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Ohne Landgrabbing könnte eine Milliarde Menschen mehr satt werden. Agrarland mit einer Fläche fast sechs Mal so groß wie Deutschland wurde im letzten Jahrzehnt überwiegend an internationale Investoren verkauft oder verpachtet. Oftmals werden ländliche Bevölkerungsgruppen, die das Land bisher bearbeiteten und davon lebten, vertrieben. Das zeigt der Oxfam-Bericht „Our Land, Our Lives“ („Unser Land, unser Leben“). Investoren kaufen oder pachten gezielt Land in Staaten mit schlechter Regierungsführung, weil dort niedrige rechtsstaatliche Standards bestehen und besonders hohe Gewinne winken. Oxfam fordert die Regierungen, die Weltbankgruppe und die Investoren auf, ihre Regeln bzw. Standards zu verschärfen und Landgrabbing zu beenden. Bei den Landgeschäften müssten dringend Transparenz hergestellt und allen Betroffenen die entsprechenden Informationen zugänglich gemacht werden

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Schwache Regierungen fördern Landgrabbing PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Redaktion
Freitag, den 08. Februar 2013 um 00:00 Uhr
oxfamBerlin. – Investoren kaufen oder pachten gezielt Land in Staaten mit schlechter Regierungsführung, weil dort niedrige rechtsstaatliche Standards bestehen und besonders hohe Gewinne winken. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung von Oxfam. Drei Viertel von 56 Ländern, in denen im Zeitraum von 2000 bis 2011 Landgeschäfte getätigt wurden, schnitten in puncto Regierungsführung besonders schlecht ab, heißt es in der Studie von Oxfam.

„Dort, wo Menschen nicht die Möglichkeit haben, ihre Rechte einzufordern, können Investoren schnell und billig Land pachten oder kaufen“, erklärte Oxfams Agrarexpertin Marita Wiggerthale. „Arme Menschen verlieren dabei oft ihr Land, ohne eine angemessene Entschädigung zu erhalten.“

Für die Untersuchung wurden die Datensätze der „Land Matrix“ der International Land Coalition – einer Datenbank mit Landgeschäften größer als 200 Hektar – und die Weltbankindikatoren, die gute Regierungsführung messen, miteinander in Beziehung gesetzt. Zu diesen Indikatoren zählen Mitspracherecht und Rechenschaftspflicht sowie Rechtsstaatlichkeit, staatliche Regulierung und Korruptionskontrolle.

Die Analyse ergab Oxfam zufolge, dass Länder, in denen große Landgeschäfte getätigt werden, bei diesen Indikatoren um durchschnittlich 30 Prozent schlechter abschneiden als jene ohne solche Landgeschäfte. Sierra Leone beispielsweise rangiere weltweit im unteren Viertel bei dem Indikator Rechtsstaatlichkeit und in der unteren Hälfte bei den Indikatoren Mitspracherecht, Rechenschaftspflicht, staatliche Regulierung und Korruptionskontrolle. In den letzten Jahren sei in dem westafrikanischen Staat ein Drittel (32 Prozent) der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche verkauft worden.

Oxfam fordert die Regierungen, die Weltbankgruppe und die Investoren auf, ihre Regeln bzw. Standards zu verschärfen und Landgrabbing zu beenden. Bei den Landgeschäften müssten dringend Transparenz hergestellt und allen Betroffenen die entsprechenden Informationen zugänglich gemacht werden. Außerdem sei eine vorherige Konsultation der Betroffenen zwingend erforderlich.

„Die Land- und Wasserrechte von armen Menschen müssen gestärkt werden, so wie es in den freiwilligen Leitlinien zur Landnutzung des UN-Welternährungsausschusses festgelegt ist“, forderte Wiggerthale. Nur so könne sichergestellt werden, dass großflächige Investitionen und Landgeschäfte die Ernährungssicherheit eines Landes nicht untergraben und das Recht auf Nahrung von armen Menschen nicht verletzen.

www.oxfam.de

Ohne Landgrabbing könnte eine Milliarde Menschen mehr satt werden

Der weltweite Ausverkauf von Land führt zu Hunger, Gewalt und zu einem Leben in Armut.Marita Wiggerthale
Oxfams Agrarexpertin

Agrarland mit einer Fläche fast sechs Mal so groß wie Deutschland wurde im letzten Jahrzehnt überwiegend an internationale Investoren verkauft oder verpachtet. Oftmals werden ländliche Bevölkerungsgruppen, die das Land bisher bearbeiteten und davon lebten, vertrieben. Das zeigt der Oxfam-Bericht „Our Land, Our Lives“ („Unser Land, unser Leben“).

