Startseite » Demokratisierungsmarsch » 40.000 Teilnehmer aus 120 Ländern diskutieren in Tunesien über die Gestaltung „einer anderen Welt“.Für die tunesische Bürgergesellschaft, die sich nach der Revolution im Aufbruch befindet, wird das Weltsozialforum nachhaltige Wirkung haben. Von hier ging bereits 2008 mit dem Aufstand von Minenarbeitern in Gafsa und dann im Januar 2011 mit der Vertreibung des Diktators Ben Ali eine Revolution mit weltweiter Wirkung aus.

40.000 Teilnehmer aus 120 Ländern diskutieren in Tunesien über die Gestaltung „einer anderen Welt“.Für die tunesische Bürgergesellschaft, die sich nach der Revolution im Aufbruch befindet, wird das Weltsozialforum nachhaltige Wirkung haben. Von hier ging bereits 2008 mit dem Aufstand von Minenarbeitern in Gafsa und dann im Januar 2011 mit der Vertreibung des Diktators Ben Ali eine Revolution mit weltweiter Wirkung aus.

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Tunesien

In Tunis geht das Weltsozialforum zu Ende

International Heute, 01:00
Während der dreitägigen Veranstaltung wurde immer wieder Kritik an der Politik der Islamisten laut. (Bild: Teilnehmer des Forums verkünden ihre politische Haltung am 26. März 2013)
Während der dreitägigen Veranstaltung wurde immer wieder Kritik an der Politik der Islamisten laut. (Bild: Teilnehmer des Forums verkünden ihre politische Haltung am 26. März 2013) (Bild: Hassene Dridi / keystone)
Annette Steinich, Tunis

An diesem Samstag endet in Tunis das elfte Weltsozialforum, bei dem 40 000 Teilnehmer aus 120 Ländern über neue Formen des weltweiten Zusammenlebens diskutiert haben. Unter dem Oberthema «Würde» boten 4500 Organisationen über 3000 Veranstaltungen an, in denen die ganze Bandbreite sozialer Gerechtigkeit zur Diskussion stand: Menschenrechte, Migrationspolitik, Umweltschutz, Entwicklungspolitik.

Das Weltsozialforum wurde 2001 in Porte Alegre (Brasilien) ins Leben gerufen als Gegenstimme zum Weltwirtschaftsforum in Davos. Das diesjährige Treffen, zu dem Vertreter der Bürgergesellschaft, der Gewerkschaften, Menschenrechts- und Umweltaktivisten kamen, fand zum ersten Mal in einem arabischen Land statt. Ursprünglich war das Weltsozialforum für das kommende Jahr in Kairo geplant gewesen. In Tunis hätte 2012 das internationale Vorbereitungstreffen stattfinden sollen. Aufgrund der politischen Instabilität in Ägypten legte man die beiden Veranstaltungen zeitlich zusammen und entschied sich nach kontroversen Diskussionen insbesondere mit Vertretern Lateinamerikas für Tunesien. Von hier ging bereits 2008 mit dem Aufstand von Minenarbeitern in Gafsa und dann im Januar 2011 mit der Vertreibung des Diktators Ben Ali eine Revolution mit weltweiter Wirkung aus. Um diesen Weg zu mehr Freiheit und Demokratie zu stärken, hatte das internationale Vorbereitungskomitee auch in den vergangenen Monaten der Regierungskrise in Tunesien und trotz der angespannten Sicherheitslage an der Entscheidung für Tunis festgehalten. «Eine andere Welt ist möglich», das ist das Motto und die Motivation des Weltsozialforums seit seiner Gründung. Im Untertitel des diesjährigen Treffens heisst es: «Ein anderes Tunesien ist möglich.» Das Land ringt seit zwei Jahren um eine neue demokratische Verfassung.

Kamal Lahbib, Mitglied des Vorbereitungskomitees und Gründer des Maghrebinischen Sozialforums, erklärte der sechzigköpfigen Schweizer Delegation, zu der Vertreter von Nichtregierungsorganisationen, der Gewerkschaften und Parlamentarier gehören: «Tunesien befindet sich in einer institutionellen Krise. Die Menschen, die die Revolution gemacht haben, sind nicht die, die heute davon profitieren.» Alliance Sud, die Arbeitsgemeinschaft Schweizer Entwicklungszusammenarbeit, hat gemeinsam mit tunesischen Organisationen Workshops zur Frage der Potentatengelder in der Schweiz und zum soeben vom Parlament verabschiedeten Investitionsschutzabkommen zwischen der Schweiz und Tunesien veranstaltet.

Der tunesische Präsident Moncef Marzouki hatte nach der Entscheidung für Tunis dem Vorbereitungskomitee seine Unterstützung zugesagt. Die Regierung unter Premierminister Ali Larayeth, der erst seit zwei Wochen im Amt ist, garantierte für die Sicherheit der Grossveranstaltung. Bei der Eröffnung im Stadion al-Menzah kritisierte die Witwe des ermordeten Oppositionspolitikers Chokri Belaïd die Nahda-Regierung scharf. Auch während der dreitägigen Veranstaltung wurde immer wieder Kritik an der Politik der Islamisten laut. Der politische Islam ist ein neues Thema für das Weltsozialforum. Im Selbstverständnis als offener Raum für alle Positionen hatten die Organisatoren auch Salafisten eingeladen, die mit Laizisten aus dem linken Parteienspektrum über die soziale Frage in Tunesien diskutierten, allerdings mit wenig Aussicht auf Konsens schon in der Grundfrage der Vereinbarkeit von Islam und Demokratie.

Am letzten Tag stellen die zivilgesellschaftlichen Gruppen ihre jeweiligen Resolutionen vor. Eine gemeinsame Abschlusserklärung gibt es nicht. Für die tunesische Bürgergesellschaft, die sich nach der Revolution im Aufbruch befindet, wird das Weltsozialforum nachhaltige Wirkung haben. Elisabeth Braune von der deutschen Friedrich-Ebert-Stiftung in Tunis, die den Vorbereitungsprozess unterstützt hat, erhofft sich neben der Vernetzung in Tunesien, zum Beispiel der Gewerkschaften mit der Bürgergesellschaft, eine Professionalisierung der bestehenden und neuer Nichtregierungsorganisationen.

http://www.nzz.ch/aktuell/international/weltsozialforum-tunis-1.18055670


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