Startseite » Afrika » Shell muss nigerianischen Bauern entschädigen – Es war das erste Mal, dass ein Unternehmen mit Sitz in den Niederlanden dort wegen Vorwürfen gegen eine ausländische Tochterfirma verklagt wurde. Bei den Klägern handelte es sich um Bauern und Fischer. Diese machten Shell dafür verantwortlich, dass sie ihre Lebensgrundlage verloren hätten und ihre Familien nicht mehr ernähren könnten. Auch die Umweltschutzgruppe Friends of the Earth hatte Shell verklagt. Sie sieht in dem Urteil einen Präzedenzfall, weil ein Ölkonzern wegen mangelhaften Schutzes vor Sabotage verurteilt wurde. 30 Jahre bräuchte die Region östlich von Port Harcourt im Nigerdelta, auch Ogoniland genannt, um sich von der jahrelangen Verschmutzung durch die Ölwirtschaft zu erholen. Die vollständige Rekultivierung könnte die „größte und längste Säuberungs- und Aufräumaktion der Welt“ sein, fasst eine 2010 publizierte Studie des UNO-Entwicklungsprogrammes UNDP zusammen. Für die Bevölkerung bedeuten die während der vergangenen 50 Jahre ausgeflossenen knapp zwei Millionen Tonnen Rohöl nicht nur gesundheitliche, sondern auch ökonomische und damit existenzielle Probleme. Der nigerianischen Regierung zufolge gab es zwischen 1970 und 2000 in etwa 7.000 Ölaustritte. Umweltschutzorganisationen glauben, dass es bis zu 300 Mal im Jahr – das heißt beinahe jeden Tag – zu Zwischenfällen kommt. Die Auswirkungen des ausgelaufenen Öls auf die Gesundheit der Bevölkerung, die Luft, den Boden und das Wasser sind jedenfalls verheerend. Die krebserregenden Bestandteile des „schwarzen Goldes“ verseuchen nicht nur den Fischfang – und damit die Lebensgrundlage vieler – sondern auch das Grundwasser, wie UNDP herausfand. Im Trinkwasser eines Ortes überstiegen die Werte für den krebserregenden Stoff Benzol den von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) festgelegten Grenzwert um das 900-fache. Anderswo fanden die Wissenschaftler eine acht Zentimeter dicke Ölschicht auf dem Grundwasser schwimmen. In dem Erdölfördergebiet im Süden Nigerias leben rund 30 Millionen Menschen. Ihre Lebenserwartung sank auf 40 bis 45 Jahre, im Rest des westafrikanischen Landes liegt sie bei knapp über 50 Jahren. Die Regierung selbst ist ihrerseits massiv von den Einnahmen durch Ölexporte verantwortlich. Diese machen etwa 90 Prozent des Staatshaushaltes in Nigeria aus, die breite Bevölkerung profitiert davon jedoch nicht. Viele Nigerianer richten deshalb ihre Wut gegen Öl-Multis wie Shell, Exxon, Mobil, Total und Chevron.

Shell muss nigerianischen Bauern entschädigen – Es war das erste Mal, dass ein Unternehmen mit Sitz in den Niederlanden dort wegen Vorwürfen gegen eine ausländische Tochterfirma verklagt wurde. Bei den Klägern handelte es sich um Bauern und Fischer. Diese machten Shell dafür verantwortlich, dass sie ihre Lebensgrundlage verloren hätten und ihre Familien nicht mehr ernähren könnten. Auch die Umweltschutzgruppe Friends of the Earth hatte Shell verklagt. Sie sieht in dem Urteil einen Präzedenzfall, weil ein Ölkonzern wegen mangelhaften Schutzes vor Sabotage verurteilt wurde. 30 Jahre bräuchte die Region östlich von Port Harcourt im Nigerdelta, auch Ogoniland genannt, um sich von der jahrelangen Verschmutzung durch die Ölwirtschaft zu erholen. Die vollständige Rekultivierung könnte die „größte und längste Säuberungs- und Aufräumaktion der Welt“ sein, fasst eine 2010 publizierte Studie des UNO-Entwicklungsprogrammes UNDP zusammen. Für die Bevölkerung bedeuten die während der vergangenen 50 Jahre ausgeflossenen knapp zwei Millionen Tonnen Rohöl nicht nur gesundheitliche, sondern auch ökonomische und damit existenzielle Probleme. Der nigerianischen Regierung zufolge gab es zwischen 1970 und 2000 in etwa 7.000 Ölaustritte. Umweltschutzorganisationen glauben, dass es bis zu 300 Mal im Jahr – das heißt beinahe jeden Tag – zu Zwischenfällen kommt. Die Auswirkungen des ausgelaufenen Öls auf die Gesundheit der Bevölkerung, die Luft, den Boden und das Wasser sind jedenfalls verheerend. Die krebserregenden Bestandteile des „schwarzen Goldes“ verseuchen nicht nur den Fischfang – und damit die Lebensgrundlage vieler – sondern auch das Grundwasser, wie UNDP herausfand. Im Trinkwasser eines Ortes überstiegen die Werte für den krebserregenden Stoff Benzol den von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) festgelegten Grenzwert um das 900-fache. Anderswo fanden die Wissenschaftler eine acht Zentimeter dicke Ölschicht auf dem Grundwasser schwimmen. In dem Erdölfördergebiet im Süden Nigerias leben rund 30 Millionen Menschen. Ihre Lebenserwartung sank auf 40 bis 45 Jahre, im Rest des westafrikanischen Landes liegt sie bei knapp über 50 Jahren. Die Regierung selbst ist ihrerseits massiv von den Einnahmen durch Ölexporte verantwortlich. Diese machen etwa 90 Prozent des Staatshaushaltes in Nigeria aus, die breite Bevölkerung profitiert davon jedoch nicht. Viele Nigerianer richten deshalb ihre Wut gegen Öl-Multis wie Shell, Exxon, Mobil, Total und Chevron.

