Startseite » Marsch gegen Rassismus und Diskriminierung für gleiche Rechte » Das seit 1945 mühsam erarbeitete Image des harmlosen Saubermanns wird in Südeuropa und der Türkei gerade zügig durch das des hässlichen Deutschen ersetzt. Die arrogante und ignorante Behandlung der türkischen Öffentlichkeit durch das Münchner Gericht ist das i-Tüpfelchen in einer Affäre, die schon jetzt die Beziehungen zwischen Deutschland und der Türkei schwer erschüttert. Kein Mensch glaubt in der Türkei mehr an die offizielle Version von Pleiten, Pech und Pannen in Bezug auf die Mordserie der rechtsradikalen NSU.

Das seit 1945 mühsam erarbeitete Image des harmlosen Saubermanns wird in Südeuropa und der Türkei gerade zügig durch das des hässlichen Deutschen ersetzt. Die arrogante und ignorante Behandlung der türkischen Öffentlichkeit durch das Münchner Gericht ist das i-Tüpfelchen in einer Affäre, die schon jetzt die Beziehungen zwischen Deutschland und der Türkei schwer erschüttert. Kein Mensch glaubt in der Türkei mehr an die offizielle Version von Pleiten, Pech und Pannen in Bezug auf die Mordserie der rechtsradikalen NSU.

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Der hässliche Deutsche kehrt zurück

Ein beispielloser Imageverlust

Kommentar von Jürgen Gottschlich

Die türkische Öffentlichkeit ist entsetzt. Der türkische Vizeministerpräsident Bekir Bozdag sprach am Freitag aus, was die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung denkt. Warum wird die türkische Presse und der türkische Botschafter vom NSU-Prozess in München ausgesperrt, wenn die Deutschen nichts zu verbergen haben?

Die arrogante und ignorante Behandlung der türkischen Öffentlichkeit durch das Münchner Gericht ist das i-Tüpfelchen in einer Affäre, die schon jetzt die Beziehungen zwischen Deutschland und der Türkei schwer erschüttert. Kein Mensch glaubt hier mehr an die offizielle Version von Pleiten, Pech und Pannen in Bezug auf die Mordserie der rechtsradikalen NSU.

Jahrelang soll niemand auf die Idee gekommen sein, dass die Morde einen rassistischen, antitürkischen Hintergrund hatten. Jahrelang sollen die Geheimdienste nichts gewusst haben, aber als es an die Aufklärung ging, wurden meterweise Akten geschreddert.

Jürgen GottschlichJürgen Gottschlich

ist Türkei-Korrespondent der taz.

Foto: taz

Dass im Bundesamt für Verfassungsschutz muslimische Kollegen mit Migrationshintergrund systematisch gemobbt werden, muss nicht näher untersucht werden, weil ja angeblich längst alles geklärt ist. Und nun die Aussperrung der türkischen Presse – ganz regelkonform, versteht sich.

Zielsicher nähren deutsche Behörden so den Verdacht, dass die Morde an türkischen Kleinunternehmern weit über den Kreis der NSU hinaus stillschweigenden Beifall gefunden haben und jetzt die Verbindungen zu Hintermännern gezielt vertuscht werden sollen

Offenbar merkt man in Berlin nicht, wie sich das Bild Deutschlands im Ausland derzeit dramatisch verschlechtert. Das seit 1945 mühsam erarbeitete Image des harmlosen Saubermanns wird in Südeuropa und der Türkei gerade zügig durch das des hässlichen Deutschen ersetzt.

http://www.taz.de/Kommentar-NSU-Prozess/!113727/


1 Kommentar

  1. Andreas Hofmann sagt:

    Hat jemanden überrascht? Mich nicht. Wenn die deutschen Behörden auch nur für fünf Cent Verstand und Sensibilität hätten, wäre ihnen aufgefallen, dass es spätestens nach Entdeckung der NSU bei der migrantischen und türkischen Öffentlichkeit um Psychologie und gefühlte Gerechtigkeit ging, nicht um irgendwelche Verfahrensweisen. Leider sitzen in den Behörden meist Menschen, die Intelligenz, Menschlichkeit und Kreativität mit Fleiß ersetzen, was ich sehr schade finde, weil die wenigen „Guten“ leider viel zu selten erlebbar werden. Aber zurück zum Fall und darüber hinaus:

    Was wäre im „Fall Marco“ gewesen, wenn man dort mit der Begründung „alles voll“ die deutsche oder britische Presse aussen vor gelassen hätte? Die Türkei hätte sich wieder als „rückständiges“ und „zur Demokratie unfähiges“ Land von Teppichhändlern beschimpfen lassen müssen.

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