Demnach wurden mehr als 60 Prozent dieser Landgeschäfte in Ländern getätigt, die ohnehin bereits schwer von Hunger betroffen sind. Das verkaufte oder verpachtete Land geht in der Regel der einheimischen Nahrungsmittelproduktion verloren. Es würde ausreichen, um in der lokalen Produktion eine Milliarde Menschen mit Nahrungsmitteln zu versorgen. „Immer mehr Menschen werden vertrieben, oft mit Gewalt, ohne vorherige Konsultation oder Entschädigung“, sagt Oxfams Agrarexpertin Marita Wiggerthale.

Weltbank-Projekte auf Eis legen

Wir fordern die Weltbank auf, großflächige Land-Akquisitionen für sechs Monate ruhen zu lassen. Die Weltbankgruppe spielt in Landfragen eine bedeutende Rolle, da sie großflächig in Land investiert, die Landvergabe-Politik armer Länder beeinflusst und geringe Standards für die internationale Gemeinschaft setzt.

Die Weltbank ist in der einzigartigen Lage, zu verhindern, dass Landgrabbing einer der größten Skandale des 21. Jahrhunderts wird. Mit der Überprüfung ihrer Politik kann die Weltbank ein Zeichen für alle Investoren und Regierungen setzen und helfen, Menschenrechtsverletzungen zu stoppen.

„Die Weltbank muss dafür sorgen, dass die Landrechte armer Menschen gestärkt und die Ernährungssicherung nicht bedroht werden. Investitionen sollten Entwicklung fördern, nicht armen Menschen schaden“, sagt Wiggerthale.

Jetzt unterzeichnen:

Appell an Weltbank-Präsident Jim Yong Kim (englisch)

Mehr lesen:

Oxfam-Bericht: Our Land, Our Lives: Time out on the global land rush (englisch)

26 | April | 2012

Neue Datenbank: Landgrabbing trifft ärmste Staaten Afrikas am härtesten

Weltkarte auf der Land Matrix
Screenshot der Land Matrix

Wie die heute auf der Land-Konferenz der Weltbank in Washington vorgestellte „Land Matrix“ zeigt, sind ausgerechnet sieben der ärmsten afrikanischen Länder am stärksten von Landgrabbing betroffen. Die „Land Matrix“ ist die erste systematische Erfassung von mehr als 1.217 internationalen Landtransaktionen über 200 Hektar der vergangenen zehn Jahre. Oxfam hat die Erstellung der „Land Matrix“ unterstützt, die ein Projekt der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) und internationaler Forschungseinrichtungen ist.

Besuchen Sie die Website mit der Matrix

Die Erträge dieser Flächen werden nicht einmal zu einem Prozent auf den lokalen Märkten verkauft.Frank Braßel, Oxfam

Besonders viele und große Landtransaktionen dokumentiert die Matrix für die Länder Äthiopien, Sudan, Mozambik, Tansania, Madagaskar, Sambia und die Demokratische Republik Kongo. „Genau das sind Länder teils mit ernsten Hungerproblemen. Viele der Landübernahmen betreffen Flächen, auf denen Nahrungsmittel für die örtliche Bevölkerung angebaut wurden“, kritisiert Frank Braßel, stellvertretender Kampagnenleiter von Oxfam Deutschland. Die Erträge sind überwiegend für den Export bestimmt.

Laut Matrix haben sich seit dem Jahr 2000 internationale Investoren mindestens 83 Millionen Hektar angeeignet – meist ohne ernsthafte Konsultation mit den bisherigen Siedlern und Siedlerinnen. Am meisten Land kauften oder pachteten Firmen aus China, Saudi-Arabien, Europa und den USA. In Afrika sind fast fünf Prozent der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche von Landgrabbing betroffen. Unter Landgrabbing versteht Oxfam die Investition in Pacht oder Kauf von Land, bei der Investoren die Rechte und Bedürfnisse ländlicher Bevölkerungsgruppen, die das Land bearbeiteten oder dort lebten, ignorieren.

