Startseite » Marsch für die soziale Ausrichtung der Wirtschaft » Die Menschen sagen, dass dieses Land und seine Wirtschaft gewachsen sind, dass ihr Leben aber nicht besser geworden und ihr Glück nicht gewachsen ist.“ (Wen erinnert das nicht auch an Deutschland? Wirtschaftserfolg auf Kosten der eigenen Arbeitskräfte und durch Export von Arbeitslosigkeit durch Übernahme der Märkte in anderen Ländern mit hohen Exportüberschüssen) Dem Erfolg der von wenigen Familiendynastien kontrollierten Großunternehmen steht eine schwache Binnennachfrage und eine hohe Verschuldung der Bevölkerung gegenüber! Im Präsidentenwahlkampf im Dezember spielte die «Demokratisierung der Wirtschaft» deswegen eine zentrale Rolle. Diktatorisch geförderte Familienunternehmen ballen immensen Reichtum und politische Macht! Abschottung der Märkte gegen Importe, Beschränkung des Wettbewerbs, Exportförderung und staatliche Planung brachten den wirtschaftlichen Erfolg der viert-größten asiatischen Volkswirtschaft!

Die Menschen sagen, dass dieses Land und seine Wirtschaft gewachsen sind, dass ihr Leben aber nicht besser geworden und ihr Glück nicht gewachsen ist.“ (Wen erinnert das nicht auch an Deutschland? Wirtschaftserfolg auf Kosten der eigenen Arbeitskräfte und durch Export von Arbeitslosigkeit durch Übernahme der Märkte in anderen Ländern mit hohen Exportüberschüssen) Dem Erfolg der von wenigen Familiendynastien kontrollierten Großunternehmen steht eine schwache Binnennachfrage und eine hohe Verschuldung der Bevölkerung gegenüber! Im Präsidentenwahlkampf im Dezember spielte die «Demokratisierung der Wirtschaft» deswegen eine zentrale Rolle. Diktatorisch geförderte Familienunternehmen ballen immensen Reichtum und politische Macht! Abschottung der Märkte gegen Importe, Beschränkung des Wettbewerbs, Exportförderung und staatliche Planung brachten den wirtschaftlichen Erfolg der viert-größten asiatischen Volkswirtschaft!

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In dem ostasiatischen Land Südkorea mehrt sich der Widerstand gegen Grossunternehmen wie Samsung oder Hyundai.
In dem ostasiatischen Land Südkorea mehrt sich der Widerstand gegen Grossunternehmen wie Samsung oder Hyundai. (Bild: Ahn Young-joon / Keystone)
Südkoreas Wirtschaft ist eine einzige Erfolgsgeschichte. Doch im Land ist die Macht von Konzernen wie Samsung und Hyundai umstritten. Im vergangenen Präsidentenwahlkampf war denn auch die «Demokratisierung der Wirtschaft» ein Schlagwort.
Carsten Germis, Tokio

Die Botschaft, die der Unternehmer Michael Stoschek jüngst bei einem Neujahrstreffen der Industrie- und Handelskammer für Oberfranken seinen staunenden Kollegen verkündet hat, war deutlich: Die deutschen Unternehmer sollten einen genauen Blick auf Südkorea werfen, sagte er. Wirtschaft und Unternehmen des ostasiatischen Landes seien nicht nur die härtesten künftigen Wettbewerber, sondern auch ein Vorbild für die Deutschen. Auffällig sei, dass die südkoreanische Wirtschaft bei ihrer beeindruckenden Wachstumsgeschichte nicht mehr nur auf Billigware setze, «sondern auf höchste Qualität, auf modernste Technologien, aber auch auf Kreativität und Kultur». Innovation auf allen Gebieten, so müsse die Antwort darauf aussehen, meinte Stoschek, der Vorsitzender der Gesellschafterversammlung des deutschen Autozulieferers Brose ist.

Das einstige Armenhaus

Tatsächlich ist die Geschichte des wirtschaftlichen Erfolgs Südkoreas einmalig. Noch in den fünfziger Jahren, nach dem Ende des Koreakriegs, war der agrarische Süden das Armenhaus Ostasiens. Die industriellen Zentren des Landes lagen im Norden. Dieses Bild hat sich umgekehrt. Während die neue Führung des verarmten kommunistischen Nordkorea überlegt, mit einer Öffnung der Wirtschaft den Hunger der darbenden Bevölkerung zu mindern, eilt Südkoreas boomende Wirtschaft von Rekord zu Rekord. Das Land erntet in diesen Jahren die Früchte, die ausgerechnet ein Militärdiktator gesät hat. Mit einem Putsch eroberte General Park Chung Hee 1961 die Macht und regierte das Land bis zu seiner Ermordung 1979 mit brutaler Unterdrückung.

Park setzte früh auf eine Industrie, die über Export wachsen und Wohlstand schaffen würde. Er förderte handverlesene, loyale Familienunternehmen, die bis heute in grossen Industriekonglomeraten die Wirtschaft des Landes beherrschen. In seiner Heimat vor allem von der älteren Generation als Vater des südkoreanischen Wirtschaftswunders gefeiert, ist Diktator Park allerdings alles andere als ein ostasiatischer Ludwig Erhard, der als Wirtschaftsminister nach dem Zweiten Weltkrieg in der am Boden liegenden Bundesrepublik Deutschland dem Wirtschaftswunder den Weg bereitet hatte.