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http://videos.arte.tv/de/videos/nigeria_der_fluch_des_schwarzen_goldes–3674078.html

Shell muss nigerianischen Bauern entschädigen

30. Jänner 2013, 14:52
  • Der nigerianische Bauer Eric Dooh verklagte gemeinsam mit Kollegen den Ölkonzern Shell vor einem niederländischen Gericht
    foto: ap/dapd/peter dejong

    Der nigerianische Bauer Eric Dooh verklagte gemeinsam mit Kollegen den Ölkonzern Shell vor einem niederländischen Gericht

  • Vier Klagen wurden abgewiesen, nur Friday Alfred Akpan erhielt eine Entschädigung zugesprochen
    foto: epa/marten van dijl

    Vier Klagen wurden abgewiesen, nur Friday Alfred Akpan erhielt eine Entschädigung zugesprochen

Niederländisches Gericht: Konzern in vier Fällen freigesprochen – In einem Fall muss der britisch-niederländische Ölriese zahlen

Den Haag – Der Ölmulti Shell muss wegen Umweltverschmutzung in Nigeria eine Entschädigung zahlen. Rund fünf Jahre nach Beginn des Verfahrens entschied ein Gericht in Den Haag am Mittwoch, dass die dortige Tochter des britisch-niederländischen Konzerns teilweise für Öllecks an seinen Pipelines im Niger-Delta verantwortlich ist. Zwar folgte es der Argumentation des Unternehmens, dass Sabotage und nicht etwa schlechte Wartung Ursache für das ausgetretene Öl gewesen sei. Doch hätte sich das Unternehmen besser gegen Sabotage schützen müssen. Deswegen sei der Schadenersatzanspruchdes 52-jährigen Bauern Friday Alfred Akpan berechtigt. Shell will die Höhe der Summe mit dem Kläger aushandeln. In vier anderen Fällen wies das Gericht die Klagen allerdings ab.

Es war das erste Mal, dass ein Unternehmen mit Sitz in den Niederlanden dort wegen Vorwürfen gegen eine ausländische Tochterfirma verklagt wurde. Bei den Klägern handelte es sich um Bauern und Fischer. Diese machten Shell dafür verantwortlich, dass sie ihre Lebensgrundlage verloren hätten und ihre Familien nicht mehr ernähren könnten. Auch die Umweltschutzgruppe Friends of the Earth hatte Shell verklagt. Sie sieht in dem Urteil einen Präzedenzfall, weil ein Ölkonzern wegen mangelhaften Schutzes vor Sabotage verurteilt wurde. Wegen der Abweisung der eigenen Klage will die Gruppe in die Berufung gehen.

Vergessene Ölpest

30 Jahre bräuchte die Region östlich von Port Harcourt im Nigerdelta, auch Ogoniland genannt, um sich von der jahrelangen Verschmutzung durch die Ölwirtschaft zu erholen. Die vollständige Rekultivierung könnte die „größte und längste Säuberungs- und Aufräumaktion der Welt“ sein, fasst eine 2010 publizierte Studie des UNO-Entwicklungsprogrammes UNDP zusammen. Für die Bevölkerung bedeuten die während der vergangenen 50 Jahre ausgeflossenen knapp zwei Millionen Tonnen Rohöl nicht nur gesundheitliche, sondern auch ökonomische und damit existenzielle Probleme. In den Medien wird von der Ölpest im Südosten Nigerias aber nur selten berichtet.