Lesen Sie den Bericht zur Matrix (engl.)

Zudem zeigt die Matrix, dass die Großplantagen auf den angeeigneten Flächen den Wasserverbrauch in den afrikanischen Ländern stark steigen lassen. „Land und Waser sind zentral für die Ernährung der Menschen. Es ist unfair, die Bedürfnisse reicher und aufstrebender Staaten und internationaler Unternehmen auf dem Rücken der in Armut lebenden Menschen in Afrika auszutragen. Dieser seit der Kolonialzeit größte Landraub muss durch international verbindliche Regeln gestoppt werden“, fordert Frank Braßel.

15 | März | 2012

Einigung auf freiwillige Leitlinien zur Landnutzung

Die Rechte von Kleinbauern und Kleinbäuerinnen werden durch die freiwilligen Lei
Die Rechte von Kleinbauern und Kleinbäuerinnen werden durch die freiwilligen Leitlinien zur Landnutzung gestärkt. © Abbie Trayler-Smith

Die internationalen Verhandlungen der freiwilligen Leitlinien zur Landnutzung wurden letzte Woche erfolgreich abgeschlossen. Sie fordern Regierungen zu einem verantwortlichen Umgang mit Landbesitz, Wäldern und Fischereiressourcen auf. „Der erfolgreiche Abschluss der Verhandlungen ist ein positives Zeichen für die Regelung des drängenden Landnutzungsproblems“, erklärt Oxfams Agrarexpertin Marita Wiggerthale. Vor allem die Rechte von armen und marginalisierten Bevölkerungsgruppen sowie von Frauen werden in den Leitlinien gestärkt. Sie sind immer häufiger von Vertreibungen und Zwangsräumungen von ihrem Land betroffen, wodurch sie ihre Einkommens- und Nahrungsmittelgrundlage verlieren.

Die internationale Staatengemeinschaft darf jetzt aber nicht stehenbleiben. Sobald die Leitlinien vom UN-Welternährungsausschuss Mitte Mai verabschiedet worden sind, müssen sie schnellstmöglich umgesetzt werden. Nur so können Kleinbauern und Kleinbäuerinnen, Nomaden und Indigene besser vor Vertreibungen und Zwangsräumungen geschützt werden und ihre Rechte einfordern. „Die Landfrage ist eine Frage von Leben und Tod. Viele Menschen werden im Kampf um Land bedroht, verfolgt oder getötet.“, so Wiggerthale.

Nach Oxfams Schätzungen wurden seit 2001 etwa 200 Millionen Hektar Land aufgekauft oder gepachtet (Stand: September 2011), der Großteil davon in den letzten zwei Jahren. Zum Vergleich: Die landwirtschaftliche Nutzfläche der Europäischen Union (EU-27) umfasst 178 Millionen Hektar.

Die neuen Leitlinien sind ein wichtiger Fortschritt. Bis zu sozial- und umweltverträglichen Strukturen in den landwirtschaftlichen Regionen der armen Länder ist es aber noch ein weiter Weg. So beklagte Sofia Monsalve von der internationalen Menschenrechtsorganisation FIAN, die maßgeblich die Beteiligung der Zivilgesellschaft an den Verhandlungen über die neuen Leitlinien koordiniert hat, dass die Regierungsvertreter darauf bestanden hätten, „große Investitionen in die industrielle Landwirtschaft als zentral für Entwicklung“ darzustellen. Viele Entwicklungsexperten und Bauernorganisationen sehen demgegenüber in erster Linie Bedarf an Investitionen in die kleinbäuerliche Landwirtschaft, um Hunger und Armut zu überwinden.

Weitere Informationen:

Fragen und Antworten zu Landgrabbing
Hunger auf Land: Überblicksartikel zum Thema Landgrabbing
Bericht: „Land and Power“

http://www.oxfam.de/informieren/landgrabbing#nachricht-3347


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