Startseite » Demokratisierungsmarsch » E-Mail von Schwester eines von der Junta gefolterten Jesuitenpaters, der sich in den Slums an die Seite der für soziale Gerechtigkeit engagierten Opposition stellte, aus der Zeit der argentinischen Militärdiktatur veröffentlicht: „Er (Bergoglios) will Papst werden.‘ Er ist die richtige Person, um die Verfaultheit zuzudecken. Er ist der Experte fürs Zudecken.“ Argentinischer Nobelpreisträger erklärt, dass der neue Papst nie Komplize der mordenden Generäle gewesen ist! Die Papstwahl bringt ein furchtbares Kapitel der jüngeren Geschichte endlich auf die globale Tagesordnung: Es sollte jetzt auch nach einer möglichen Komplizenschaft oder Duldung der 30.000 Tötungen und Folter durch die amerikanische, westliche und deutsche Politik gefragt werden! Während bei der Fußballweltmeisterschaft 1978 die Welt jubelnd nach Argentinien blickte, wurden unter der Diktatur des Junta-Regimes unzählige Menschen gefoltert – und lebend aus Flugzeugen ins Meer geworfen. Der Daimler-Konzern steht im Verdacht, sich zum Komplizen der argentinischen Militärjunta gemacht zu haben. Jetzt liegt der Fall beim Obersten Gerichtshof der USA.Zu den Opfern der Diktatur gehören auch etwa hundert Deutsche bzw. Deutschstämmige: Elisabeth Käsemann erlebte ihren 30. Geburtstag auf dem „Grill“. So nannten die Folterer die Metalltische, auf die sie ihre Opfer spannten, um sie mit Elektroschocks zu behandeln. Am 9. März 1977 verschwand die deutsche Studentin in Buenos Aires, ihren Geburtstag am 11. Mai verbrachte sie in dem geheimen Haftzentrum des argentinischen Militärregimes „El Vesubio“. Zwei Wochen später, in der Nacht zum 24. Mai, wurde sie mit 15 anderen Gefangenen gefesselt und abtransportiert. Zwei Tage darauf meldeten argentinische Zeitungen, dass bei einem Feuergefecht 16 „Subversive“ getötet worden seien, darunter Elisabeth Käsemann. Der deutsche Obduktionsbericht listet vier Schüsse von hinten ins Genick und Herz auf. Der Leichnam hatte weder Haare noch Augen. Die Bluttat ist bis heute ungesühnt.

E-Mail von Schwester eines von der Junta gefolterten Jesuitenpaters, der sich in den Slums an die Seite der für soziale Gerechtigkeit engagierten Opposition stellte, aus der Zeit der argentinischen Militärdiktatur veröffentlicht: „Er (Bergoglios) will Papst werden.‘ Er ist die richtige Person, um die Verfaultheit zuzudecken. Er ist der Experte fürs Zudecken.“ Argentinischer Nobelpreisträger erklärt, dass der neue Papst nie Komplize der mordenden Generäle gewesen ist! Die Papstwahl bringt ein furchtbares Kapitel der jüngeren Geschichte endlich auf die globale Tagesordnung: Es sollte jetzt auch nach einer möglichen Komplizenschaft oder Duldung der 30.000 Tötungen und Folter durch die amerikanische, westliche und deutsche Politik gefragt werden! Während bei der Fußballweltmeisterschaft 1978 die Welt jubelnd nach Argentinien blickte, wurden unter der Diktatur des Junta-Regimes unzählige Menschen gefoltert – und lebend aus Flugzeugen ins Meer geworfen. Der Daimler-Konzern steht im Verdacht, sich zum Komplizen der argentinischen Militärjunta gemacht zu haben. Jetzt liegt der Fall beim Obersten Gerichtshof der USA.Zu den Opfern der Diktatur gehören auch etwa hundert Deutsche bzw. Deutschstämmige: Elisabeth Käsemann erlebte ihren 30. Geburtstag auf dem „Grill“. So nannten die Folterer die Metalltische, auf die sie ihre Opfer spannten, um sie mit Elektroschocks zu behandeln. Am 9. März 1977 verschwand die deutsche Studentin in Buenos Aires, ihren Geburtstag am 11. Mai verbrachte sie in dem geheimen Haftzentrum des argentinischen Militärregimes „El Vesubio“. Zwei Wochen später, in der Nacht zum 24. Mai, wurde sie mit 15 anderen Gefangenen gefesselt und abtransportiert. Zwei Tage darauf meldeten argentinische Zeitungen, dass bei einem Feuergefecht 16 „Subversive“ getötet worden seien, darunter Elisabeth Käsemann. Der deutsche Obduktionsbericht listet vier Schüsse von hinten ins Genick und Herz auf. Der Leichnam hatte weder Haare noch Augen. Die Bluttat ist bis heute ungesühnt.

