember 2012, abgerufen am 7. Dezember 2012.
  15.  Roma brachen vor 1.500 Jahren nach Europa auf. Der Standard, 6. Dezember 2012, abgerufen am7. Dezember 2012.
  16.  Das Märchen von den Bremer Stadtmusikanten thematisiert diese allgemeine Erfahrung von Menschen der unteren Segmente der sozialen Hierarchie.
  17.  Rombase, Universität Graz
  18.  Rombase, Universität Graz
  19.  Gegenüber Zahlen ist in diesem Zusammenhang Vorsicht angebracht; Rombase, Universität Graz: [2]
  20.  József Jekelfalussy (im Auftrag des Königl. Ung. Handelsministers verfaßt und hrsg. durch das Königl. Ung. Statistische Bureau), Ergebnisse der in Ungarn am 31. Jänner 1893 durchgeführten Zigeuner-Conscription, Budapest 1895 (= Ungarische Statistische Mittheilungen, Neue Folge, Band IX), Faksimilé-Druck mit einer engl. Erläuterung von István Hoóz, JPTE, Pécs 1992.
  21.  Prozentangaben nach den Zahlen von David M. Crowe, A History of the Gypsies of Eastern Europe and Russia, St. Martin’s Griffin, New York 1996, S. 41, ohne Berücksichtigung der dort zusätzlich genannten „7,734 other Gypsies in this part of Hungary“, vgl. auch Willy Guy: Ways of Looking at Roms: The Case of Czechoslovakia. in: Farnham Rehfisch (Hrsg.):Gypsies, Tinkers and Other Travellers. Academic Press, London 1975, S. 201–229, S. 211. Quelle für beide ist Emília Horváthová, Cigáni na Slovensku, Bratislava: Vytadel’stvo Slovenskej Akademie Vied, 1964.
  22.  Rombase, Universität Graz
  23.  Zur Geschichte dieser Migrationsbewegung aus der Sicht der dritten Generation siehe z. B.: Nadine Michollek, Schweigen aus Angst vor Vorurteilen. Junge Roma haben in Deutschland mit jahrhundertealten Stereotypen zu kämpfen, in: Kölner Stadt-Anzeiger, 27. November 2011, S. 50.
  24.  Generell („Die Geschichte der Roma stellt sich über weite Strecken als eine Geschichte der Verfolgung, Diskriminierung und Marginalisierung dar. Noch heute befinden sich Roma in den meisten Ländern Europas (und nicht nur Europas) am untersten Rand der Gesellschaft.“): Rombase/Universität Graz, siehe: [3]; europaweit: Mitteilungen der [Europäischen] Kommission an das Europäische Parlament, den Rat den Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss und den Ausschuss der Regionen. EU-Rahmen für nationale Strategien zur Integration der Roma bis 2010, vom 5. April 2011, siehe: [4] (PDF; 117 kB); Roma-Migranten in Deutschland: Reinhard Marx, Roma in Deutschland aus ausländerrechtlicher Sicht, in: Aus Politik und Zeitgeschichte, Nr. 22–23 vom 30. Mai 2011, siehe: [5]; Ungarn, ökonomische Marginalisierung: Rainer Deppe/Melanie Tatu:Rekonstitution und Marginalisierung. Frankfurt am Main, S. 66.
  25.  650 Jahre Roma-Kultur im Kosovo und ihre Vernichtung: Das Pogrom, Köln o. J.
  26.  Rajko Djuric, Jörg Becken und A. Bertolt Bengsch: Ohne Heim – Ohne Grab. Die Geschichte der Roma und Sinti; Berlin 1996; S. 116.