Anti-Ludwig-Erhard

Das Modell, das Südkorea als Vorbild diente, hat mit sozialer Wirtschaft wenig zu tun. Es ist eher das Modell einer Planwirtschaft nach japanischem Vorbild, in der der Staat vorgibt, welche Industrien gefördert werden, und gleichzeitig die heimischen Unternehmen vor unliebsamem Wettbewerb schützt. Diktator Park war somit eher ein Anti-Ludwig-Erhard, der mehr an den Staat als an den Markt glaubte. Ein entscheidender Unterschied besteht deswegen zwischen dem südkoreanische Erfolgsmodell und dem deutschen Weg in der Nachkriegszeit.

Während in Deutschland und der Schweiz mittelständische Unternehmen das Rückgrat des wirtschaftlichen Erfolgs sind und Beschäftigung schaffen, bilden in Südkorea nur einige wenige Grosskonzerne – die bis heute von den Gründerfamilien aus der Park-Ära kontrolliert werden – die Basis des wirtschaftlichen Fortschritts. Die 60 grossen Industriekonglomerate des Landes, auf Koreanisch Chaebol, «reiche Clans», genannt, erwirtschaften 70% des südkoreanischen Bruttoinlandprodukts. Dabei beschäftigen sie lediglich 5% der Erwerbstätigen. Schon diese Zahlen zeigen das Ungleichgewicht, unter dem die Wirtschaft leidet.

Liberalen ein Dorn im Auge

Dabei sind die Chaebol, von denen Samsung und Hyundai wohl die im Westen bekanntesten sind, bis heute die Garanten für den wirtschaftlichen Aufstieg Südkoreas. Als Produkte eines Staatskapitalismus, wie er liberalen Ökonomen ein Greuel sein müsste, haben Politik und ehrgeizige Unternehmer diese Unternehmen zu internationalen Konzernen gemacht, die heute vom Schiffbau bis zu Smartphones die Weltmärkte beherrschen. Und immer wieder wurde bei diesem Höhenflug der Wettbewerb ausgeschaltet.

Als zum Beispiel der Gründer von Samsung, Lee Byoung Chul, sich Ende der sechziger Jahre anschickte, mit einem veralteten Schwarz-Weiss-Fernseher ins Elektrogeschäft einzusteigen, verbot Diktator Park schlicht die Einfuhr von Farbfernsehern und damit jeden Wettbewerb.

Der Erfolg gibt Park, dessen Tochter im Dezember zur neuen Präsidentin Südkoreas gewählt wurde, recht. Die Konzerne, die einst mit Schutzzäunen vor unliebsamer Konkurrenz aus dem Ausland abgeschirmt wurden, sind nun das Rückgrat der südkoreanischen Wirtschaft und Garanten für Innovation und Erfolg. Nur wenige Länder sind so gut durch die internationale Finanzkrise gekommen wie Südkorea.

Gut die Krise gemeistert

Selbst im Krisenjahr 2009 nach dem Lehman-Schock wuchs die südkoreanische Wirtschaft noch um 0,3%. Für 2013 hat das exportabhängige Land die Zahlen Ende vergangenen Jahres wegen der globalen Konjunkturschwäche von 4% auf 3% gesenkt. Die viertgrösste Volkswirtschaft Asiens nach China, Japan und Indien wächst damit immer noch stärker als die meisten anderen vergleichbaren Länder.

Auch das liegt vor allem am Erfolg der Chaebol. Samsung zum Beispiel, das neben dem Aushängeschild Elektrotechnik auch Versicherungen, Chemieprodukte und Infrastruktur anbietet, ist heute eines der erfolgreichsten Unternehmen der Welt. Immer noch von der Gründerfamilie kontrolliert, ist Samsung inzwischen Weltmarktführer bei Smartphones und bei Fernsehern, stark bei Chips – und strebt an, schon bald auch bei «weisser Ware», also Haushaltsgeräten, und in der Medizintechnik weltweit Nummer eins zu werden. Ähnlich sieht es bei den Autobauern Hyundai und Kia aus.

Hyundai ist ein Paradebeispiel für die südkoreanische Erfolgsgeschichte. Während der Heimatmarkt vor ausländischer Konkurrenz abgeschottet wurde, begann das Unternehmen 1974 mit seinem Auto «Pony» über den Preis die Märkte zu erobern. Billigautos standen am Anfang, heute fordert Hyundai die internationalen Markennamen aus Deutschland wie BMW, Volkswagen und Daimler-Benz offen heraus. Der Wettbewerb erfolge nicht mehr über den Preis, sagte der Hyundai-Vorstand für Auslandsmärkte, William Lee, dieser Zeitung. Im Jahr 2000 setzte sich das südkoreanische Unternehmen den japanischen Konkurrenten Toyota als Massstab für Qualität. «Das haben wir erreicht», sagt Lee. Als nächster Schritt solle die Marke jetzt aufpoliert werden. Volkswagen sei jetzt der Orientierungspunkt, sagt Lee. Dass die Rechnung aufgeht, zeigt auch ein Blick auf den deutschen Automarkt 2012. Die südkoreanischen Autobauer Kia – der zu Hyundai gehört – mit einem Plus von 30,3% und Hyundai mit einem Plus von 16,1% sind mit Abstand Gewinner auf dem Markt gewesen, obwohl die Zulassungszahlen insgesamt leicht gesunken sind.