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Argentinien ist gespalten:  „Bin betrübt und zornig“

Elisabeth Käsemann: Ermordet in Argentinien

Elisabeth Käsemann: Ermordet in Argentinien – Der deutsche Obduktionsbericht listet vier Schüsse von hinten ins Genick und Herz auf. Der Leichnam hatte weder Haare noch Augen. Die Bluttat ist bis heute ungesühnt.

Wo sind sie? Die Angehörigen der Verschwundenen haben nicht einmal einen Ort zum Trauern

Wo sind sie? Die Angehörigen der Verschwundenen haben nicht einmal einen Ort zum Trauern

Vatikanstadt/Buenos Aires/Madrid – Der Journalist Horacio Verbitsky, der in den vergangenen Jahren über die Rolle des neuen Papstes Franziskus beim Verschwinden zweier Jesuitenpater während der argentinischen Militärdiktatur von 1976 bis 1983 recherchierte, hat ein E-Mail veröffentlicht, das von der Schwester eines der Betroffenen stammt. Darin erhebt sie schwere Vorwürfe gegen den früheren Kardinal Jorge Mario Bergoglio, wie die spanische Zeitung „El Pais“ am Freitag berichtete.

Die Jesuitenpater Orlando Yorio und Francisco Jalics waren am 23. März 1976 verhaftet worden, nachdem sie sich für die Opposition stark gemacht hatten. Sie landeten in der Technikschule der argentinischen Marine, die als brutales Folterzentrum berüchtigt war. Erst nach fünf Monaten wurden sie wieder freigelassen. Yorio ist inzwischen verstorben, Jalics lebt in Deutschland.

Schwester wendet sich an Journalisten

Graciela Yorio, die Schwester von Orlando, schickte unmittelbar nach Bekanntwerden der Wahl Bergoglios zum Papst ein E-Mail an Verbitsky, das dieser am Donnerstag veröffentlichte. Darin heißt es: „Ich kann es nicht glauben. Ich bin so betrübt und zornig, dass ich nicht weiß, was ich tun soll. Er hat das erreicht, was er wollte. Ich sehe noch Orlando am Esstisch, als er vor zwei Jahren sagte: ‚Er will Papst werden.‘ Er ist die richtige Person, um die Verfaultheit zuzudecken. Er ist der Experte fürs Zudecken. Mein Telefon läutet ununterbrochen. Fito hat am Telefon geweint.“ „Fito“ ist Adolfo Yorio, der Bruder des von der Junta verfolgten Jesuiten.

„Bergoglio hat ein Buch veröffentlicht, ‚El Jesuita‘, in dem er berichtet, er habe sich bei den Diktatoren Alfredo Massera und Jorge Rafael Videla für ihre Freilassung eingesetzt. Ich frage mich…Wenn es so war, warum hat er den Familienangehörigen nicht davon erzählt? Er hat uns belogen, und er hat auch das Gericht belogen, vor dem er wegen all dem 2010 als Zeuge aussagen musste“, betonte die 67-jährige Pychotherapeutin Yorio.

Versöhnung mit Jalics

Der andere der beiden Jesuitenpater hat sich hingegen  mit Jorge Mario Bergoglio versöhnt. Der seit langem in Deutschland lebende Francisco Jalics habe sich mit Bergoglio getroffen, sagte der Sprecher der deutschen Jesuiten-Ordensprovinz am Freitag der Deutschen Presse-Agentur (dpa) in München. Bergoglio und Jalics hätten über die Situation während der Militärdiktatur (1976-1983) gesprochen. Es bestünden keine Gegensätze mehr.

Dem am Mittwoch zum Papst gewählten einstigen Erzbischof von Buenos Aires wird vorgeworfen, zwei Jesuiten nicht vor der Verschleppung durch das Militär geschützt zu haben. Bergoglio selbst sagte, er habe sie vor den Gefahren gewarnt und bei der Militärjunta für sie vorgesprochen, aber wenig Einfluss gehabt. Die zwei Jesuiten – einer von ihnen der in einem Exerzitienhaus in Oberfranken lebende Francisco Jalics – wurden nach fünf Monaten Haft und Folter freigelassen. (APA, 15.3.2013)

http://derstandard.at/1363239165677/Er-ist-die-richtige-Person-um-die-Verfaultheit-zuzudecken

ARGENTINISCHE MILITÄRDIKTATURMord auf Bestellung?