  27.  Zur Schweiz: Tagesanzeiger, 30. Januar 2008; zu Italien:Le Monde, 4.November 2007[6]. 2008 kündigte die italienische Regierung an, systematisch Fingerabdrücke von Roma zu nehmen, auch von Kindern. Diese Pläne trafen auf harsche Kritik von Menschenrechtsorganisationen; insbesondere stehe eine solche Maßnahme im Widerspruch zu der von Italien ratifizierten UN-Kinderrechtskonvention:David Charter: Italian Government´s ‘Mussolini methods’ anger human rights groups. The Times, 5. Juli 2008, abgerufen am 19. August 2010 (engl.).; bei den Verhandlungen des Europäischen Parlaments im Juli 2008 äußerte der Niederländer Jan Marinus Wiersma„Auch wir sind bestürzt über die Maßnahmen, die die italienische Regierung jüngst zur Lösung des so genannten Roma-Problems in Italien ankündigte. Es ist eine große Schande, dass wir hier und heute eine solche Aussprache führen müssen. […] Das jüngst von dem italienischen Innenminister Roberto Maroni angekündigte Paket, mit dem er gegen den „Roma-Notstand“, wie ihn die Regierung mittlerweile bezeichnet, vorgehen will, hinterlässt einen bitteren Nachgeschmack. Die Einrichtung einer Datenbank mit den Fingerabdrücken von Roma-Kindern ist in keiner Weise mit den EU-Grundsätzen der Nichtdiskriminierung, der Gleichheit vor dem Gesetz und des Minderheitenschutzes vereinbar. […] Die Europäische Kommission befindet sich hier in einer meines Wissens noch nie dagewesenen Situation“(Verhandlungen des Europäischen Parlaments, Montag, 7. Juli 2008, S. 34); zu Österreich: Kleine Zeitung: „Roma und Sinti: Haider warnt vor „Völkerwanderung“ aus Italien“; zu Frankreich: 2010 kam es in Frankreich nach der Erschießung eines Rom durch die Polizei zu Ausschreitungen (Susanne Götze: “Wir sind genauso Franzosen wie alle anderen auch”. www.heise.de, 5. August 2010, abgerufen am19. August 2010.Sascha Lehnartz: Vertreter der Roma werfen Sarkozy Rassismus vor. Welt Online, 23. Juli 2010, abgerufen am 19. August 2010.). Der französische Staatspräsident kündigte daraufhin härtere Repressionen gegen Roma an. Die Politik Frankreichs traf auf scharfe Kritik europäischer Institutionen, siehe den Abschnitt hierzu im Artikel „Roma-Politik der EU“.
  28.  Dazu siehe z. B. die Seite „Rombase“ der Universität Graz:[7].
  29.  Siehe ausführlich zu ganz Europa: Michael Stewart: The Gypsy „Menace“. Populism and the new anti-Gypsy politics.Hurst, London 2012, ISBN 1-849-04220-9 (englisch).
  30.  Sinti und Roma im ehemaligen KZ Bergen-Belsen am 27. Oktober 1979. Eine Dokumentation der „Gesellschaft für bedrohte Völker“ und des „Verbands Deutscher Sinti“, Göttingen 1980
  31.  [8]
  32.  Michael Frost u. a.: Roma-Feindlichkeit in fremdenfreundlichen Milieus. Thesen über einen spezifischen Rassismus. In: Joachim S. Hohmann (Hrsg.): Sinti und Roma in Deutschland. Frankfurt am Main [u. a.] 1995, S. 231–251; siehe auch: [9].
  33.  Ellen Leidgeb: Opre Roma! Erhebt Euch!/Eine Einführung in die Geschichte und Situation der Roma, AG SPAK Bücher, München 1994, S. 42.
  34.  Siehe: Erster Bericht der Bundesrepublik Deutschland gemäß Artikel 25 Absatz 1 des Rahmenübereinkommens des Europarats zum Schutz nationaler Minderheiten, Berlin 1999, und der Zentralrat der deutschen Sinti und Roma.
  35.  Katrin Reemtsma: Exotismus und Homogenisierung – Verdinglichung und Ausbeutung. Aspekte ethnologischer Betrachtungen der Zigeuner in Deutschland nach 1945. In: Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg (Hrsg.): Zwischen Romantisierung und Rassismus. Sinti und Roma 600 Jahre in Deutschland. Stuttgart 1998, S. 63–72, hier S. 63 (online).