Ein niederländisches Gericht hat nun entschieden, dass der Ölriese Shell zumindest teilweise für die Umweltkatastrophe verantwortlich ist – der Konzern wurde zu Schadensersatzzahlungen verurteilt. Auch der UNDP-Bericht kam zu dem Schluss, dass Shell einer der Verursacher der Ölpest sei. Das niederländisch-britische Unternehmen habe Probleme in der öffentlichen Gesundheit und Sicherheit geschaffen, weil verabsäumte wurde, Kontroll- und Wartungsmechanismen zu implementieren, so das Urteil der UNO-Institution. Nach massiven Bürgerprotesten im Jahr 1993 zog sich der britisch-niederländische Konzern zwar von der aktiven Ölförderung im Ogoniland zurück, bis heute kontrolliert er aber über eine Tochtergesellschaft den Großteil der rund 7.000 Kilometer langen Leitungen in der Region.

Versäumnisse bei der Instandhaltung

UNDP kritisierte aber auch die staatliche nigerianische Ölgesellschaft NNPC (Nigerian National Petroleum Corporation) wegen schwerer Versäumnisse bei der Instandhaltung der bereits seit Mitte der 1950er Jahre existierenden Leitungen.

Shell selbst übernahm nach Bekanntwerden der Studienergebnisse Verantwortung für zwei Zwischenfälle im Jahr 2008 und 2009. Rechtlich zu belangen sei aber ohnehin allein das nigerianische Tochterunternehmen, erklärte der Konzern kürzlich. Hauptverantwortlich seien aber Öldiebe und Anschläge radikaler Gruppen. Auch UNDP kommt zu dem Schluss, dass viele der Lecks durch Sabotage und illegales Anzapfen der Pipelines entstanden sind. Unabhängige Berichte über auslaufendes Öl gibt es kaum.

Der nigerianischen Regierung zufolge gab es zwischen 1970 und 2000 in etwa 7.000 Ölaustritte. Umweltschutzorganisationen glauben, dass es bis zu 300 Mal im Jahr – das heißt beinahe jeden Tag – zu Zwischenfällen kommt.

Die Auswirkungen des ausgelaufenen Öls auf die Gesundheit der Bevölkerung, die Luft, den Boden und das Wasser sind jedenfalls verheerend. Die krebserregenden Bestandteile des „schwarzen Goldes“ verseuchen nicht nur den Fischfang – und damit die Lebensgrundlage vieler – sondern auch das Grundwasser, wie UNDP herausfand.

Im Trinkwasser eines Ortes überstiegen die Werte für den krebserregenden Stoff Benzol den von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) festgelegten Grenzwert um das 900-fache. Anderswo fanden die Wissenschaftler eine acht Zentimeter dicke Ölschicht auf dem Grundwasser schwimmen. In dem Erdölfördergebiet im Süden Nigerias leben rund 30 Millionen Menschen. Ihre Lebenserwartung sank auf 40 bis 45 Jahre, im Rest des westafrikanischen Landes liegt sie bei knapp über 50 Jahren.

Sanierung würde eine Milliarde Dollar kosten

Die „Sanierung“ der Region würde laut UNDP zunächst rund eine Milliarde Dollar kosten und 25 bis 30 Jahre dauern. Der Report – der bisher detaillierteste über die ölreiche Region Niger-Delata – wurde teilweise durch Shell selbst finanziert und auf Ansuchen der nigerianischen Regierung durchgeführt.

Die Regierung selbst ist ihrerseits massiv von den Einnahmen durch Ölexporte verantwortlich. Diese machen etwa 90 Prozent des Staatshaushaltes in Nigeria aus, die breite Bevölkerung profitiert davon jedoch nicht. Viele Nigerianer richten deshalb ihre Wut gegen Öl-Multis wie Shell, Exxon, Mobil, Total und Chevron. Nicht selten wurden deren Mitarbeiter entführt. Shell beschloss deshalb, seine Mitarbeiter aus gefährdeten Gebieten zu evakuieren. Oftmals sind aber auch Familienangehörige wohlhabender Nigerianer Opfer von Attentaten.

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) kommt in ihrem Report 2011 zu folgendem Schluss: Die Regierung in Abuja habe wenig Anstrengungen unternommen, um Lösungen für die Ölpest im Nigeredelta zu finden, aber auch um lokale Korruption und politisches Sponsoring bewaffneter Gruppen, die der Gewalt und Armut in der ölreichen Region zu Grunde liegen, zu beseitigen.(red/APA/Reuters, 30.1.2013)

 


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