Der Daimler-Konzern steht im Verdacht, sich zum Komplizen der argentinischen Militärjunta gemacht zu haben. Jetzt liegt der Fall beim Obersten Gerichtshof der USA. Fragen an die Menschenrechtsaktivistin Gaby Weber

© Stringer/Reuters

Frauen und Mütter demonstrieren Mitte der 1980er Jahren in Argentinien. Sie machen auf Menschen aufmerksam, die während der Militärdiktatur verschleppt worden sind oder spurlos verschwanden.Frauen und Mütter demonstrieren Mitte der 1980er Jahren in Argentinien. Sie machen auf Menschen aufmerksam, die während der Militärdiktatur verschleppt worden sind oder spurlos verschwanden.

DIE ZEIT: Frau Weber, Sie erheben schwere Vorwürfe. Mercedes-Benz Argentina soll während der Militärdiktatur zwischen 1976 und 1983 insgesamt 17 Betriebsaktivisten an den Geheimdienst ausgeliefert haben…

Gaby Weber: …was einem Todesurteil gleichkam. Menschenrechtsorganisationen schätzen, dass unter Jorge Videla rund 30.000 Menschen »verschwanden«. Die meisten hat man nie gefunden. Nachdem die Entführten gefoltert wurden, warf man ihre Leichen aus Flugzeugen über dem Meer oder dem Rio de la Plata ab. Höchstwahrscheinlich erlitten auch 14 der verschleppten Mercedes-Mitarbeiter dieses Schicksal.

ZEIT: Haben Sie mit den drei Überlebenden gesprochen?

GABY WEBER

lebt als freie Journalistin in Buenos Aires. Mit ihren Recherchen hat sie 1999 die Ermittlungen gegen Daimler ins Rollen gebracht.

Weber: Ich habe mit meinen Nachforschungen 1999 begonnen und seither mit allen Beteiligten, den Überlebenden und den Familien, Gespräche geführt. Einer der wichtigsten Zeugen ist Héctor Ratto. Am 12. August 1977 zitierte Juan Tasselkraut, der Produktionsleiter des Mercedes-Werks in Buenos Aires, ihn in sein Büro, wo zwei Polizisten auf Ratto warteten. Sie brachten ihn in eine Kaserne, eine Folterstätte der Militärs. Dort traf Ratto einige Kollegen aus dem Mercedes-Betriebsrat wieder, darunter Diego Núñez, der kurz nach ihm verhaftet worden war und der nie wieder auftauchte.

ZEIT: Auch Núñez war verraten worden?

Weber: Rattos Aussagen zufolge hat Tasselkraut Núñez denunziert, als er, Ratto, im Büro der Betriebsleitung verhaftet wurde.

ZEIT: Gibt es handfeste Beweise?

Weber: Rattos Aussagen dienten 1985 dazu, die Juntamitglieder zu verurteilen. Damals hat vom Unternehmen niemand gegen Rattos Darstellung protestiert. Um es schwarz auf weiß zu haben, brauchte man die Akten des Geheimdienstes.

ZEIT: Derzeit berät der Supreme Court in Washington über den Fall. Er soll entscheiden, ob es in den USA zu einem Prozess gegen Daimler kommt.

Weber: Das ist nicht der erste Anlauf. Bereits im November 2011 hat ein kalifornisches Berufungsgericht entschieden, dass die US-Justiz zuständig ist. Weil Daimler Einspruch erhoben hat, liegt der Fall nun in Washington.

ZEIT: Auf welcher Rechtsgrundlage ist ein Prozess in den USA denn überhaupt möglich?

Weber: Grundlage ist der »Alien Tort Claims Act« von 1789, der Ausländern bei der Verletzung internationalen Rechts den Weg zu den US-Gerichten öffnet. Das Gesetz wurde einst verabschiedet, um Piraten den Prozess machen zu können. In den achtziger Jahren gruben es Menschenrechtsaktivisten aus, nachdem sich in Südamerika die Militärs in die Kasernen zurückgezogen und zuvor Straffreiheit für ihre Untaten ausgehandelt hatten. In einem ähnlichen Fall steht ebenfalls ein Urteil des Supreme Court aus: im Fall Kiobel versus Shell. Dem Ölkonzern wird vorgeworfen, in Nigeria an Verbrechen der staatlichen Sicherheitskräfte mitschuldig zu sein.

ZEIT: Vor 13 Jahren haben Sie Ihre Recherchen in einem Radiobeitrag für den WDR erstmals publik gemacht. Von dort bis zum Supreme Court – das ist ein weiter Weg.