  36.  Daniel Strauß (Hrsg.): Studie zur aktuellen Bildungssituation deutscher Sinti und Roma. Dokumentation und Forschungsbericht. Marburg 2011, S. 4 (PDF).
  37.  Vgl. zu den Zahlenspielen: Angus Fraser, The Gypsies, Malden (MA) 2007, 15. Aufl., S. 299 ff.
  38.  Angus Fraser: The Gypsies. Malden (MA) 2007, 15. Aufl., S. 300. Fraser verweist auf: Rüdiger Vossen: Zigeuner.Frankfurt am Main 1983, S. 157–162, und Jean-Pierre Liégeois: Gypsies. London 1986, S. 47.
  39.  Center for Documentation and Information on Minorities in Europe – Southeast Europe (CEDIME-SE), Minorities in Southeast Europe: Roma of Albania
  40. ↑ a b www.nchr.gr #99
  41.  Siehe: Encyclopaedia BritannicaArtikel „Rom“; davon stark abweichend, aber ebenfalls in der Netzausgabe der Encyclopaedia Britannica Erika Schlager: The Roma—Europe’s Largest Minority; Ian Hancock: The Pariah Syndrome: An Account of Romani Slavery and Persecution; Ann Arbor: Rombase. Karoma Publishers, Universität Graz 1987.
  42. ↑ a b Donald Kenrick, Grattan Puxon: Sinti und Roma. Die Vernichtung eines Volkes im NS-Staat; Göttingen 1981; S. 155.
  43.  Siehe: www.denkbuehne.eu Über die Anerkennung der Fahne als gemeinsames Symbol liegen kaum Angaben vor. Die Verbände des Zentralrats der Deutschen Sinti und Roma verwenden sie nicht.
  44.  Website Universität Graz
  45.  Zu diesen beiden Abschnitten siehe: Katrin Reemtsma, Sinti und Roma. Geschichte, Kultur, Gegenwart, München 1996, S. 136–144; Yaron Matras, The Development of the Romani Civil Rights Movement in Germany 1945–1996, in: Susan Tebbutt (Hrsg.), Sinti und Roma. Gypsies in German-Speaking Society and Literature, New York/Oxford 1998, S. 49–63.
  46.  Siehe z. B. Bundesministerium des Innern, Nationale Minderheiten in Deutschland, Berlin 2010, 3. Aufl., S. 21, siehe auch [10] (PDF; 754 kB).
  47.  Drucksache 18/93neu (PDF; 19 kB)
  48.  Drucksache 18/290 (PDF; 19 kB)
  49.  Lothar Albertin: Deutschland und Frankreich in der Europäischen Union/Partner auf dem Prüfstand, edition lendemains 23, narr Verlag, Tübingen, 2010, S. 27.
  50.  Herbert Heuß, Civil Society, Desegregation, Antiziganismus, in: Herbert Uerlings/Iulia-Karin Patrut (Hrsg.),„Zigeuner“ und Nation. Repräsentation – Inklusion – Exklusion, Frankfurt am Main [u. a.] 2008, S. 469–481, hier S. 472.
  51.  Chip Foto Video, 09/2012, Chip Communications GmbH, München 2012, S. 95.
  52.  Herbert Heuß, Civil Society, Desegregation, Antiziganismus, in: Herbert Uerlings/Iulia-Karin Patrut (Hrsg.),„Zigeuner“ und Nation. Repräsentation – Inklusion – Exklusion, Frankfurt am Main [u. a.] 2008, S. 469–481, hier S. 473.
