Startseite » Demokratisierungsmarsch » Machtkämpfe im Vatikan könnten Papst Benedikt XVI. zum Rücktritt bewogen haben: „Repubblica“: Konflikte in der Kurie rund um Staatssekretär Bertone – Reformer werfen Benedikt Annäherung an ultrarechte Kreise vor – Dem Papst selbst seien die Spekulationen zu bunt geworden. Auch Verbitterung wegen der sogenannten Vatileaks-Affäre hätten ihn zum Rücktritt bewogen. Hinter dem Ex-Kammerdiener, Paolo Gabriele, der wegen schweren Diebstahls zu 18 Monaten Haft verurteilt worden war, stünde eine Gruppe von vatikanischen Dissidenten, die den Machtkampf in der Kurie an die Öffentlichkeit bringen wollten.“In der Vergangenheit wurden die Machtkämpfe in den Gängen der Vatikan-Paläste ausgetragen, jetzt geraten sie an die Öffentlichkeit. Das ist ein Zeichen der zunehmenden Säkularisierung und ein Signal, dass der interne Machtkampf ein bisher unvorstellbares Niveau erreicht hat“, so der Journalist.

Machtkämpfe im Vatikan könnten Papst Benedikt XVI. zum Rücktritt bewogen haben: „Repubblica“: Konflikte in der Kurie rund um Staatssekretär Bertone – Reformer werfen Benedikt Annäherung an ultrarechte Kreise vor – Dem Papst selbst seien die Spekulationen zu bunt geworden. Auch Verbitterung wegen der sogenannten Vatileaks-Affäre hätten ihn zum Rücktritt bewogen. Hinter dem Ex-Kammerdiener, Paolo Gabriele, der wegen schweren Diebstahls zu 18 Monaten Haft verurteilt worden war, stünde eine Gruppe von vatikanischen Dissidenten, die den Machtkampf in der Kurie an die Öffentlichkeit bringen wollten.“In der Vergangenheit wurden die Machtkämpfe in den Gängen der Vatikan-Paläste ausgetragen, jetzt geraten sie an die Öffentlichkeit. Das ist ein Zeichen der zunehmenden Säkularisierung und ein Signal, dass der interne Machtkampf ein bisher unvorstellbares Niveau erreicht hat“, so der Journalist.

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Machtkämpfe im Vatikan könnten Papst Benedikt XVI. zum Rücktritt bewogen haben

12. Februar 2013, 13:00
  • Der Petersdom in der Vatikanstadt wurde prompt von einem Blitz getroffen.
    foto: reuters/ansa/ alessandro di meo

    Der Petersdom in der Vatikanstadt wurde prompt von einem Blitz getroffen.

  • Aktivistinnen der ukrainischen Frauenrechtsgruppe Femen feiern in der Pariser Kathedrale Notre Dame die Demission des Papstes.
    foto: reuters/charles platiau

    Aktivistinnen der ukrainischen Frauenrechtsgruppe Femen feiern in der Pariser Kathedrale Notre Dame die Demission des Papstes.

„Repubblica“: Konflikte in der Kurie rund um Staatssekretär Bertone – Reformer werfen Benedikt Annäherung an ultrarechte Kreise vor

Vatikanstadt – Nach der Rücktrittsankündigung von Papst Benedikt XVI. wird in Rom heftig über die Hintergründe des überraschenden Entschlusses spekuliert. Der Rückzug des 85-jährigen Josef Ratzinger sei nicht nur altersbedingt, sondern den Machtintrigen in der Kurie zuzuschreiben, berichten Vatikan-Insider. Diese Konflikte seien für den Papst vor allem nach dem aufsehenerregenden Vatileaks-Skandal unerträglich geworden.

Von einem Machtkampf im Vatikan wird in Rom offen gesprochen. Spekuliert wird, dass Benedikt das Handtuch geworfen hat, um dem internen Krieg in der Kurie ein Ende zu setzen. Dabei gehe es um eine Auseinandersetzung zwischen dem Vatikan-Staatssekretär Tarcisio Bertone und seinen Widersachern, die seine Ablösung erwirken wollen. Der Papst hatte vor einigen Monaten das Pensionierungsgesuch des 78-Jährigen abgelehnt und sich so hinter ihn gestellt.

Bertone steht im Vatikan schon länger in der Kritik, etwa im Zusammenhang mit dem Missbrauchskandal und dem für die Kirche desaströsen Umgang mit der erzkonservativen Piusbruderschaft. Vor allem Anhänger von Benedikts Vorgänger Johannes Paul II. wie Kardinal Rino Fisichella und Johannes Pauls ehemaliger Privatsekretär Stanislaw Dziwicsz würden einen Krieg gegen Bertone führen, berichtete die Tageszeitung „La Repubblica“ am Dienstag.

Kritik wegen Annäherung an Piusbrüder

Der Papst wurde auch von anderer Seite bedrängt. Reformorientierte Kräfte kritisierten die Annäherung an die Piusbrüder. Einige Beobachter sehen in der Annäherung Ratzingers an die Gruppe den größten Fehler seiner Amtszeit. Unter anderem hatte der Vatikan die Exkommunikation mehrerer Pius-Bischöfe aufgehoben. Darunter war auch der Holocaust-Leugner Richard Williamson, den die Piusbrüder zwischenzeitlich ausgeschlossen haben.

Benedikt, ein Mann der Bücher, kümmere sich zu wenig ums Regieren, wurde zuletzt immer wieder moniert, und als Monarch im Vatikan habe er nicht für Transparenz in seinem Staat gesorgt. So im Fall der Vatikanbank IOR und ihres im Mai gefeuerten Chefs Ettore Gotti Tedeschi: Mehrfach gab es Kritik wegen intransparenten Finanzgebarens und Geldwäscheverdachts, Tedeschi sollte aufräumen.

Verbitterung wegen Vatileaks-Affäre

Dem Papst selbst seien die Spekulationen zu bunt geworden. Auch Verbitterung wegen der sogenannten Vatileaks-Affäre hätten ihn zum Rücktritt bewogen. Hinter dem Ex-Kammerdiener, Paolo Gabriele, der wegen schweren Diebstahls zu 18 Monaten Haft verurteilt worden war, stünde eine Gruppe von vatikanischen Dissidenten, die den Machtkampf in der Kurie an die Öffentlichkeit bringen wollten. Davon ist der Journalist Marco Politi, seit vier Jahrzehnten Vatikan-Berichterstatter und „König“ der „Vaticanisti“, der am Heiligen Stuhl ständig akkreditierten Journalisten, fest überzeugt.

„In der Vergangenheit wurden die Machtkämpfe in den Gängen der Vatikan-Paläste ausgetragen, jetzt geraten sie an die Öffentlichkeit. Das ist ein Zeichen der zunehmenden Säkularisierung und ein Signal, dass der interne Machtkampf ein bisher unvorstellbares Niveau erreicht hat“, so der Journalist.

Die Machtkämpfe im Vatikan richten sich laut Politi gegen Bertone, der von der Kurie stets als Außenseiter betrachtet worden sei, weil er nicht aus der vatikanischen Diplomatie stammte und mit dem administrativen System der Kurie nicht vertraut war. Der Druck habe zuletzt zugenommen, damit Bertone aus Altersgründen zurücktrete. (APA, 12.2.2013)

http://derstandard.at/1360161506204/Streit-im-Vatikan-koennten-Papst-zum-Ruecktritt-bewogen-haben


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