Startseite » Demokratisierungsmarsch » Video von der Himmelfahrt des Kommandanten Chávez: Zuerst ist er verwirrt, dann sichtlich erfreut, denn er wird schon erwartet: Die Befreierhelden Lateinamerikas, Simón Bolívar, Evita Perón, Ernsteo «Che» Guevara, Salvador Allende und weitere, nehmen den Anführer der «bolivarischen Revolution» in ihren erlauchten Kreis auf. Die führenden Chavistas sind sich bewusst, dass sie eine Figur mit dem Charisma und der Popularität von Chávez auf absehbare Zeit nicht mehr haben werden In einem allerdings sind sich die meisten Kommentatoren einig. Die jahrzehntelange Vernachlässigung der unteren sozialen Schichten, wie sie im demokratischen Venezuela vor Chávez vierzig Jahre lang gang und gäbe war, wird sich in Zukunft keine Regierung mehr leisten können, unabhängig davon, ob sie von links oder von rechts sei. Mindestens in dieser Hinsicht dürfte Chávez doch ein Erbe hinterlassen. Die fehlende ideologische Verankerung Maduros sei bei seiner Rede vor der Kommunistischen Partei zwei Tage nach der Trauerfeier offensichtlich geworden, als er die Parteidelegierten mit persönlichen Anekdoten statt mit einem kohärenten politischen Programm abgespeist habe.

Video von der Himmelfahrt des Kommandanten Chávez: Zuerst ist er verwirrt, dann sichtlich erfreut, denn er wird schon erwartet: Die Befreierhelden Lateinamerikas, Simón Bolívar, Evita Perón, Ernsteo «Che» Guevara, Salvador Allende und weitere, nehmen den Anführer der «bolivarischen Revolution» in ihren erlauchten Kreis auf. Die führenden Chavistas sind sich bewusst, dass sie eine Figur mit dem Charisma und der Popularität von Chávez auf absehbare Zeit nicht mehr haben werden In einem allerdings sind sich die meisten Kommentatoren einig. Die jahrzehntelange Vernachlässigung der unteren sozialen Schichten, wie sie im demokratischen Venezuela vor Chávez vierzig Jahre lang gang und gäbe war, wird sich in Zukunft keine Regierung mehr leisten können, unabhängig davon, ob sie von links oder von rechts sei. Mindestens in dieser Hinsicht dürfte Chávez doch ein Erbe hinterlassen. Die fehlende ideologische Verankerung Maduros sei bei seiner Rede vor der Kommunistischen Partei zwei Tage nach der Trauerfeier offensichtlich geworden, als er die Parteidelegierten mit persönlichen Anekdoten statt mit einem kohärenten politischen Programm abgespeist habe.

Aktuelle Beiträge

Venezuela

Himmelfahrt des Kommandanten Chávez

Pünktlich zu Ostern verbreitet das venezolanische Regierungsfernsehen die frohe Botschaft: Hugo Chávez ist im Paradies angekommen.

awy. Ein Zeichentrickfilm, veröffentlicht vom Staatskanal Vive, zeigt den Einzug des gestorbenen venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez ins Paradies. Auch in dieser besseren Welt mit saftigen, grünen Wiesen trägt er seine unvermeidliche Jacke in den Landesfarben, dazu Bauernschlarpen.

Zuerst ist er verwirrt, dann sichtlich erfreut, denn er wird schon erwartet: Die Befreierhelden Lateinamerikas, Simón Bolívar, Evita Perón, Ernsteo «Che» Guevara, Salvador Allende und weitere, nehmen den Anführer der «bolivarischen Revolution» in ihren erlauchten Kreis auf. So geht in Erfüllung, was der neue «Präsident» Nicolás Maduro vor kurzem angekündigt hatte: «die Auferstehung unseres Comandante Hugo Chávez».

Maduro ist gegen die Verfassung, rückte aber mit Chávez‘ Segen in das Amt nach. Am 14. April stellt er sich der Bestätigungswahl, die er mithilfe von oben voraussichtlich gewinnen wird.

http://www.nzz.ch/aktuell/international/himmelfahrt-des-kommandanten-chavez-1.18056367

Mythenbildung in Venezuela

Schwierige Perspektiven für Chávez‘ Erben

International Gestern

1 Kommentar

Besucher am Grab des verstorbenen Präsidenten Hugo Chávez im Militärmuseum in Caracas.
Besucher am Grab des verstorbenen Präsidenten Hugo Chávez im Militärmuseum in Caracas. (Bild: Ariana Cubillos / AP)
Der venezolanische Präsident Chávez ist nicht gestorben, er lebt mitten im Volk weiter – so behaupten seine Erben. Mit ihrer Auferstehungsgeschichte sind sie für die Wahlen in einer starken Position. Längerfristig ist die Zukunft des Chavismus ungewiss.
Werner Marti, Caracas