  53.  NGO-Stellungnahme: [11]; UNMIK-Stellungnahme zum Beginn der Wiederansiedlung 2007 (PDF).
  54.  Siehe z. B. Daniela Jetzinger, Das Grundrecht auf Eigentum in den Transitionsstaaten des Balkan [zu Ereignissen in Bulgarien, Montenegro, Rumänien], München 2006; Bosnien-Herzegowina: Wolfgang PetritschJenseits des Balkan-Express, in: Romano Centro Nr. 32, 03/2001];Tilman ZülchVergewaltigung, Konzentrationslager, Mord und Vertreibung; Kosovo: Stephan Müller, Menschenrechte und Europäische Union. Zur Situation der Roma im Kosovo(online); Rom e. V. (Hrsg.), 650 Jahre Roma-Kultur im Kosovo und ihre Vernichtung, Köln o. J. (2002); Zielland Kanada: “Ungarnflut” an der Hudson Bay im Pester Lloydvom 20. Januar 2010 abgerufen am 20. Februar 2010.
  55.  Herbert Uerlings/Julia-Karin Patrut, „Zigeuner“, Europa und Nation, in: dies., „Zigeuner“ und Nation. Repräsentation – Inklusion – Exklusion, Frankfurt am Main [u. a.] 2008, S. 9–63, hier S. 49.
  56.  Die folgenden Angaben basieren auf: Vossen, S. 204 ff.;[12] Rajko Djuric: Zigeuner des Lexikons. Djuric ist Kulturwissenschaftler und ehemaliger Präsident der Internationalen Roma-Union; Cristina Kruck, Rroma-Traditionen, in: Helena Kanyar Becker (Hrsg.), Jenische, Sinti und Roma in der Schweiz, Basel 2003, S. 163–176.
  57.  Vossen, S. 207 ff.; Webseite der Universität Graz
  58.  Rajko Djuric/Jörg Becken/A. Bertolt Begsch, Ohne Heim – Ohne Grab. Die Geschichte der Roma und Sinti, Berlin 1996, S. 327 ff.; Rüdiger Vossen: Zigeuner. Roma, Sinti, Gitanos, Gypsies. Zwischen Verfolgung und Romantisierung. Frankfurt am Main u. a. 1983, S. 256 ff.
  59.  George von Soest, Zigeuner zwischen Verfolgung und Integration, Weinheim 1979, S. 56 ff.
  60.  Vgl. etwa die im Katholizismus aus dem Alten Testament abgeleitete bis mindestens in die 1970er Jahre hinein im deutschsprachigen Raum gepflegte „Aussegnung“ der Wöchnerin (purificatio mulieris post partum), mit der ihr der erneute Zutritt in die Kirche ermöglicht wurde. Zur Aussegnung: Rüdiger Vossen, Zigeuner. Roma, Sinti, Gitanos, Gypsies. Zwischen Verfolgung und Romantisierung, Frankfurt am Main/Westberlin/Wien 1983, S. 243 ff.; Siglinde Clementi/Alessandra Spada (Hrsg.), Der ledige Un-Wille: zur Geschichte lediger Frauen in der Neuzeit, Bozen/Wien 1998, S. 185 ff.; M. Monika Niermann, Deutsche Kindheit in der Dobrudscha, Marburg 1996, S. 62 ff.; Oswald A. Erich/Richard Beitl, Wörterbuch der deutschen Volkskunde, Stuttgart 1974, 3. Aufl., neu bearb. von R. Beitl unter Mitwirkung v. K. Beitl); Edith Saurer [Hrsg.], Die Religion der Geschlechter. Historische Aspekte religiöser Mentalitäten, Wien/Köln/Weimar 1995, S. 9 f.
  61.  http://www.verein-museum-europaeischer-kulturen.de/seiwert.htm
  62.  Elena Marushiakova, Vesselin Popov: The Relations of Ethnic and Confessional Conciousness of Gypsies in Bulgaria
  63.  Priorities for concerted pan-European action based on Open Society Foundations’ experience and good practice.Open Society (Positionspapier, veröffentlicht durch den Europarat), abgerufen am 20. Oktober 2010 (engl.).
  64. http://de.wikipedia.org/wiki/Roma

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