Weber: Und ein steiniger. Kurz nach meinem Bericht erstattete der Rechtsanwalt Wolfgang Kaleck, heute Geschäftsführer des Europäischen Menschenrechtszentrums in Berlin, Anzeige wegen Beihilfe zum Mord gegen Produktionschef Juan Tasselkraut. Da Tasselkraut deutscher Staatsbürger ist, ermittelte die Staatsanwaltschaft Nürnberg. Nach vier Jahren aber stellte sie ihre Nachforschungen ein.

ARGENTINISCHE MILITÄRDIKTATURMord auf Bestellung?

Seite 2/2:

„Die Opfer waren überwiegend Arbeiter“

ZEIT: Warum?

Weber: Es galt für sie als nicht bewiesen, dass die »Verschwundenen« tatsächlich tot sind. Absurd! Später übernahm der Argentinier Eduardo Fachal den Fall. Wie Ratto ist er einer der Überlebenden. 2003 erklärte die neu ins Amt gewählte Regierung Kirchner das Thema Menschenrechte zur Chefsache. Die Amnestiegesetze aus den achtziger Jahren wurden annulliert. Die Hinterbliebenen erstatteten bei der Staatsanwaltschaft in Buenos Aires Strafanzeige gegen dieDaimler AG. Doch wieder geschah nichts. Und so reichten die Angehörigen der »Verschwundenen« im Januar 2004 eine Zivilklage in Kalifornien ein.

ZEIT: Sind Sie beteiligt an dieser Klage?

Weber: Ich bin nicht Klägerin. Aber es war meine Idee. Ich habe die Anwälte von der Sache überzeugt, und es geht um die Klärung der von mir recherchierten Ereignisse.

ZEIT: Der Daimler-Konzern streitet jede Verantwortung ab, die Vorwürfe, heißt es aus Stuttgart, seien völlig unhaltbar.

Weber: Seit Jahren tut die Daimler AG alles, um nicht zur Rechenschaft gezogen zu werden. Sie dementiert, sitzt aus, klärt nur halbherzig auf.

ZEIT: Auch da widerspricht die Firmenzentrale. Man habe alles offengelegt. Und Sie hätten freien Zugang zu allen Unterlagen gehabt…

Weber: Ich habe im Firmenarchiv lediglich Einsicht in Unterlagen zu einer Affäre im Jahr 1955 erhalten. Damals ging es um den Vorwurf der Geldwäsche – von Nazigeld. Die Unterlagen aus den Jahren 1975 bis 78 wurden mir mit dem Argument vorenthalten, dass ein Verfahren anhängig sei.

ZEIT: 2003 setzte Daimler auf Druck kritischer Aktionäre eine Untersuchungskommission ein. Man verpflichtete dafür den angesehenen Völkerrechtler Christian Tomuschat.

Weber: Ihn ließ der Konzern als Einzigen in die Unterlagen der argentinischen Niederlassung blicken. Nicht einmal das Gericht in Buenos Aires, das diese Akten auf Antrag der Opfer angefordert hatte, erhielt sie. In seinem Bericht sammelte Tomuschat dann vor allem Entlastendes. So verglich er die verschiedenen Aussagen Héctor Rattos – die vor Gericht und die in Interviews. Dabei stellte er fest, dass Ratto im Lauf der Jahre die Ereignisse mit verschiedenen Worten dargestellt hat. Daraufhin erklärte er Ratto für unglaubwürdig. Tasselkraut hingegen war für ihn glaubwürdig.

ZEIT: Liest man den Bericht aufmerksam, ist er aber kein bloßes Entlastungszeugnis.

Weber: In der Tat. Tomuschat erwähnt, dass die Firma Mitarbeiter beim militärischen Geheimdienst als »Agitatoren« denunziert hat, bewertete dies jedoch nicht als Mordauftrag und fragte auch nicht, ob sich Mercedes nicht mindestens unterlassener Hilfeleistung schuldig gemacht hat.

ZEIT: Das Hauptargument Tomuschats lautet, von den 17 betroffenen Mitarbeitern seien nur zwei Gewerkschafter gewesen und drei zum Zeitpunkt ihrer Verschleppung nicht mehr bei Mercedes angestellt gewesen. Der Vorwurf, der Konzern habe die Diktatur genutzt, um sich unbequemer Betriebsaktivisten zu entledigen, laufe ins Leere.