«Chávez lebt, Chávez ist mit uns», meint eine Anhängerin, die mehrere Tage nach der offiziellen Trauerfeier bereits über drei Stunden in der gleissenden Sonne wartete, um von ihrem Comandante Presidente Abschied zu nehmen. Sieben zusätzliche Tage wurde Chávez in der Militärakademie aufgebahrt, ebenso lange war jeder Verkauf von alkoholischen Getränken im ganzen Land verboten. Die Strasse von der Metrostation zur Militärakademie war für den Verkehr gesperrt; auf der rund vier Kilometer langen Strecke versammelten sich täglich die Menschenmassen. Hier bekam man in der Tat den Eindruck, dass der Caudillo noch unter den Lebenden weile. An verschiedenen Stellen sprach er unaufhörlich von Grossbildschirmen zu den Wartenden. Die Regierung griff dazu tief ins fast unerschöpfliche Reservoir seiner Reden der letzten 14 Jahre.

Inszenierte Unsterblichkeit

Dem Mythos, dass Chávez seinen eigenen Tod überlebt habe, wird nicht nur an seinem Sarg gefrönt, sondern er wird von der Regierung im ganzen Land erzählt. Nach der offiziellen Sprachregelung, die seine Anhänger laufend wiederholen, handelt es sich bei diesem Tod nur um eine «desaparición física», ein physisches Verschwinden, während der Comandante mit seinem Geist und seinen Werken weiterhin bei seinem Volk ist. Die verwendeten Ausdrücke und die Symbolik scheinen direkt der christlichen Auferstehungsgeschichte entliehen. Chávez wird sozusagen zu einem neuen Christus der Armen hochstilisiert. Auch Tage nach der offiziellen Trauerfeier war er am Fernsehen noch bei weitem der häufigste Redner.

Die nationale Erdölgesellschaft PDVSA schrieb in einem ganzseitigen Zeitungsinserat: «Chávez ist nicht von uns gegangen, er ist weiterhin unter uns. Er zeigt sich präsent in unseren Herzen und in jedem unserer Erfolge, die wir dank der Politik der vollen Erdöl-Souveränität erreicht haben.»

Die «Auferstehung» von Chávez ist selbstverständlich nicht ein zufälliges Produkt der Volksreligiosität, sondern eine von langer Hand geplante Inszenierung der Regierung. Chávez ist der einzige Garant, dass die von ihm ins Leben gerufene Bewegung innerlich noch zusammenhält und weiterhin an den Urnen eine Mehrheit findet. Die führenden Chavistas sind sich bewusst, dass sie eine Figur mit dem Charisma und der Popularität von Chávez auf absehbare Zeit nicht mehr haben werden. Es bleibt ihnen deshalb nichts anderes übrig, als ihn unsterblich zu machen.

Zu spät für Einbalsamierung

Kurz nach dem Tod des Präsidenten verkündete der von ihm ausgewählte Nachfolger Nicolás Maduro feierlich, Chávez werde wie Lenin, Mao und Ho Chi Minh einbalsamiert, um so dem venezolanischen Volk für immer erhalten zu bleiben. Inzwischen mussten diese Pläne allerdings aufgegeben werden, weil die entsprechenden Arbeiten nicht früh genug in Angriff genommen wurden und weil der Leichnam ausgerechnet in der entscheidenden Zeit des Machtübergangs für acht Monate hätte ausser Landes gebracht werden müssen, nach Russland.

Auch der Plan, Chávez im nationalen Pantheon neben den Unabhängigkeitshelden Simón Bolívar zu legen, musste vorerst aufgeschoben werden. Maduro hatte ein Referendum angekündigt, denn gemäss Verfassung ist der Einzug bei den Vaterlandshelden frühestens 25 Jahre nach dem Tode möglich.

Maduro lässt nichts unversucht, um seine Nähe zu Chávez unter Beweis zu stellen. Als Programm für seinen Wahlkampf zog er einfach dasjenige von Chávez für die Wahlen des vergangenen Jahres aus der Schublade. Er und sein neuer Vizepräsident Jorge Arreaza – bezeichnenderweise der Schwiegersohn von Chávez – haben dem Verstorbenen vor laufender Kamera am Sarg die Treue geschworen.

Maduro hat sich auch als Präsidentschaftskandidat «im Namen des Comandante Hugo Chávez» eingeschrieben: «Ich bin gekommen, um seinen Auftrag zu erfüllen. Ich bin nicht Chávez, aber ich bin sein Sohn, und wir alle zusammen, das Volk, sind Chávez», erklärte Maduro bei jener Gelegenheit.

Schwerer Stand für Capriles

Nicht nur wegen der Instrumentalisierung von Chávez dürfte Maduros Widersacher Henrique Capriles, der die vereinte Opposition repräsentiert, bei den kommenden Wahlen einen schweren Stand haben. Regierung und Opposition haben generell sehr ungleiche Spiesse. Maduro wird wie Chávez hemmungslos auf die Mittel des Staates zurückgreifen und die «cadena nacional», das heisst die obligatorische Ausstrahlung von Ansprachen des Präsidenten auf allen Kanälen, missbrauchen, um Wahlpropaganda zu betreiben.

