Startseite » Afrika » Das auf Rohstoffverkäufen basierende Wirtschaftswachstum Afrikas schafft kaum Arbeitsplätze! Bis dato haben sich Afrikas Länder kaum dazu durchgerungen, Industriepolitik zu betreiben, etwa indem eigene Unternehmen vor Wettbewerb geschützt und gefördert werden. Im Schnitt sind weniger als fünf Prozent aller Jobs in Afrika im verarbeitenden Gewerbe.

Das auf Rohstoffverkäufen basierende Wirtschaftswachstum Afrikas schafft kaum Arbeitsplätze! Bis dato haben sich Afrikas Länder kaum dazu durchgerungen, Industriepolitik zu betreiben, etwa indem eigene Unternehmen vor Wettbewerb geschützt und gefördert werden. Im Schnitt sind weniger als fünf Prozent aller Jobs in Afrika im verarbeitenden Gewerbe.

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Afrika stellt sich jetzt die China-Frage

LUKAS SUSTALA, 29. März 2013, 17:44
  • Freude über den chinesischen Gast. Frauen in Daressalam halten chinesische Fahnen zum Staatsbesuch von Präsident Xi Jingping. Tansania hat von Rohstoffexporten nach Asien profitiert. 
    foto: reuters/mukoya

    Freude über den chinesischen Gast. Frauen in Daressalam halten chinesische Fahnen zum Staatsbesuch von Präsident Xi Jingping. Tansania hat von Rohstoffexporten nach Asien profitiert.


Zehn Jahre hat Afrika vom Rohstoffhunger Chinas profitiert. Doch Ökonomen mahnen, dass dieses Wachstumsmodell an Grenzen stößt

Daressalam/Wien – Es war mehr als nur symbolisch. Xi Jingping, der neue Präsident des aufstrebenden Chinas, hat seine erste Auslandsreise diese Woche nicht in die USA, nach Europa oder gar ein asiatisches Land geführt. Nach einem kurzen Zwischenstopp in Moskau hat Chinas mächtigster Mann eine Afrikareise angetreten: Tansania, Südafrika und Republik Kongo standen auf dem Reiseplan.

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China hat an dem afrikanischen Kontinent mit seinen 1,03 Milliarden Einwohnern ein gehöriges Interesse. Das asiatische Land deckt seinen immer größeren Energiebedarf gerade auch in Afrika. 2011 etwa importierte China pro Tag mehr als eine Million Barrel Öl aus Afrika, rund ein Viertel seiner Erdölimporte. Energieträger undRohstoffe wie Metalle machen laut dem African Research Institute knapp 90 Prozent von Afrikas Exporte nach China aus.

Vom Ressourcenhunger Chinas konnten Volkswirtschaften wie Angola, Nigeria und Republik Kongo gut wachsen. Laut Daten des Internationalen Währungsfonds sind die Öl-Exporteure in Afrika seit 2004 im Schnitt mit 7,5 Prozent pro Jahr gewachsen, die übrigen Länder am Kontinent nur halb so schnell.

Hoffnung für Afrika

Mit den Rohstoffumsätzen ist auch die Hoffnung nach Afrika gekommen. Für Wolfgang Fengler, Ökonom bei der Weltbank in Nairobi, „ist Afrika heute in einer viel besseren wirtschaftlichen Lage als noch zur Jahrtausendwende“. Erst 2004 ist das BIP pro Kopf in Afrika über das Niveau aus dem Jahr 1980 gesprungen, zeigen Daten der Uno. Seit 2004 hat sich das Einkommen pro Kopf in Afrika dank der neuen Wirtschaftsdynamik und der Rohstoffnachfrage Chinas verdoppelt.

Doch Rick Rowden, ein internationaler Berater und Entwicklungsökonom an der JN-Universität in Neu-Delhi, warnt, dass der Rohstoffboom nicht zu nachhaltigem Wachstum geführt hat. „Es ist notwendig, dass die afrikanischen Staaten ihre Industriesektoren ausbauen. Denn Rohstoffexporte können vielleicht das Wachstum ankurbeln, für die wirtschaftliche Entwicklung tragen sie aber wenig bei.“ Erst mit Industriezweigen könnten sich die afrikanischen Ländern nachhaltig entwickeln: „Nicht umsonst nennen wir die reichsten Länder der Welt auch Industrienationen“, sagt Rowden. Auch der renommierte Entwicklungsökonom Paul Collier ist in einem Papier für die Vereinten Nationen zu demselben Ergebnis gekommen.

Auch in Afrika kommt es zum Umdenken: Nkosazana Dlamini-Zuma, Leiterin der Kommission der Afrikanischen Union (ACU), sagte bei einer Konferenz diese Woche, bei der afrikanische Politiker und Ökonomen die wirtschaftliche Entwicklung des Kontinents diskutierten: „Die Industrialisierung ist kein Luxus für Afrika, sondern eine Notwendigkeit für das langfristige Überleben.“

Keine offene Konfrontation

Doch nach wie vor ist das produzierende Gewerbe in Afrika unterentwickelt, auch deswegen, weil China bei Infrastrukturprojekten gerne mit eigenen Arbeitern auf den Kontinent kommt. Abgesehen von einigen Erfolgsmodellen (etwa Kenia, Tansania und Namibia) konnten Afrikas Länder daher kaum Industrie-Know-how aufbauen. Im Schnitt sind weniger als fünf Prozent aller Jobs in Afrika im verarbeitenden Gewerbe.

Bis dato haben sich Afrikas Länder kaum dazu durchgerungen, Industriepolitik zu betreiben, etwa indem eigene Unternehmen vor Wettbewerb geschützt und gefördert werden. Denn das würde auch den wichtigen Partner treffen, rechnet Rowden, „es würde China Kontra geben“ . Aber wenn Afrika zu Wohlstand kommen möchte, sollte es nicht mehr ausschließlich Zulieferer Asiens sein, sondern auch ein wichtiger Wettbewerber. (Lukas Sustala, DER STANDARD; 30.3.2013)

http://derstandard.at/1363706484022/Afrika-stellt-sich-die-China-Frage


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