Weber: Es waren allesamt gewerkschaftliche Aktivisten, auch die, die schon nicht mehr dort beschäftigt waren. Sie alle diskutierten weiterhin mit ihren Kollegen die Situation im Werk. Das haben mir die Hinterbliebenen ausdrücklich bestätigt. Im Übrigen haben die Militärs, auch in den Prozessen, die derzeit in Buenos Aires stattfinden, zugegeben, dass sie Hand in Hand mit den Personalabteilungen gearbeitet haben, um, wie es hieß, die »Industrie-Guerilla« auszumerzen. Man darf nicht vergessen: Die Opfer der Militärdiktatur waren überwiegend Arbeiter. Die Junta wollte die argentinische Arbeiterbewegung systematisch zerschlagen – und das war zahlreichen Unternehmen willkommen. Im Falle Mercedes-Benz erhielten die Hinterbliebenen auch sofort finanzielle Unterstützung. Die Löhne wurden bis zu zehn Jahre lang weitergezahlt. Eine Geste der Großzügigkeit? Wie eng die Firma mit dem Regime kooperierte, zeigt sich doch nicht zuletzt daran, dass sie Ruben Lavallén als Sicherheitschef einstellte. Lavallén war in Buenos Aires ein stadtbekannter Folterer.

ZEIT: Was, wenn der Supreme Court negativ entscheidet? Werden Sie die Sache weiterverfolgen?

Weber: Darüber möchte ich nicht spekulieren. Noch besteht Hoffnung. Hoffnung nicht nur für die Überlebenden und Hinterbliebenen. Wie Terrence Collingsworth, der Opferanwalt aus Washington, sagt, könnte die Entscheidung des Supreme Court grundsätzliche Bedeutung haben: Kommt es zum Prozess, so wird dies Geschädigten in aller Welt, die an der politischen und wirtschaftlichen Macht der Konzerne scheitern, einen Rechtsweg öffnen.

http://www.zeit.de/2013/03/Argentinien-Daimler-Militaerjunta-Gerichtsverfahren/seite-2

Diktaturopfer in Argentinien: Geburtstag auf dem Foltertisch

Von Markus Deggerich

Die deutsche Justiz will Mord und Folter in Argentinien sühnen: Auf Betreiben Nürnberger Staatsanwälte hat die argentinische Justiz Haftbefehle gegen Ex-Diktator Jorge Videla und zwei ehemalige Militärs erlassen. Der Vorwurf: Beteiligung an der Ermordung von Deutschen, die sich unter den 30.000 Opfern der Diktatur befinden.

Elisabeth Käsemann: Ermordet in Argentinien

DPA

Elisabeth Käsemann: Ermordet in Argentinien

Berlin/Buenos Aires – Elisabeth Käsemann erlebte ihren 30. Geburtstag auf dem „Grill“. So nannten die Folterer die Metalltische, auf die sie ihre Opfer spannten, um sie mit Elektroschocks zu behandeln. Am 9. März 1977 verschwand die deutsche Studentin in Buenos Aires, ihren Geburtstag am 11. Mai verbrachte sie in dem geheimen Haftzentrum des argentinischen Militärregimes „El Vesubio“.

Zwei Wochen später, in der Nacht zum 24. Mai, wurde sie mit 15 anderen Gefangenen gefesselt und abtransportiert. Zwei Tage darauf meldeten argentinische Zeitungen, dass bei einem Feuergefecht 16 „Subversive“ getötet worden seien, darunter Elisabeth Käsemann. Der deutsche Obduktionsbericht listet vier Schüsse von hinten ins Genick und Herz auf. Der Leichnam hatte weder Haare noch Augen. Die Bluttat ist bis heute ungesühnt.

Doch die Vergangenheit ruht nicht, Druck kommt besonders aus Deutschland. Die Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth hatte Anfang Dezember internationale Haftbefehle gegen Ex-Diktator Jorge Videla, den früheren Oberbefehlshaber der argentinischen Marine, Emilio Massera, und den Chef des 1. Heereskorps der Zone 1, Carlos Guillermo Suarez Mason, erlassen.

Nun hat die argentinische Justiz nachgezogen und auf Betreiben Deutschlands Haftbefehle gegen die drei Militärs ausgestellt, denen sie eine Beteiligung an der Ermordung von Käsemann sowie des Münchner Studenten Manfred Zieschank vorwirft.

Gegen alle drei hat die argentinische Justiz bereits wegen anderer Strafverfahren Untersuchungshaft angeordnet, die wegen des hohen Alters der Betroffenen jedoch in Hausarrest abgeschwächt wurde. Videla und Mason lehnten nach Informationen von SPIEGEL ONLINE eine freiwillige Überstellung nach Deutschland ab. Massera liegt nach Angaben seiner Anwälte vernehmungsunfähig im Krankenhaus.