Ein westlicher Beobachter mit guten Verbindungen zur Opposition betont, dass diesmal der Wahlkampf für Henrique Capriles wegen der speziellen Umstände noch schwieriger sein werde. Während Capriles für die Wahlen im Oktober nach der internen Ausscheidung eine Frist von mehr als einem halben Jahr zur organisatorischen Vorbereitung hatte, sind es diesmal weniger als fünf Wochen.

Ein weiteres Problem dürfte die Finanzierung der Kampagne darstellen. Es ist eine offene Frage, ob sich die Geldgeber des letzten Jahres schon wieder als Sponsoren gewinnen lassen, besonders da ein Wahlsieg von Capriles als unwahrscheinlich gelten muss. Erschwerend für seine Kampagne kommt schliesslich noch dazu, dass die Opposition bei den Wahlen im Dezember die Gouverneurssitze in den drei wichtigen Teilstaaten Zulia, Carabobo und Tachira verloren hat. Capriles kann sich im Wahlkampf somit nur noch auf drei statt sechs Regionalregierungen stützen.

Überlebt der Chavismus?

Neben dem kurzfristigen Machterhalt in den bevorstehenden Wahlen stellt sich auch die Frage nach der längerfristigen Zukunft des Chavismus. Wird die Bewegung ihren Zusammenhalt und ihre politische Macht längerfristig bewahren können? Verschiedene lateinamerikanische Autoren sehen für den Chavismus in Venezuela eine ähnliche Zukunft wie für den Peronismus in Argentinien, der fast vierzig Jahre nach dem Tod des Generals die dominierende politische Kraft im Lande geblieben ist, auch wenn es sich keineswegs um eine einheitliche Bewegung handelt.

Julio César Pineda, bekannter politischer Kommentator beim regierungskritischen Sender Globovisión, ist da dezidiert anderer Meinung. Es werde keinen Chavismo ohne Chávez geben, prognostiziert er im Gespräch. Chávez habe kein langfristiges Projekt hinterlassen. Seiner Bewegung fehle ein ideologisches Fundament, das sie zusammenhalten könne. Die fehlende ideologische Verankerung Maduros sei bei seiner Rede vor der Kommunistischen Partei zwei Tage nach der Trauerfeier offensichtlich geworden, als er die Parteidelegierten mit persönlichen Anekdoten statt mit einem kohärenten politischen Programm abgespeist habe. Die einzige Eigenschaft, die Maduro im Moment an der Macht halte, sei die Tatsache, dass er von Chávez zu seinem Nachfolger auserkoren worden sei. Als mögliche mittelfristige Szenarien sieht Pineda eine interne Konfrontation und eine Spaltung innerhalb des Chavismus oder aber, dass Maduro einfach von anderen Führern der Bewegung zur Seite geschoben werden könnte.

In einem allerdings sind sich die meisten Kommentatoren einig. Die jahrzehntelange Vernachlässigung der unteren sozialen Schichten, wie sie im demokratischen Venezuela vor Chávez vierzig Jahre lang gang und gäbe war, wird sich in Zukunft keine Regierung mehr leisten können, unabhängig davon, ob sie von links oder von rechts sei. Mindestens in dieser Hinsicht dürfte Chávez doch ein Erbe hinterlassen.

Wirtschaft als Faktor

Dass die wirtschaftliche Lage der Regierung der Chavistas schon bald ein Ende setzen könnte, halten die meisten Beobachter für eher unwahrscheinlich. Zwar ist es fast unbestritten, dass das Land mit grossen wirtschaftlichen Problemen kämpft. Korruption und Misswirtschaft sind weit verbreitet. Der Bolívar ist auf dem Schwarzmarkt nur noch halb so viel wert wie vor fünf Monaten bei den letzten Präsidentschaftswahlen. Ausserdem beklagen sich die Einwohner von Caracas über das Fehlen von Produkten des täglichen Bedarfs.

Der Mangel-Index der Zentralbank ist so hoch wie nie mehr seit 2008. Bei einem Besuch in mehreren Supermärkten erhalten wir allerdings den Eindruck, dass es sich in erster Linie um ein Problem der Verteilung handelt. Ein Produkt, das an einem Ort fehlt, ist oft in einem anderen Geschäft im Überfluss vorhanden.

Mittelfristig werden in Venezuela gewisse Austeritätsmassnahmen wohl unumgänglich sein. Doch solange sich der Erdölpreis auf der gegenwärtigen Höhe von rund 100 Dollar pro Fass bewegt, dürfte die Regierung genügend Einnahmen haben, um einen Zusammenbruch zu verhindern.

http://www.nzz.ch/aktuell/international/schwierige-perspektiven-fuer-chavez-erben-1.18055657


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