Was sind die Gründe für diesen Erfolg? Noch immer sind Produkte aus Südkorea über den Preis attraktiv, aber – anders als früher – gibt es in der Qualität keine Unterschiede mehr. Die wirtschaftliche Dynamik Südkoreas werde zum grossen Teil durch Innovationen getragen, stellte die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) jüngst fest. Fast 5000 Patente haben Unternehmen aus Südkorea 2011 beim Europäischen Patentamt angemeldet – nur die Zahlen aus den Vereinigten Staaten, aus Japan und aus Deutschland waren grösser. Sieht man sich die Unternehmen an, sind mit Samsung, LG Electronics und Hyundai drei südkoreanische Giganten unter den zwölf patentstärksten Unternehmen.

Auf der Überholspur

Ökonomen haben den Erfolg der südkoreanischen Wirtschaft gerne mit dem «Fluggänsemodell» verglichen. Wie bei den Fluggänsen führt ein Land – in Asien war das Japan – die anderen Gänse an. Die anderen, wie Südkorea, kopieren das Erfolgsmodell und lösen die Leitgans dann ab. Doch eines unterscheidet Südkorea von Japan. Während die japanischen Unternehmen ihren Vorsprung einbüssten und die einst erfolgreichen Vorzeigeunternehmen wie Sharp und Panasonic mittlerweile ums Überleben kämpfen, schauen Südkoreas Wirtschaftsbürokratie und die Chaebol, wie sie ihren Platz an der Weltspitze mit Innovationen verteidigen können.

Aktiver Staat

Samsung hat deswegen im vergangenen Sommer den früheren Vorstandschef des Unternehmens, Choi Gee Sung, zum Chef eines neuen Strategiebüros gemacht. In seiner neuen Position werde Choi seine Anstrengungen darauf konzentrieren, künftige Wachstumsfelder zu fördern, erklärt Samsung. Auch der Staat fördert Startups in Zukunftsindustrien, fest davon überzeugt, dass gute staatliche Planung besser ist als das freie Spiel des Markts. Anders als Japan hat sich Südkorea dafür entschieden, das Land für den Freihandel zu öffnen. Auch das erhöht den Wettbewerbs- und Innovationsdruck auf die grossen exportorientierten Konzerne. Das Land, das sich bis 2003 noch abschottete, hat mittlerweile 8 Freihandelsabkommen mit 45 Ländern.

Doch die Schattenseiten der südkoreanischen Erfolgsgeschichte sind seit einiger Zeit immer sichtbarer geworden. Es gibt keinen industriellen und global wettbewerbsfähigen Mittelstand wie in Deutschland oder der Schweiz. In den Chaebol ballen sich nicht nur gewaltige politische Macht und immenser Reichtum, sie machen auch mehr als vier Fünftel der Wirtschaftsleistung aus. Und sie tun alles, um auf dem Heimatmarkt Wettbewerb zu verhindern. Je mehr die mächtigen Familien sich auch in Branchen wie Backwaren, Mode oder Kosmetik engagieren, desto schwieriger wird die Lage für die kleinen Unternehmen und die oft stark verschuldeten selbständigen Händler.

Schwache Binnennachfrage

Im Präsidentenwahlkampf im Dezember spielte die «Demokratisierung der Wirtschaft» deswegen eine zentrale Rolle. Es ist eine Ironie der Geschichte, dass ausgerechnet die neue Präsidentin Park Geun Hye jetzt die Macht der Unternehmerdynastien beschneiden soll, die ihr Vater geschaffen und zum Rückgrat der südkoreanischen Erfolgsgeschichte gemacht hat. «Die Menschen sagen, dass dieses Land und seine Wirtschaft gewachsen sind, dass ihr Leben aber nicht besser geworden und ihr Glück nicht gewachsen ist», sagte Frau Park nach ihrer Wahl. Tatsächlich stehen dem Erfolg der Chaebol eine schwache Binnennachfrage und eine hohe Verschuldung der Bevölkerung gegenüber. Park wird es kaum wagen, den Einfluss der Konzerne gesetzlich zu beschränken.

Ob es der neuen Präsidentin gelingen wird, die wachsenden sozialen Spannungen in Südkorea einzudämmen und gleichzeitig die wirtschaftliche Dynamik zu erhalten, die von den Chaebol getragen wird, wird letztlich darüber entscheiden, wie weit Südkorea wirklich zum Vorbild taugt.

http://www.nzz.ch/aktuell/wirtschaft/wirtschaftsnachrichten/ein-vorbild-mit-schattenseiten-1.17991206


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