30.000 Menschen verschwunden

30.000 Menschen verschwanden in den sieben Jahren der argentinischen Militärdiktatur: Am 24. März 1976 stürzten die Machthaber von Luftwaffe, Marine und Heer die Regierung und installierten ein totalitäres Regime zur „nationalen Reorganisation“, wie sie es euphemistisch nannten. „Guerra sucia“, „Schmutziger Krieg“ nennen die Argentinier dieses Kapitel ihrer Geschichte, deren Wunden bis heute nicht verheilt sind.

In Frankreich wurde bereits einer der grausamsten argentinischen Folterer, der „Todesengel“ genannte Kapitän Alfredo Astiz, in Abwesenheit zu lebenslanger Haft verurteilt. Doch eine Auslieferung musste Astiz, der in Buenos Aires lebt, so wenig fürchten wie die drei von den Deutschland beschuldigten. Die Präsidenten Alfonsin und Menem hatten in den 80-er Jahren Amnestiegesetze durchgesetzt, die vor Verfolgung durch argentinische und ausländische Behörden schützten. Die einzige Straftat aus der Diktaturzeit, die im Pampa-Land noch juristisch verfolgt wurde, war die Entführung und „Zwangsadoption“ von Kindern. Noch immer versuchen Mütter ihre Kinder wiederzufinden, die ihnen während ihrer Gefangenschaft weggenommen und dann von systemtreuen Familien aufgezogen wurden.

Seit 28 Jahren Demonstrationen

Wo sind sie? Die Angehörigen der Verschwundenen haben nicht einmal einen Ort zum Trauern

Markus Deggerich

Wo sind sie? Die Angehörigen der Verschwundenen haben nicht einmal einen Ort zum Trauern

Doch auch in Argentinien ruht die Geschichte nicht. Seit 28 Jahren versammeln sich auf dem Platz vor dem Regierungssitz jede Woche die „Madres de la Plaza de Mayo“, die Mütter, die still demonstrierend Auskunft verlangen über das Schicksal der „Desaparecidos“, ihrer verschwundenen Kinder. Sie halten die Fotos hoch und fragen: „Wo sind sie?“

Es ist nicht die Hoffnung, ihre Liebsten wiederzusehen – nach dem Ende der Diktatur hatte das Militär lapidar erklärt, dass es „keine lebenden Verschwundenen“ gebe, sondern nur „während der Auseinandersetzung Umgekommene“ – es ist die Hoffnung auf Gerichtsverfahren gegen die Verantwortlichen, ein Stück Gerechtigkeit und Auskunft darüber, wann wer wo und wie ermordet wurde. Die Mütter wollen einfach nur wissen, wo die Leichen ihrer Kinder verscharrt wurden. Denn für viele gibt es nicht mal ein Grab, einen Ort der Trauer. Ein argentinischer Offizier berichtete Jahre nach dem Ende des Regimes, dass viele Opfer lebend über dem Ozean aus Flugzeugen geworfen worden seien.

Das von der schwersten Wirtschaftskrise seiner Geschichte gebeutelte Land „verbrauchte“ in den vergangenen drei Jahren fünf Präsidenten. Doch der seit knapp einem Jahr amtierende Peronist Nestor Kirchner hat das schwierige Thema für sich entdeckt und macht den Angehörigen der Opfer neue Hoffnung auf Gerechtigkeit. Er stellt die Amnestiegesetze in Frage, versucht im korrupten Justizwesen unabhängige Richter zu installieren und erklärte kurzerhand alle Argentinier zu „Kinder der Mütter vom Plaza de Mayo“.

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Weiß bis heute nicht, was ihre Folterer von ihr wollten: Bettina Ehrenhaus

Markus Deggerich

Weiß bis heute nicht, was ihre Folterer von ihr wollten: Bettina Ehrenhaus

Bettina Ehrenhaus vertritt in Buenos Aires die Interessen der Angehörigen von vermissten Deutschen. Sie arbeitet zusammen mit den „Madres de Plaza de Mayo“, die in den vielen Jahren ihres Kampfes ein umfangreiches Archiv des Terrors zusammengetragen haben. Sie ist selbst Opfer der Militärs. 1979 wurde die damals 21-Jährige zusammen mit ihrem Freund Pablo entführt und in das berüchtigste und bekannteste aller Folterzentren, die „Escuela de Mecánica de la Armada“, verschleppt.

Mit einer Picana, einem Elektroschocker, mit dem sonst das Vieh vorm Schlachten betäubt wird, wurde sie zwei Tage lang mit verbundenen Augen an Brust, Bauch, Beinen und Mund gefoltert, bis sie in Ohnmacht fiel. Bis heute weiß sie nicht, was die Folterer mit der Aufforderung „zu singen“ von ihr erfahren wollten. Doch wie bei Elisabeth Käsemann, die in den Armenvierteln der Stadt gearbeitet hatte, galt „soziales Engagement“ bereits als links – und somit verdächtig. Ihren Freund Pablo hat sie nie wiedergesehen. Die letzte Erinnerung an ihn sind seine Schreie aus dem Nebenraum im Folterkeller.

Aktivisten wie Ehrenhaus hoffen, dass durch Kirchner und auch den Druck, der durch die deutsche Justiz und internationale Aufmerksamkeit entsteht, wieder Bewegung in die Aufarbeitung der Geschichte kommt. Eine Auslieferung, die bisher noch nicht beantragt wurde, wäre aber vermutlich nicht möglich, da die nationalen Strafverfahren in Buenos Aires vorgehen. Argentinien hat es selbst in der Hand.

http://www.spiegel.de/politik/ausland/diktaturopfer-in-argentinien-geburtstag-auf-dem-foltertisch-a-283782.html

New pope’s role during Argentina’s military era disputed Accusers draw ties between Catholic church and 70s junta, saying Jorge Bergoglio failed to shield two priests. The (most catholic) Generals in Argentina-Army tortured and killed more then 30.000 people, mainly those who were engaged for social human rights!

New pope’s role during Argentina’s military era disputed

Accusers draw ties between Catholic church and 70s junta, saying Jorge Bergoglio failed to shield two priests

JorgeBergoglio

A young Jorge Mario Bergoglio pictured in Buenos Aires. Photograph: Argenpress/Rex Features

Pope Francis is known in his native Argentina as a man of austere habits, long pregnant pauses in conversation and a reticence about discussing himself. For supporters, this is proof of his humility, which was further underlined for them in his first address as pope to the masses in St Peter’s Square, where he eschewed the usual jewelled crucifix in favour of a simple wooden cross.

For critics, however – and there are many in his home country – it may have more to do with allegations that he and the Roman Catholic church were guilty of the sin of omission – and perhaps worse – during the brutal military dictatorship from 1976 to 1983.

Those dark years cast the longest shadow over the elevation of Jorge Bergoglio, the former archbishop of Buenos Aires, as the new Vicar of Christ, and continues to divide a nation.

While Argentina rang with celebratory church bells at the news of the first Latin American pope, some were seized by doubt and confusion. “I can’t believe it, I don’t know what to do, I’m in so much anguish and so enraged,” wrote Graciela Yorio in an email published in the Argentine press on Thursday morning.

In 1976, her brother, Orlando Yorio, along with another Jesuit priest, Francisco Jalics, were seized by navy troops in the slums of Buenos Aires and held and tortured for five months at the ESMA camp, a navy base in the capital where 5,000 people were murdered by the military junta.

The two priests served under Bergoglio, who is accused in some quarters of abandoning them to the military after they became involved in leftist social movements.

His chief accuser is journalist Horacio Verbitsky, whose book El Silencio paints a disquieting picture of Bergoglio’s relationship with the priests who sought his protection when they felt their lives were in danger from the military because of their social work in the slums.

Verbitsky believes the then chief of the Jesuits in Argentina played a double game, aiding Yorio and Jalics while expressing concern about their activities to military officers.

But Verbitsky’s views are seen as overly simplistic by other observers of that era. “Verbitsky is not wrong, but he doesn’t understand the complexity of Bergoglio’s position back then when things were so dangerous,” said Robert Cox, a British journalist and former editor of the Buenos Aires Herald, the only newspaper in Argentina that reported the murders as they happened. “He can’t see how difficult it was to operate under those circumstances.”

But Cox, who moved to North Carolina after death threats against his family in 1979, suggests Bergoglio could have done more. “I don’t think he gave them in,” he said. “But Bergoglio didn’t protect them, he didn’t speak out.”

Adolfo Perez Esquivel, who won the 1980 Nobel peace prize for documenting the junta’s atrocities, takes a similar view. “Perhaps he didn’t have the courage of other priests, but he never collaborated with the dictatorship,” he told the Associated Press. “Bergoglio was no accomplice of the dictatorship. He can’t be accused of that.” The vast majority of Argentinians view the dictatorship era as appalling.

Others suggest that Bergoglio was actually a hero. Francesca Ambrogetti, co-author of The Jesuit – a flattering biography of the new pope – says Bergoglio told her he met the dictator Jose Rafael Videla and Eduardo Massera, the head of the navy which was in charge of some concentration camps, to try and intercede on behalf of the priests.

She said he took great risks to save others. “I believe he did all he could at that time,” she said. “It’s a complex issue that is very difficult to explain after so many years.”

In a 2005 interview Bergoglio himself said he moved fast to save their lives. “That same night when I heard of the kidnappings I started to move. In one of my attempts to meet Videla I found out who the military chaplain was who gave mass to Videla and convinced that priest to call in sick and I managed to be named to replace him.”

Bergoglio said that after the mass he managed to speak to Videla about the case, which would not have been an easy task at the time, given the climate of fear that reigned over these issues in Argentina then.

That era continues to polarise Argentina, where the current left-leaning government has reopened several prominent cases in the past decade. Details are murky. Few from that era can escape with entirely clear consciences. Many turned a blind eye and kept silent. Accusations of this sin of omission have been levelled at Bergoglio.

Myriam Bregman, an Argentine lawyer in the continuing trials of crimes at the ESMA death camp, says Bergoglio’s appointment to the papacy left her confused. “It gave me a feeling of amazement and impotence,” said Bregman, who took Bergoglio’s declaration regarding Jalics and Yorio in 2010.

“Bergoglio refused to come [and] testify in court,” she recalled, making use of Argentine legislation that permits ministers of the church to choose where to declare.

“He finally accepted to see us in an office alongside Buenos Aires cathedral sitting underneath a tapestry of the Virgin Mary. It was an intimidating experience, we were very uncomfortable intruding in a religious building.”

Bregman says that Bergoglio did not provide any significant information on the two priests. “He seemed reticent, I left with a bitter taste,” she said.

Estela de la Cuadra’s mother co-founded the Grandmothers of the Plaza de Mayo activist group during the dictatorship to search for missing family members. She was at first astonished, then appalled when a friend texted the news that Bergoglio had been chosen as the new pope.

“It is unthinkable, horrifying given what I know about his history,” she said, recalling the disappearance of her sister.

The last time they saw each other was in January 1977 when they were members of leftwing groups formed among the students at La Plata University, then one of the most radical in Argentina.

Her sister, Elena, was three months pregnant and in hiding in Buenos Aires from military snatch squads that had already seized her husband. She “disappeared” a month later and was later seen by survivors in a concentration camp run by the navy.

Desperate, the family used a connection with the global head of the Jesuit order – the “black pope”, Pedro Arrupe – to lobby for her release. He put them on to Bergoglio, who provided a letter of introduction to a bishop with connections to the military dictator.

The only answer that came back, said Estela, was that her sister’s baby was now “in the hands of a good family. It was irreversible.” Neither mother nor child were heard from again.

For Estela, Bergoglio did the bare minimum he had to do to keep in line with the black pope. She says the story underlines the close connections between the Catholic church and the military junta, as well as what she sees as lies and hypocrisy of a new pope who once claimed to have no knowledge of the adoptions of babies being born in concentration camps and then adopted by families close to the regime.

“I’ve testified in court that Bergoglio knew everything, that he wasn’t – despite what he says – uninvolved,” said Estela, who believes the church worked with the military to gather intelligence on the families of the missing.

She is also furious that Bergoglio refused to defrock another priest, Christian von Wernich, who was jailed for life in 2007 for seven killings, 42 abductions and 34 cases of torture, in which he told victims: “God wants to know where your friends are.”

She is now requesting classified documents from the episcopal and Vatican archives, which would shed more light on the issues.

That is unlikely to be approved in Rome, though it would – until Wednesday at least – have probably gone down well in the government of Cristina Fernández de Kirchner.

The Argentine president is a staunch advocate of taking to court not only military officers responsible for the killing of thousands of young activists, but also civilians who may have played a role back then.

Fernández has an icy relationship with Bergoglio – who is seen as a conservative – and has studiously avoided him over the last years, moving out of the city every 25 May when Bergoglio gave his annual mass at Buenos Aires Cathedral.

As he has shown by rising through the ranks of the church Bergoglio is an extremely astute politician, who uses the sparseness of words and space to press home his considerable influence on government and legislature.

“He is a participant in Argentine politics, but in his own way – very low profile. More politicians pass through his office than either the opposition or the government would care to admit,” said Washington Uranga, social science professor at the University of Buenos Aires.

“People go in search of coverage, to ask him to use his influence. In other cases, he calls on them to come, but it is always in his territory. It’s always in his office.”

When Bergoglio does occasionally speak out in public, it tends to be with allusions rather than direct references to Argentina’s darkest era. When trials reopened in 2006, he suggested it was not a good idea to churn up the problems of the past, although this was seen as a comment on the rise in the number of trials.

“We are happy to reject anger and endless conflict, because we don’t believe in chaos and disorder … Wretched are those who are vindictive and spiteful,” he said in a public sermon.

Additional reporting by Sebastián Lacunza

http://www.guardian.co.uk/world/2013/mar/15/pope-francis-argentina-military-era

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